. Arzneimittelfälschungen

Millionen gefälschte Arzneimittel beschlagnahmt

1,4 Millionen gefälschte Arzneimittel hat der deutsche Zoll im ersten Halbjahr 2013 beschlagnahmt. Viele davon enthielten giftige Substanzen. Die Arzneimittelkommission warnt vor Arzneimitteln aus dubiosen Quellen im Internet.
Millionen gefälschte Arzneimittel gefährden Verbraucher

Was die Zollfahnder an Arzneimittelfälschungen finden, ist nur die Spitze eines Eisbergs

Auf dem Informationsforums Arzneimittelfälschung in Berlin präsentierten gestern Zollkriminalamt, INTERPOL und Arzneimittelhersteller eine erschreckende Bilanz: So haben Deutsche Zollbehörden alleine im ersten Halbjahr 2013 1,4 Millionen gefälschter Tabletten, Pulver und Ampullen sichergestellt. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 15 Prozent. Jedes zweite im Internet gekaufte Medikament ist laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Fälschung.

Risiko Arzneimittelfälschung

Gefälschte Arzneimittel können lebensgefährlich sein. Sie können gar keinen, den falschen, zu wenig oder zu viel Wirkstoff enthalten. Der Verbraucher kann sie kaum von originalen Arzneimitteln unterscheiden. Gefälscht werden nicht nur Potenzmittel und Schlankheitspillen sondern auch Arzneimittel zur Behandlung von Krebs, HIV, Magengeschwüren, hohem Cholesterin, Alzheimer, Bluthochdruck, Depression, Rheuma, Malaria oder auch Verhütungsmittel.

Arzneimittelfälschungen werden häufig in Hinterhöfen und Garagen unter unhygienischen Bedingungen hergestellt und übers Internet vertrieben. Oft enthalten die Mittel bedenkliche oder gar giftige Substanzen. „Patienten wissen oft nicht, welchen hohen gesundheitlichen Risiken sie sich in Folge einer Bestellung von Medikamenten aus unsicheren Internetquellen aussetzen“, sagt Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). „Es wurden mitunter lebensgefährliche Inhaltsstoffe in gefälschten Medikamenten gefunden. Die Arzneimittelkommission rät dringend, keine Arzneimittel aus dubiosen Quellen im Internet zu kaufen.“

Neues Sicherheitssystem soll Verbraucher besser schützen

Arzneimittelhersteller, Apotheker und Großhändler entwickeln derzeit gemeinsam ein neues Sicherheitssystem. Damit sollen Apotheker europaweit Arzneimittel auf ihre Echtheit prüfen können. In Deutschland wird das System securPharm bereits seit Anfang 2013 getestet. Dabei wird auf jeder Medikamentenpackung ein zweidimensionaler sogenannter „Data Matrix Code“ aufgedruckt, mit der die Packung eindeutig zurückverfolgt werden kann.

Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln ist ein internationales Problem. „Der illegale Handel mit Arzneimittelfälschungen steigt international stark an und macht einen intensiven Kampf gegen die gewissenlosen Kriminellen notwendig“, so Norbert Drude, Präsident Zollkriminalamt. „Das setzt eine enge Kooperation aller Sicherheits- und Gesundheitsbehörden auf nationaler und internationaler Ebene voraus.“ Bei einer konzertierten Aktion hatten Polizei- und Zollbehörden unter der Leitung von INTERPOL vom 18. bis 27. Juni 2013 in 100 Staaten 9,8 Millionen potenziell gefährlicher Arzneimittelfälschungen beschlagnahmt und 58 Personen verhaftet. Mehr als 9.000 Internetseiten, die auf illegale Versandhändler verlinkt hatten, wurden identifiziert und abgeschaltet.

Foto: Zoll

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

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