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Menschen mit psychischen Erkrankungen von Arbeitswelt ausgegrenzt

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sind von der Arbeitswelt nach wie vor stark ausgegrenzt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Prof. Steffi G. Riedel-Heller und Dr. Uta Gühne vom Institut für Sozialmedizin der Universität Leipzig. Sie erstellten sie im Auftrag von Gesundheitsstadt Berlin e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und präsentierten sie jetzt in Berlin.
Studienautorin Prof. Steffi Riedel-Heller (2.v.li.), Dr. Iris Hauth, Präsidentin der DGPPN (2.v.re.)S, Pro

Prof. Steffi G. Riedel Heller (2.v.li.), DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth (2.v.re.)

Bis zu 2 Prozent der Bevölkerung von 15 bis 65 Jahren leiden an einer schweren psychischen Erkrankung. Dazu zählen schwere Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, schwere Zwangs- oder Angststörung, schwere Persönlichkeitsstörung.

Die Erwerbstätigkeit gilt in der psychiatrischen Medizin als bedeutender Genesungs-Faktor. Zu den positiven Wirkungen zählen verbesserte Lebensqualität und verringerte Behandlungs-Notwendigkeit. Auch bei den Patienten ist der Wunsch nach Rückkehr in die Arbeitswelt groß. Dennoch ist die Arbeitslosenrate in dieser Patienten-Gruppe überdurchschnittlich hoch, besonders betroffen sind Schizophrene. Auch die Frühverrentungsrate liegt weit über dem Schnitt.

Psychische Erkrankungen: Rückkehr in Job unterstützen

Um die berufliche Rehabilitation zu unterstützen, gibt es zwei Ansätze. In Studien zeigte sich das Supported Employment überlegen. Die Patienten werden rasch auf einem Arbeitsplatz auf dem 1. Arbeitsmarkt platziert und intensiv und zunächst zeitlich unbegrenzt von einem Job-Coach betreut. Wird solch ein Programm angemessen umgesetzt, tritt der Effekt sogar unabhängig von persönlichen Faktoren ein.  

Weniger gut schneidet die traditionelle Alternative ab: pre-vocational Training,  jobvorbereitendes Training. Viele schwer psychisch Kranke erhalten solch institutionelle Unterstützung. Sie werden geschult - oder arbeiten in geschütztem Rahmen im besonderen Arbeitsmarkt, in Rehabilitationszentren für psychisch Kranke, beruflichen Trainingszentren, Tagesstätten, Berufsbildungswerken. Doch die vielfältigen Angebote öffnen meist kaum die Perspektive, in den 1. Arbeitsmarkt zu wechseln.

Die Mehrzahl der schwer psychisch Kranken arbeitet in Werkstätten für behinderte Menschen. Die Chance auf eine echte Anstellung liegt hier bei 0,11 Prozent. Die Supported-Employment-Programme haben eine Erfolgsquote von bis zu 61 Prozent.

Die Autoren fordern ein an die Bedürfnisse der Patienten angepasstes Vorgehen, der Berufseinstieg sei wenn möglich frühzeitig im Rahmen der Behandlung zu planen und durch einen festen Ansprechpartner zu begleiten.

Barrieren gibt es: Die Folgen der Erkrankung können die Leistungsfähigkeit schmälern, instabile Phasen sind möglich. Hier sei mehr Aufklärung nötig, um Ängste und Vorbehalte in Unternehmen und bei potentiellen Kollegen abzubauen. Arbeitgeber sollten Anreize erhalten, um Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen einzustellen. Klar ist auch: Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt haben sich durch den Wegfall von Nischenjobs und höhere Arbeitslosen-Zahlen verschärft.

Foto: DGPPN

 
Hauptkategorie: Prävention und Reha
 

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