Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.05.2021

Medikament verhilft Senioren zu mehr Muskelmasse nach Oberschenkelhalsbruch

Nach einem Oberschenkelhalsbruch kommen ältere Menschen oft nicht mehr auf die Beine. Eine zentrale Rolle dabei spielt der massive Abbau der Muskelmasse. Um den Teufelskreislauf zu durchbrechen, haben Wissenschaftler nun ein Medikament erprobt, das auch bei anderen Formen des Muskelschwunds eingesetzt wird. Es zeigte beim Muskelaufbau enorme Erfolge.
Immobil nach Oberschenkelhalsbruch: Der Antikörper Bimagrumab lässt die Muskeln wachsen

Immobil nach Oberschenkelhalsbruch: Der Antikörper Bimagrumab lässt die Muskeln wachsen

Stürze im Alter sind oft der Anfang vom Ende. Der Klassiker ist der Oberschenkelhalsbruch. Jeder dritte über 80-Jährige stirbt an den Folgen innerhalb eines Jahres. Denn so lange die Fraktur heilen muss, baut sich bei den Senioren die Muskelmasse ab, was häufig zu kompletter Immobilität und Bettlägerigkeit führt. Da ein muskelaufbauendes Training für die geschwächten Patienten schwierig ist, haben Wissenschaftler der TU Dresden nach anderen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. In diesem Fall war es ein Medikament.

Bimagrumab nah nach Oberschenkelhalsbruch untersucht

In einer Studie bekamen ältere Menschen nach einer Schenkelhalsfraktur das Medikament Bimagrumab injiziert. Bimagrumab ist ein von Novartis entwickelter monoklonaler Antikörper, der bislang in klinischen Studien vor allem Patienten mit Muskelschwund bei der sogenannten Einschlusskörpermyositis (sIBM), der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tumorkachexie untersucht wurde.

Die Injektion von Bimagrumab erfolgte im Abstand von jeweils vier Wochen, begleitet von einer Physiotherapie. Eine Kontrollgruppe erhielt statt Bimagrumab ein Plazebo. Insgesamt 250 Patienten aus 50 Zentren waren in die Studie eingeschlossen.

 

Drei Kilogramm Muskelmasse gewonnen

„Wir konnten zeigen, dass in Abhängigkeit von der applizierten Menge die Muskelmasse der damit behandelten Patienten innerhalb von sechs Monaten um bis zu drei Kilogramm gewachsen ist“, sagt Prof. Lorenz Hofbauer, Erstautor der kürzlich im Fachmagazin „Lancet Healthy Longevity“ veröffentlichten Studie. Allerdings habe das Muskelwachstum nicht zu einer messbaren funktionalen Verbesserung geführt, erklärt Hofbauer.

Mehr Physiotherapie nötig

„Vermutlich muss die Physiotherapie noch früher, konsequenter und intensiver gestaltet werden, damit sich dieser Muskelzuwachs auch auf eine verbesserte Funktionalität auswirkt“ so der Altersmediziner. Die Effekte einer intensiveren Physiotherapie soll nun einer weiterführenden Studie geprüft werden.  

Der monoklonale Antikörper Bimagrumab dockt an den Typ 2-Activinrezeptor an - eine natürliche Andockstelle für Moleküle wie Myostatin, das als körpereigenes Eiweiß im Körper gebildet wird und als Hemmstoff des Muskelwachstums gilt. Durch das Medikament werden die bremsenden Moleküle gehemmt, so dass Muskeln weiter besser wachsen können.

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Oberschenkelhalsbruch
 

Weitere Nachrichten zum Thema Frakturen im Alter

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Etwa jeder zweite Mensch über 80 ist von altersbedingtem Muskelschwund betroffen. Sport scheint das Erkrankungsrisiko zu verringern, allerdings nur bei Männern und wenn er ein Leben lang praktiziert wird. Das zeigt eine neue Auswertung der Berliner Altersstudie.
 
Weitere Nachrichten
Manche Experten erwarten, dass vom Klimawandel eine noch größere Gefahr für die Gesundheit der Weltbevölkerung ausgehen könnte als von der Corona-Pandemie. Obwohl der Klimawandel seine Dramatik noch längst nicht voll entfaltet hat, sind seine Auswirkungen bereits messbar. Eine aktuelle Studie zeigt: Schon jetzt ist jeder Vierte über 65 bei Sommerhitze krankenhausreif – Tendenz steigend.


Ältere Menschen scheint die Covid-Impfung nicht vollständig vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Das zeigen wiederholte Ausbrüche in Pflegeheimen. Wissenschaftler der Charité haben nun einen Ausbruch näher untersucht – und kommen zu interessanten Ergebnissen.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin