. Reparaturmedizin

Mehr Eingriffe am Herzen

Laut AOK Krankenhaus-Report ist die Zahl der Eingriffe am Herzen in Deutschland zwischen 2008 und 2010 um 25 Prozent gestiegen. Diabetes-Experten führen diese Entwicklung auch auf eine unzureichende Diabetesbehandlung zurück – und kritisieren den Trend zur Reparaturmedizin.
Mehr Eingriffe am Herzen

Wiederbelebung nach Herzinfarkt: Schwerwiegende Folge von Diabetes

Ein unzureichend behandelter Diabetes schädigt die Gefäße, auch die am Herzen. Daher ist der Herzinfarkt eine häufige Folge von Diabetes. Viele Infarkte wären durch eine zielwertorientierte und sichere Diabetestherapie vermeidbar, aber leider belohne das gegenwärtige Vergütungssystem diese nicht, kritisiert Professor Stephan Matthaei, Präsident der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Stattdessen begünstige das aktuelle Klassifikationssystem der diagnosebezogenen Fallgruppen jene Behandlungen finanziell, die nicht die Ursachen bekämpfen, sondern den gesundheitlichen Schaden beheben, wenn er bereits eingetreten ist. „Wir bedauern, dass die DRG-Systematik damit indirekt den Trend zur Reparaturmedizin am Herzen fördert“, erklärt Matthaei. „Es wäre aus unserer Sicht weitaus sinnvoller, stärkere Anreize für eine leitliniengerechte Behandlung des Diabetes zu verankern, mit dem Ziel, Folgeerkrankungen des Diabetes zu verhindern.“ Dies würde sich langfristig auch günstig auf die Kostenentwicklung auswirken.

Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen auf Dauer das Herz

Die Autoren des Krankenhaus-Reports der AOK kamen in Bezug auf die gestiegene Anzahl der Herzeingriffe zu dem Schluss, dass nur etwa zehn Prozent des Anstiegs auf die demografische Entwicklung zurückzuführen seien. Aus welchen Gründen darüber hinaus eine Mengenausweitung etwa bei Eingriffen am Herzen stattfindet, ist derzeit Gegenstand der Diskussion unter Gesundheitsexperten. Die Diabetes-Experten sehen einen dieser Gründe in falschen finanziellen Anreizen für die invasive Apparatemedizin.

Herzerkrankungen wie Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche gehören zu den schwerwiegendsten Folgen von Diabetes. Sie treten vor allem dann auf, wenn ein Diabetes über lange Zeit unentdeckt bleibt oder inadäquat behandelt wird. Oft werde Diabetes nur als einer von vielen Risikofaktoren für eine Herzerkrankung gesehen und es werde dann nur die Herzerkrankung behandelt, betont DDG-Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche. „Die Notwendigkeit der Diabetesbehandlung tritt gerade im Krankenhaus in den Hintergrund“, so Fritsche. Dabei verursachten und verschlechterten zu hohe Blutzuckerwerte direkt diese Herzerkrankungen. Aber auch Hypoglykämien, also Unterzuckerungen, gehen bei Herzkranken mit gefährlichen, auch tödlichen Herzrhythmusstörungen einher.

Herzoperation Folge von Diabetes

Eine Therapie, die das individuelle Therapieziel für Blutzucker, LDL-Cholesterin und Blutdruck nicht erreicht, schädigt die Gefäße und lässt Eingriffe, etwa für einen Herzkatheter oder eine Bypass-Operation, häufig erst notwendig werden. Um diesen Trend abzuwenden, müsse die Behandlung von Diabetespatienten auch im Krankenhaus verbessert werden. Das Zertifikat der DDG „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“ sei ein Anhaltspunkt für Patienten, das geeignete Krankenhaus zu finden.

Foto: AOK Mediendienst

Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Herz-Operation

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.