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Lungenfibrose ein neues Post-Covid-Phänomen?

Sonntag, 10. April 2022 – Autor:
Anhaltende Atembeschwerden nach einer Covid-19-Erkrankung sollten unbedingt abgeklärt werden. Das legt ein Bericht von Schweizer Lungenärzte nahe, die eine neue Form von Lungenfibrose entdeckt haben. Die „Post-COVID pulmonary fibrosis“ genannte Lungenschädigung tritt demnach bei Patienten nach einem für Lungenfibrose untypischen Verlauf auf.
Studie: Anhaltende Luftnot nach COVID-19 kann ein Hinweis auf eine Lungenfibrose sein, auch wenn der Krankheitsverlauf dafür keinen Anhaltspunkt gibt

Studie: Anhaltende Luftnot nach COVID-19 kann ein Hinweis auf eine Lungenfibrose sein, auch wenn der Krankheitsverlauf dafür keinen Anhaltspunkt gibt – Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Eine Lungenfibrose ist eine häufige Komplikation im Rahmen eines schweren Covid-19-Verlaufs, bei dem die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Hierbei bildet sich überflüssiges Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen und um die Blutgefäße. Diese Gewebeverdichtungen beeinträchtigen den Gasaustausch und den Kreislauf in der Lunge. Schlimmstenfalls tritt ein akutes Lungenversagen ein.

Untypischer Krankheitsverlauf für Lungenfibrose

Maschinelle Beatmung und akutes Lungenversagen gelten als die beiden Risikofaktoren schlechthin für die Entwicklung einer Lungenfibrose. Nun berichten Ärzte vom Universitätsklinikum Zürich, dass sich eine Lungenfibrose auch ohne diese beiden Risikofaktoren entwickeln kann. Weil der Krankheitsverlauf für Lungenfibrose so untypisch sei, werde die Lungenschädigung vermutlich häufig übersehen, schreiben die Autoren im Fachmagazin „Annals of Medicine“.

Die Patienten, bei denen die Ärzte diese neue Form der Lungenfibrose festgestellt hatten, waren zwar hospitalisiert, jedoch nicht immer beatmungspflichtig. Dem Bericht nach hatten die Betroffenen jedoch anhaltend größere Einbußen bei der Atemleistung als die schwersterkrankten Patienten und wiesen höhere CRP-Werte auf. Das C-reaktive Protein CRP ist ein Indikator für Entzündungen.

 

Lungengewebe irreversibel geschädigt

Die Gewebeveränderungen seien im Röntgen- und im CT-Bild sichtbar gewesen, sagt Lungenarzt René Hage von der Uni Zürich. „Auffallend war jedoch, dass eine Wabenstruktur zwischen den Verschattungen nicht oder kaum mehr erkennbar war.“  Für Pneumologen sei dies ein Hinweis, „dass eine Lungenfibrose mit einer bereits irreversiblen Schädigung des Lungengewebes vorliegt.“ Außerdem hätten sich die Gewebeveränderungen erst vier bis zwölf Wochen nach der Covid-19-Infektion gezeigt, ein Zeitraum, in dem sie typischerweise nicht mehr auftreten und deshalb auch nicht vermutet werden. „Die Patientinnen und Patienten, bei denen wir diese Lungenfibrose feststellten, zeigten damit eine für ihren Krankheitsverlauf untypische, aber schwerwiegende Folgeerkrankung“, so Lungenexperte Hage.

PCPF offenbar schwere Folgeerkrankung von Covid-19

Die neue Form von Lungenfibrose nennen die Ärzte „Post-COVID pulmonary fibrosis“ – kurz PCPF. Derzeit untersuchen die Ärzte, welche der verfügbaren fibrosehemmenden Medikamente bei dieser Form am wirksamsten sind. Auch weitere Untersuchen stehen an, um das neue Phänomen besser zu verstehen. Einen Rat kann das Ärzteteam aber jetzt schon geben: „Damit diese Gewebeveränderungen und möglicherweise eine Lungenfibrose frühzeitig erkannt werden, sollten COVID-19-Patienten, die nach einigen Wochen noch immer eine Einschränkung ihrer Atemtätigkeit haben und keine Verbesserung verspüren, deshalb sorgfältig mit Lungentests überwacht und fallweise mit einer Computertomographie der Lunge abgeklärt werden.“

Früh erkannt, kann eine Lungenfibrose in einigen Fällen mit Medikamenten verlangsamt oder sogar zum Stillstand gebracht werden. Bei beatmeten Covid-Patienten bilden sich die Lungengewebsveränderungen auch manchmal wieder von selbst zurück. Der überwiegende Teil entwickelt daraus aber eine fortschreitende Lungenfibrose.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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