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20.10.2016

Migräne ohne Medikamente behandeln

Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie und Biofeedback sind eine wirksame Alternative zur Medikamenten-Behandlung der Migräne. Das sagt die neue Behandlungsleitlinie der Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).
Migräne-Anfall

Entspannungsverfahren und Verhaltenstherapie können bei Migräne helfen

Die DMKG-Experten werteten dafür vorliegende Studien zur komplementärmedizinischen Therapie des schmerzhaften Leidens aus. Schon die Beratung der Patienten führe zu einer messbaren Kopfschmerz-Reduktion, stellten die Forscher fest. Internetbasierte Beratungs-Programme stellten dabei einen vielversprechenden Ansatz dar.

Bei den Entspannungsverfahren zeigte sich eine sehr gute Wirksamkeit der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson. Sie sei auch leichter zu erlernen und anzuwenden als beispielsweise das Autogene Training. Auch aeroben Ausdauersport empfehlen die Mediziner, obwohl es dazu noch nicht so viele Studien gibt.

Migräne ohne Medikamente behandeln: Verhaltenstherapie

Als sehr wirksam habe sich die Kognitive Verhaltenstherapie erwiesen, die vor allem Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugungen und Erwartungshaltungen positiv beeinflusst. Sie ist indiziert, wenn der Patient keine Medikamente nehmen möchte, sie nicht verträgt oder wegen einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft oder der Stillzeit nicht nehmen sollte.

Angezeigt ist sie auch Patienten, die über lange Jahre häufig oder exzessiv zu Schmerzmitteln greifen, was die Kopfschmerz-Symptome verstärkt oder andere Medikamenten-Therapien beeinträchtigt. Oder wenn bei den Betroffenen deutliche Belastungsmomente zu erkennen sind und/oder adäquate Stressbewältigungs-Strategien fehlen.

 

Über Biofeedback zentralnervöse Funktionen steuern

Interessant fanden die Mediziner den Ansatz, Migräne-Auslöser nicht grundsätzlich zu vermeiden, sondern im Rahmen einer Auslöser-Bewältigung einen besseren Umgang damit zu ermöglichen.

Vielversprechend sei das Biofeedback. Durch diese Verfahren kann der Patienten lernen, zentralnervöse Funktionen, die gewöhnlich unbewusst sind, zu kontrollieren und zu steuern - und so gezielt gegen Schmerzzustände vorzugehen oder ihnen vorzubeugen. Dabei werden bestimmte Körpersignale durch Sensoren erfasst und dem Patienten visuell oder akustisch rückgemeldet, wie zum Beispiel Gefäßdurchblutung, Hauttemperatur, Hautleitwert oder Muskelspannung.

Die Kombination von verhaltenstherapeutischer und pharmakologischer Behandlung sei nicht nur sehr gut wirksam, sondern helfe, Überdosierungen zu vermeiden und den Medikamenten-Gebrauch zu reduzieren, so das Fazit der DMKG-Experten. Die Leitlinie ist auf der Homepage der DMKG frei zugänglich.

Piercing zur Migräne-Therpie nicht empfohlen

Vom Piercing zur Behandlung der Migräne - wie es in einigen Internetforen empfohlen wird - raten die Mediziner ab. Das Piercing wird dabei im Bereich des Ohrknorpels an einen der Akupunkturpunkte, die zur Migränebehandlung genutzt werden, gesetzt.

Zur Wirksamkeit dieser Methode gebe es keine wissenschaftlichen Belege, wenden die Ärzte ein. Außerdem berge das Piercen gesundheitliche Risiken. Insbesondere im Bereich des Ohrknorpels ist das Risiko einer verzögerten Wundheilung oder einer Infektion im Vergleich zu Piercings an gut durchblutetem Gewebe deutlich höher.

Ein anderes Verfahren, das gute Wirkung bei chronischer Migräne zeigt, kommt nicht ohne einen Arzneistoff aus: Botox-Injektionen in die Stirn.

Foto: Syda Productions/fotolia.com

Foto: Africa Studio - Fotolia

Autor: bab
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