. Mobile Health made in Berlin

Mit dem Smartphone gegen Wartezeiten

Wie lassen sich Wartezeiten beim Hautarzt reduzieren? Eine Antwort auf diese Frage hat der Berliner Start-Up-Unternehmer Simon Bolz. Er hat gemeinsam mit dem Gesundheitsökonomen Dr. Simon Lorenz die App „Klara“ entwickelt, die künftig dazu beitragen könnte unnötige Arztbesuche zu vermeiden.
Mit M-Health gegen Ärztemangel: Die App Klara geht neue Wege

Die App Klara ermöglicht eine mobile Verbindung zum Hautarzt

Klara erlaubt im Prinzip eine Erstdiagnose ohne Arztbesuch. Dazu lädt der Nutzer zwei Fotos seines Hautproblems passwortgeschützt auf den Server mit Standort in Deutschland und füllt einen Fragebogen aus. Für 29 Euro erhält er innerhalb von innerhalb von 48 Stunden eine Ersteinschätzung und Empfehlung zur Behandlungsdringlichkeit von einem Dermatologen.

Die App ist seit Jahresanfang auf dem Markt. Den kostenlosen Download haben bislang laut Bolz 125.000 Menschen weltweit genutzt, davon 60.000 in Deutschland. „Mehrere 1000“ haben hierzulande den Angaben zufolge auch das kostenpflichtige Angebot der App wahrgenommen. Der Durchschnitts-Anwender ist den Angaben zufolge männlich und 35 Jahre alt. 80 Prozent der vorgetragenen Probleme seien Ausschläge. Vor allem bei Geschlechtskrankheiten schätzen Nutzer die Möglichkeit, sich anonym beraten zu lassen. Auch deutlich ist laut Bolz, dass die App vor allem abends, am Wochenende und feiertags genutzt wird.

App Klara: Fotodiagnose kann Patienten filtern

Die App Klara versteht sich als Brücke zwischen Internet und Arzt. Bolz und Lorenz knüpften bei der Entwicklung an persönliche Erfahrungen an. Sie vertreten die Auffassung, dass sich 90 Prozent aller Hautprobleme anhand von Fotos diagnostizieren lassen. „Davon wäre bei 70 Prozent eine Therapie ohne physischen Arzt-Patienten-Kontakt möglich“, meint Bolz.

Doch das ist in Deutschland verboten. Denn hierzulande gilt ein Fernbehandlungsverbot für Ärzte. Eine abschließende Diagnose dürfen Ärzte hier via App oder Internet nicht stellen. Nur Begutachtung und Empfehlungen sind erlaubt. Für Diagnose und Therapie muss der Patienten dem Arzt gegenübersitzen. „Deshalb sind wir nun in die USA gegangen, weil wir dort viel mehr dürfen“, erklärte Bolz Ende August.

 

Start auch in den USA

Für den US-Markt ist das Produkt aus zwei Gründen deutlich interessanter. Bolz ist überzeugt, dass die Menschen dort „was mobile Health betrifft schon sehr viel weiter“ sind. Zum zweiten sind US-Amerikaner eher daran gewöhnt für Gesundheitsdienstleistungen zu zahlen als Deutsche. Bolz erwartet deshalb ein rasantes Wachstum. In den USA kooperiert das Unternehmen bereits jetzt mit 15 Ärzten, in Deutschland sind es sieben. Hierzulande hat Klara praktisch eine Alleinstellung auf dem Markt. In den USA gibt es dagegen Mitbewerber.

Doch Bolz hat große Pläne: „Wir wollen die führende Firma in der mobilen Medizinkommunikation weltweit werden.“ Er und sein Kompagnon sind überzeugt, dass ihr Produkt die Gesundheitsversorgung der Zukunft mitgestalten wird. Sie verweisen darauf, dass Patienten deutschlandweit im Durchschnitt 30 Tage auf einen Termin beim Dermatologen warten. Bolz schlägt vor, dass mittels App dringender und weniger dringende Fälle vorsortiert werden könnten. Darüber ist er nun auch mit Krankenkassen in Gesprächen.

Foto: goderma/Klara

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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