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Mehr Langzeitüberlebende bei Eierstockkrebs

Donnerstag, 6. September 2018 – Autor:
Jede dritte Eierstockkrebspatientin lebt heute acht Jahre oder länger nach der Diagnose. Dabei spielt die Qualität der Behandlung eine große, aber nicht die einzige Rolle. Eine Studie der Charité geht nun den Ursachen für das Langzeitüberleben nach.
Langzeitüberleben, Eierstockkrebs

Suche nach dem Code des Lebens: In der Charité-Studie „Carolin meets Hanna“ gehen Forscher dem Phänomen des Langzeitüberlebens bei Eierstockkrebs nach – Foto: AOK-Mediendienst

Eierstockkrebs hat in der Regel keine gute Prognose. Dennoch wächst auch bei dieser problematischen Krebsform die Zahl der sogenannten Langzeitüberlebenden. Damit sind Frauen gemeint, die mindestens acht Jahre nach der Diagnose noch leben. Rund jede dritte Eierstockkrebspatientin gehört inzwischen zur Gruppe der Langzeitüberlebenden, den sogenannten „Cancer survivors“.

Daten aus großen Zentren zeigen, dass die Qualität der Behandlung und insbesondere die der Operation eine maßgebliche Rolle für das Überleben spielt: Werden die Frauen dort tumorfrei! operiert, steigt selbst bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit auf 60 bis 70 Prozent.

Warum überleben einige den Eierstockkrebs und andere nicht?

Die medizinische Behandlung scheint aber nicht die einzige Ursache zu sein. Denn auch bei offensichtlich gleichen Voraussetzungen gibt es diejenigen, die früh versterben, während andere, wenige den Krebs besiegen. Daten, die diese Unterschiede erklären könnten, gibt es praktisch nicht. Liefern will nun die Charité mit der Studie „Carolin meets Hanna“. Intention des Projekts ist es, Faktoren zu identifizieren, die diese außergewöhnliche Gruppe von Patientinnen auszeichnen: Ist es die Tumorbiologie, der Immunstatus oder die Resilienz, also die Fähigkeit, Krisen zu meistern, die die Langzeitüberlebenden so stark machen? Oder müssen mehrere dieser Faktoren zusammenspielen? Und wenn ja, in welcher Kombination? Würde man den „Code des Lebens“ kennen, könnte man die Erkenntnisse für neue Therapiekonzepte nutzen, so die Hoffnung.

 

Fragen über Fragen und etliche medizinische Untersuchungen

„Carolin meets Hannah“ will darum Antworten finden. Im ersten Teil der Studie müssen die Teilnehmerinnen einen mehrseitigen Fragebogen zu ihrem Lebensstil, ihrer familiären und beruflichen Situation sowie zu ihren religiösen und spirituellen Anschauungen ausfüllen. Zudem werden Begleitbeschwerden, vorausgegangene Behandlungen und die Nutzung von komplementären Maßnahmen abgefragt.

Der zweite Teil der Studie ist sehr viel aufwändiger: In rund 100 klinischen Untersuchungen an der Charité wird nach neurologischen, kardiologischen, immunologischen, dermatologischen, genetischen und psychosomatischen Besonderheiten gesucht. Pathologen werten außerdem den Tumor molekulargenetisch aus. Der Aufwand für die Probandinnen ist groß, aber das Interesse daran offenbar ebenfalls.

Zwei Drittel der ehemaligen Eierstockkrebspatientinnen haben Beschwerden

„Die Frauen sind extrem bereit“, sagt Studienleiter Prof. Jalid Sehouli von der Charité. Viele litten unter Beschwerden und fühlten sich immer noch als Krebspatientinnen, hätten aber keine Anlaufstelle. Oft stießen sie auf wenig Verständnis nach dem Motto, sei doch froh, dass Du lebst. „Durch die Studie bekommen sie endlich Aufmerksamkeit“, so der Eierstockkrebsspezialist.

Rund 1.000 ehemalige Eierstockkrebspatientinnen sollen in den nächsten Jahren in „Carolin meets Hanna“ eingeschlossen werden. 300 machen bereits mit. Aus den ersten Analysen weiß man, dass 60 bis 70 Prozent unter diversen Beschwerden leiden und auch bei knapp jeder zwanzigsten Frau Zweittumore auftreten. Manchmal kehrt auch der Eierstockkrebs nach Jahrzehnten zurück.

Junges Alter und gute Behandlung erhöhen die Überlebenswahrscheinlichkeit

Ansonsten weiß man bisher wenig, außer der Tendenz, dass es eher jüngere Frauen und gut behandelte Patientinnen sind, die den bösartigen Krebs lange überleben. Das Eierstockkrebsgen BRCA macht jedenfalls keinen Unterschied: Jede zweite Langzeitüberlebende hat es bzw. hat es nicht.

Die Studie wurde übrigens nach zwei Langzeitüberlebenden benannt. „Hanna“ war eine katholische Nonne, die in etwas mehr als acht Jahren 155 Chemotherapien erhielt und bis kurz vor ihrem Tod äußerst sozial engagiert war. „Carolin“ ist die Tochter des Dirigenten Kurt Mansur. Sie wurde vor zwölf Jahren an der Charité wegen Eierstockkrebs operiert und ist heute Schirmherrin des Projekts.

Foto: AOK Mediendienst

Hauptkategorien: Berlin , Medizin , Gesundheitspolitik
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