. Barmer Studie

Lücke zwischen Pflegekosten und Eigenanteil wird immer größer

Die Pflegebedürftigen müssen immer mehr Geld aus der eigenen Tasche für ihre Pflege bezahlen. Das ist ein Ergebnis des in der letzten Woche vorgestellten Barmer GEK Pflegereports 2013. Ein weiteres Fazit: Die professionelle ambulante Pflege gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Barmer Pflegereport: Ambulant vor stationär zeigt Wirkung

Barmer Pflegereport: Ambulant vor stationär zeigt Wirkung

„Wir brauchen eine spürbare Dynamisierung der Leistungen der Pflegeversicherung unabhängig von der Kassenlage.“ Das sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, bei der Vorstellung des Pflegereports 2013 seines Hauses. Unterbleibe diese, steigen die finanziellen Eigenanteile der Pflegebedürftigen weiter an.

So standen im Jahr 2011 Versicherungsleistungen in der stationären Pflege von 1.023 Euro in Pflegestufe I einem Eigenanteil der Pflegebedürftigen von insgesamt 1.380 Euro gegenüber. 2009 hatte der Eigenanteil durchschnittlich 1.351 Euro betragen. Deutlich höher fallen die Eigenanteile mit 1.802 Euro in der Pflegestufe III aus (2009: 1.791 Euro). 

Pflegeversicherung: Bei stationärer Pflege reichen die Leistungen nicht für die Pflegekosten aus

Dies gilt auch bei den rein pflegebedingten Kosten, die zusammen mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten das Gesamtheimentgelt bei stationärer Pflege ergeben. Ursprünglich sollten die Pflegekosten vollständig von der Pflegeversicherung übernommen werden. „Hier sollte eigentlich eine Null stehen“, macht denn auch Prof. Dr. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen als Mitautor des Pflegereports deutlich. Stattdessen betragen die Eigenanteile der Pflegebedürftigen an den Pflegekosten je nach Pflegestufe zwischen monatlich 346 Euro und 768 Euro. „Damit wird die Pflegeversicherung ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht“, mahnt Rothgang.

Pflegebedürftige fragen immer mehr professionelle ambulante Pflegeleistungen nach

„Die professionelle ambulante Pflege boomt und das ist ein eindeutiger Trend“, stellt Schlenker die Bedeutung der ambulanten Pflegedienste hervor. Diese haben 2012 fast 23 Prozent der pflegbedürftigen Menschen betreut. „Das sind so viele Menschen wie nie zuvor.“

Dagegen stagniert der Anteil der Heimpflege in den letzten Jahren und sank leicht auf 28,8 Prozent. Deutlich mache sich dies auch in den Personalkapazitäten zwischen 1999 und 2011, zeigt der Report. In der ambulanten Pflege seien diese um 64 Prozent schneller gewachsen als die Zahl der Betten in Pflegeheimen. Diese sind um 36 Prozent gestiegen. Rothgang: "Der Grundsatz ‚ambulant vor stationär’ zeigt Wirkung".

Foto: Michael Schulz

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Pflegekosten , Ambulante Pflege , Stationäre Pflege

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegekosten

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Rauchen ist ein bekannter Risikofaktor für Parodontitis. Wie groß der Einfluss wirklich ist und wie viele Parodontitisfälle auf den Tabakkonsum zurückzuführen sind, haben nun Zahnmediziner der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berechnet.
Der Konsum von Computer, Smartphone und Co. könnte bei Kleinkindern zu Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit führen. Das haben Wissenschaftler der Universität Leipzig herausgefunden. Sie warnen vor einem regelmäßigen Gebrauch elektronischer Medien durch kleine Kinder.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.