. Berliner Studie

Mammographie: Weniger falsche Befunde durch Mehr-Augenprinzip

Bei der Beurteilung von Mammographien zur Brustkrebsdiagnostik kommt es immer wieder zu Fehlern. Die Zahl der falsch positiven oder negativen Befunde lässt sich jedoch senken, wenn mindestens vier Ärzte die Röntgenaufnahme begutachten. Das konnte der Forschungsverbund Berlin in einer Studie zeigen.
Weniger falsch positive und falsch negative Befunde nach Mammographie: Fünf Ärzte sehen mehr als einer

Weniger falsch positive und falsch negative Befunde nach Mammographie: Selbst der beste Arzt macht mehr Fehler als ein kleines Team

Mammographien sind bei der Brustkrebsdiagnostik unentbehrlich. Hundertprozentig zuverlässig sind die Röntgenaufnahmen der Brust aber nicht. Denn immer wieder werden Tumore übersehen oder es wird ein Krebs diagnostiziert, wo gar keiner ist. Die Fachwelt spricht dann von falsch negativen bzw. falsch positiven Befunden.

Wissenschaftler vom Forschungsverbund Berlin wollten nun wissen, ob sich die Treffgenauigkeit erhöht, wenn mehr als wie sonst üblich zwei Ärzte das Mammogramm beurteilen, etwa drei, fünf oder zehn Ärzte. Und tatsächlich lässt sich das Manko der falschen Befunde nahezu ausmerzen, wenn mindestens vier Ärzte unabhängig voneinander die Röntgenaufnahme beurteilen, berichten die Forscher im Fachmagazin PLOS. Demnach ist die Brustkrebsdiagnose dann am genauesten, wenn fünf Ärzte das Mammogramm beurteilten – und zwar noch genauer als der beste Arzt, also der mit den höchsten Trefferquoten. 

Mehr Ärzte, weniger falsche Befunde

Die Forscher hatten für ihre Studie über 100 Mammogramme aus einer internationalen Mammographie-Datenbank von rund 100 Radiologen auswerten lassen. Die mehr als 15.000 Beurteilungen glichen die Forscher anschließend mit dem tatsächlichen Gesundheitsstatus der Patientinnen ab. Bereits ab vier Ärzten stieg die Treffsicherheit signifikant an, sank aber dagegen wieder, wenn mehr als acht Ärzte ihre Einschätzung abgaben. „Bereits fünf unabhängige Einschätzungen von Ärzten genügen, um die Befundgenauigkeit bei der Brustkrebsdiagnose erheblich zu verbessern“, sagt Dr. Max Wolf vom Forschungsverbund Berlin. Das Zehn-Augen-Prinzip habe selbst die Ergebnisse des besten Arztes übertroffen und sowohl die Anzahl der falsch positiven, als auch die Anzahl der falsch negativen Befunde gesenkt, beschreibt der Verhaltensbiologe am Max-Planck-Institut Wolf das Ergebnis.

Mammographie-Screening könnte verbessert werden

Den Forschern zufolge könnte das Verfahren auch leicht in das Mammographie-Screening eingliedert werden. Dafür müssten die verschiedenen Beurteilungen der digitalen Bilder lediglich von einer Software abgeglichen und hochgerechnet werden. Bislang wird das gesetzliche Brustkrebsfrüherkennungs-Programm häufig wegen seiner falsch negativen oder falsch positiven Befunde kritisiert. Das Team um Wolf ist überzeugt, dass das Prinzip der kollektiven Intelligenz hier entscheidende Abhilfe leisten kann. 

Foto: © Sven Bähren - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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