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03.03.2020

Mit Eisentherapie gegen Herzschwäche

Jeder zweite Patient mit Herzschwäche leidet unter Eisenmangel – ein häufiger Auslöser für einen Krankenhausaufenthalt. Der Grund: Über den Darm kann das Mineral hier nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden – weder aus der Nahrung noch in Form von Tabletten. Neue Therapieoption gegen diese Begleiterkrankung der Herzinsuffizienz: die Eisenzufuhr per Infusion.
Herzinsuffizienz Untersuchung Prof. Toischer Uni Göttingen

Eisen ist essenziell für eine gesunde Herzfunktion, Patienten mit Herzinsuffizienz haben davon zu wenig. Dass Eiseninfusionen hiergegen helfen, weiß man: Warum sie aber helfen, will nun ein Forschungsprojekt der Uni Göttingen unter Prof. Karl Toischer (Bild) klären.

Schon beim gesunden Menschen führt Eisenmangel zu Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche. Aber: Bei gesunden Menschen ist er auch in der Regel gut behandelbar und bei ärztlicher Versorgung komplikationslos. Anders bei Menschen mit Herzschwäche: Da ist ein Mangel an Eisen im Blut häufig Auslöser für einen Krankenhausaufenthalt. Bei den ohnehin geschwächten Herzpatienten beeinträchtigt er nicht nur die Lebensqualität: „Ein chronisch niedriger Eisenwert im Blut kann die Herzinsuffizienz sogar dramatisch verstärken“, sagt Dietrich Andresen, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Eisenmangel gilt heute als eine Begleitkrankheit der Herzschwäche und kann auch ohne jede Blutarmut vorliegen. Eine standardmäßige Überprüfung der Eisenwerte bei Herzschwäche ist deshalb wichtig.“

Vier Millionen Deutsche leiden an Herzinsuffizienz

Bis zu vier Millionen Menschen in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an Herzschwäche (Fachbegriff: Herzinsuffizienz). Mehr als 460.000 Patienten müssen jedes Jahr ins Krankenhaus, weil sich ihr Gesundheitszustand deswegen verschlechtert. Auffällig dabei ist: Etwa 40 Prozent der Patienten mit chronischer Herzschwäche weisen einen Eisenmangel auf. Bei Patienten mit akuter Herzschwäche sind es sogar bis zu 75 Prozent.

 

Eisen als Infusion: Weniger Klinikaufenthalte, weniger Todesfälle

Der Eisengehalt im Blut ist essenziell für den Sauerstofftransport und die Energiegewinnung der Körperzellen. Das Herz benötigt dieses lebenswichtige Spurenelement auch, um seine Funktion an akuten oder chronischen Stress anzupassen. Aber bei etwa der Hälfte der Herzschwäche-Patienten kann der Körper aus der Nahrung nicht in ausreichender Menge Eisen über den Darm aufnehmen. Eisen in Tablettenform ist bei dieser Patientengruppe daher nicht das Mittel der Wahl. „Durch eine intravenöse Eisenzufuhr (Eisen-Carboxymaltose) dagegen kann Eisenmangel behoben werden“, heißt es bei der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt/Main. Das bedeutet: eine Verbesserung der Lebensqualität, weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Todesfälle.

Eisenmangel gilt als eine Begleitkrankheit der Herzschwäche und kann auch ohne jede Blutarmut vorliegen. Liegt neben dem Eisenmangel auch eine Blutarmut (Anämie) vor, müssen andere Ursachen für Eisenmangel und Anämie abgeklärt werden. Häufig sind dafür chronische Blutverluste über den Magen-Darm-Bereich verantwortlich.

Mögliche Ursachen für Herzinsuffizienz:

  • verschlechterte Kontraktionsfähigkeit oder Füllung des Herzens durch Schädigung des Herzmuskels nach Herzinfarkt
  • erhöhter Pumpwiderstand, etwa bei Bluthochdruck
  • erhöhtes Schlagvolumen bei Herzfehlern (undichte Aortenklappe)
  • erhöhter Blutbedarf des Körpers bei schwerer Allgemeinerkrankung
  • Blutarmut (Anämie)
  • Nebenwirkungen zahlreicher Medikamente
  • Chronisch hoher Kochsalzkonsum

Forschungsprojekt soll klären, warum genau Eisen hilft

Vieles spricht dafür, dass man durch eine intravenöse Eisenzufuhr Herzschwäche nicht nur behandeln, sondern sogar deren Fortschreiten hemmen kann. „Die genauen Zusammenhänge zwischen Eisenmangel in den Herzmuskelzellen, dem Eisenstoffwechsel und der Entwicklung einer Herzinsuffizienz sind bisher aber nur unzureichend erforscht“, sagt Karl Toischer, Kardiologe am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen. „Unklar ist, wie eine Eisensubstitution die Herzfunktion, den Verlauf der Herzschwäche und die Sterblichkeit günstig beeinflusst.“ Unter Toischers Leitung startet deshalb demnächst ein Forschungsvorhaben namens „Einfluss von Eisensubstitution auf die Herzinsuffizienzentwicklung“. Mit 60.000 Euro wird das Projekt am Göttinger Herzzentrum von der Deutschen Stiftung für Herzforschung unterstützt.

Kostenloser Ratgeber bei der Deutschen Herzstiftung

Für Patienten mit Herzschwäche gibt es bei der Deutschen Herzstiftung einen kostenfreien Ratgeber mit dem Titel „Das schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“.

Bestellkontaktdaten:

  • www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie
  • Tel. 069 955128-400
  • bestellung@herzstiftung.de

Foto: Deutsche Herzstiftung

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Hauptkategorie: Medizin
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