. Studie zum Brustkrebsüberleben

Medizinischer Fortschritt geht an älteren Brustkrebspatientinnen vorbei

Seit den 90er Jahren ist die Brustkrebssterblichkeit deutlich gesunken. Daten aus den Niederlanden zeigen allerdings, dass dies nur auf jüngere Patientinnen zutrifft. Bei den älteren ist die Sterblichkeit unverändert hoch.
Ältere Patientinnen sterben heute genauso oft an metastasiertem Brustkrebs wie vor 20 Jahren

Ältere Patientinnen sterben heute genauso oft an metastasiertem Brustkrebs wie vor 20 Jahren

Die Behandlung von Brustkrebs gilt als Aushängeschild für den medizinischen Fortschritt. In Deutschland wie in vielen anderen Industrienationen liegt die Gesamtüberlebensrate mittlerweile bei knapp 90 Prozent. Selbst bei metastasiertem Brustkrebs im Stadium IV geht seit 1990 die Sterblichkeit jedes Jahr um zwei Prozent zurück. Doch an älteren Frauen scheint der medizinische Fortschritt vorbeizugehen, wie Wissenschaftler der Universität Leiden, Niederlande, in einer Beobachtungsstudie zeigen konnten. Demnach hat sich das Gesamtüberleben von Patientinnen über 75 Jahren in den letzten zwei Dekaden überhaupt nicht verbessert. Frauen dieser Altersgruppe sterben also heute genauso oft an ihrem Krebs, wie zu Beginn der 1990er Jahre.

Brustkrebs-Sterblichkeit bei den Älteren seit 20 Jahren unverändert

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler Daten von mehr als 14.300 Patientinnen ausgewertet, bei denen zwischen 1990 und 2012 Brustkrebs im Stadium IV mit Fernmetastasen diagnostiziert worden war. Die Daten stammten aus dem nationalen Krebsregister der Niederlande.

„Mit dieser Studie wollten wir herausfinden, inwieweit neue Behandlungsstrategien das Gesamtüberleben verbessert haben und ob ältere genau wie jüngere Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs gleichermaßen von den Fortschritten profitieren“, erläutert Studienleiterin Nienke de Glas vom Brustzentrum der Universität Leiden. „Wie wir nun zeigen konnten, hat sich in den vergangenen Jahren das Überleben der älteren Frauen im Gegensatz zu den jüngeren in keiner Weise verbessert.“

Ältere werden anders behandelt als jüngere

Eine plausible Erklärung für den Unterschied zwischen Alt und Jung liefert die Studie gleich mit: Ältere Patientinnen wurden anders behandelt als jüngere. So wurden Patientinnen unter 65 Jahren fast doppelt so häufig operiert wie Patientinnen über 75 (32 gegenüber 17 Prozent), und erhielten mehr als doppelt so oft eine Strahlentherapie wie die über 75-jährigen (17,7 gegenüber 8,2 Prozent.) Ältere Frauen erhielten außerdem deutlich seltener eine Chemotherapie, dafür häufiger eine Hormontherapie. In dem für die Studie berücksichtigten Zeitraum, über mehr als zwei Dekaden, wurde die Chemotherapie immer stärker genutzt.

Da insbesondere Chemo-, Strahlentherapie und Operation eine große körperliche Belastung sind, könnte es sein, dass man älteren Patientinnen diese Therapien eher vorenthält, vermuten Chirurgin de Glas und ihr Team. Möglich sei auch, dass ältere Patientinnen eher an unerwarteten toxischen Nebenwirkungen versterben als jüngere.

Um den Ursachen für die Behandlungsunterschiede auf den Grund zu gehen haben die niederländischen Wissenschaftler vor kurzem eine Studie begonnen, bei der sie auch geriatrische Aspekte wie Ko-Morbiditäten mit einbeziehen. De Glas: „Künftige Studien sollten stärker das Augenmerk auf Stratifizierungsmodelle richten, die vorhersagen, welche Patienten am ehesten von einer bestimmen Therapie profitieren.“

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Chemotherapie , Strahlentherapie , Operation

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft Dr. Johannes Bruns über den Aufbau von flächendeckenden klinischen Krebsregistern und warum Daten für die Krebsbekämpfung unverzichtbar sind.
. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.