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Meerrettich ist „Heilpflanze des Jahres 2021“

Antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend: In jüngeren Studien verdichten sich Belege dafür, dass die in der Meerrettichwurzel enthaltenen Senföle vor allem bei Blasenentzündung helfen – ohne die Risiken synthetischer Antibiotika. Der Naturheilverein NHV Theophrastus hat den Meerrettich dafür zur „Heilpflanze des Jahres 2021“ gekürt.
Meerrettich - als Wurzel und gerieben.

Die Österreicher essen Meerrettich zum Tafelspitz, die Hanseaten zu Räucherfisch. Aber Meerrettich ist nicht nur ein scharfes Gemüse, sondern auch ein offenbar starkes Medikament aus der Natur. Die Senföle darin gelten als keimtötend und entzündungshemmend.

Elf Krankheitserreger nahmen die Wissenschaftler in einer der aktuellsten Studien zur Frage der therapeutischen Wirksamkeit von Meerrettich unter die Lupe. Dabei zeigte sich: „Gegen alle elf in der Forschungsarbeit untersuchten Krankheitserreger, darunter E. coli, der häufigste Auslöser von Infektionen der Harnwege, zeigte Meerrettich ausgeprägte keimhemmende Effekte“, heißt es in einer Mitteilung der CGC Cramer Gesundheits-Consulting GmbH.  Der Naturheilverein „NHV Theophrastus“ aus München hat den Meerrettich wegen seiner Bedeutung als natürliches Antibiotikum zur „Heilpflanze des Jahres 2021“ gekürt.

Meerrettich plus Kapuzinerkresse: Wirkung verstärkt sich noch

Meerrettich habe als Heilpflanze ein großes und bisher zu wenig ausgeschöpftes Potenzial, begründet der NHV Theophrastus die Wahl. So liegen für den Nachweis der antibakteriellen, antiviralen sowie entzündungshemmenden Wirkung der in Meerrettich enthaltenen Senföle bereits eine Vielzahl von Publikationen vor. Eine Kombination aus Meerrettich mit der ebenfalls Senföle enthaltenden Kapuzinerkresse wird seit Ende der 1950er-Jahre erfolgreich in der Therapie von Erkältungskrankheiten (Sinusitis und Bronchitis) und Blasenentzündungen eingesetzt.

„Zwei Untersuchungen der Universität Freiburg belegen, dass sich durch die Kombination dieser beiden Pflanzen ein breites Spektrum therapeutisch relevanter Wirkstoffe ergibt, die sich in ihrer Wirkung zum Teil noch gegenseitig verstärken“, heißt es in der Mitteilung der Cramer Gesundheits-Consulting.

 

Behandlungsalternative bei häufigen Blasenentzündungen

Senföle gelten als antibakteriell und entzündungshemmend und sind demnach in der Lage, Krankheitserreger gleich auf mehreren Ebenen anzugreifen. Weil sie in ihrer Wirkung, nicht aber bei den Risiken Antibiotika gleichkommen, eignen sie sich bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen als Behandlungsalternative.

Senföle: Antibiotikaähnlich – bei geringerem Resistenzrisiko

Weitere Studien belegen, dass die Senföle die Bildung von sogenannten bakteriellen Biofilmen hemmen. Einen solchen Schutzschild bilden Bakterien aus, um die heilsame Wirkung von Antibiotika oder dem Immunsystem auszutricksen. In der für Ärzte relevanten, 2017 aktualisierten Behandlungsleitlinie „unkomplizierte Harnwegsinfektionen" wird der Einsatz von Meerrettich und Kapuzinerkresse als pflanzliche Therapieoption bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen offiziell empfohlen. „Im Hinblick auf die zunehmende Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen ist zudem von besonderer Relevanz, dass bei Bakterien die Entwicklung möglicher Resistenzmechanismen gegen die Senföle auf Grund der vielfältigen Wirkansätze dieser Pflanzenstoffe deutlich erschwert wird“, heißt es bei CGC weiter.

Woher der Meerrettich ursprünglich stammt

Meerrettich ist ursprünglich in Südrussland und der östlichen Ukraine heimisch, gelangte um das Jahr 1.000 nach unserer Zeitrechnung nach Mitteleuropa und wird aufgrund seiner antibakteriellen und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe schon seit Jahrhunderten als Heilpflanze eingesetzt. Wegen seines hohen Vitamin-Gehalts und seiner langen Haltbarkeit wurde er in der Seefahrt gegen Skorbut verwendet – eine Vitamin-C-Mangelkrankheit, die insbesondere zu Zahnfleischbluten und Zahnausfall führt.

Stichwort Naturheilverein „NHV Theophrastus“

Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim (NHV Theophrastus) trägt den offiziellen Namen des allgemein als „Paracelsus“ bekannten Schweizer Arztes, Naturphilosophen, Alchemisten und Sozialethikers. Er wirkte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im österreichischen Salzburg und gilt als einer der berühmtesten europäischen Ärzte überhaupt. Heute verbinden wir mit seinem Namen die Idee von „Naturheilkunde“ und „Ganzheitlicher Medizin“. Bekannt ist er für seinen medizinisch-philosophischen Sinnspruch „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“ – oder kurz und plakativ: „Die Menge macht das Gift".

Der Verein verfolgt einen präventiv-naturheilkundlichen Ansatz durch Informations- und Beratungsangebote für eine gesunde Lebensweise und zu Naturheilverfahren. Seit 2003 kürt der NHV Theophrastus die Heilpflanze des Jahres, um auf die Bedeutung der Pflanzenheilkunde in der Medizin aufmerksam zu machen.

Myrrhe: Zweite „Heilpflanze des Jahres 2021"

Der ebenfalls auf dem Gebiet der Naturheilkunde aktive „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" wählte eine andere Pflanze zur Heilpflanze des Jahres 2021: den Myrrhe-Baum. Das aromatische Gummiharz des Baumes wird in der Medizin beispielsweise bei Colitis ulcerosa, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des Dickdarms, eingesetzt.

Foto: AdobeStock/Eskymaks

Hauptkategorie: Medizin
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