. Glutenunverträglichkeit

Löst Darm-Virus Zöliakie aus?

Die Infektion mit einem harmlosen aber häufigen Darm-Virus könnte die Autoimmunkrankheit Zöliakie auslösen. Das fanden US-Forscher heraus.
Gluten

Zöliakie-Patienten vertragen kein glutenhaltiges Getreide

Zöliakie ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Sie wird durch eine überschießende Immunantwort auf das Protein Gluten verursacht, das in zahlreichen Getreidearten, unter anderen Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. Die chronische, entzündliche Erkrankung greift die Schleimhaut des Dünndarms an. Daher zählt sie auch zu den Autoimmunkrankheiten.

Die Betroffenen erkranken oft bereits im Kindesalter. Durch die Schädigung der Schleimhaut können Nährstoffe schlechter aufgenommen werden, was zu Entwicklungsstörungen führen kann. Symptome sind Diarrhoe, Bauchschmerzen, Blähungen und Anämie. Die Zöliakie lässt sich nicht heilen, die einzige Möglichkeit bleibt eine glutenfreie Diät.

Antikörper gegen Gluten gebildet

Gluten ist generell schwerverdaulich und daher besonders geeignet, das Immunsystem zu provozieren. Bei gesunden Menschen entwickelt das Immunsystem frühzeitig eine Toleranz, um eine unerwünschte, überflüssige Reaktionen zu vermeiden. Studien-Leiter Dr. Bana Jabri stellte nun Versuche mit verschiedenen Reovirus-Stämmen bei Mäusen an. Die besiedelten den Darm ohne dass es zu einer Erkrankung kam. Wurde jedoch ein typischerweise nur im menschlichen Darm zu findendes Reovirus mit einem besonders schwer verdaulichen Gluten-Bestandteil - Gliadin - zusammengebacht, verloren die Tiere die Toleranz. Sie entwickelten Antikörper gegen das Gliadin.

Es kam zu einer verminderten Produktion von regulatorischen T-Zellen, die die Immuntoleranz gegenüber möglicherweise schädlichen, unbekannten Substanzen modulieren. Zugleich wurde die Produktion von T-Helferzellen erhöhte (TH1-Zellen), die eine starke Immunantworten produzieren, wenn andere Zellen ihnen Antigene präsentieren.

Läst Darm-Virus Zöliakie aus?

Mäuse, die mit dem die Abwehrreaktion auslösenden Darm-Virus infiziert waren, hatten zwischen zwei- bis viermal so viel von einem entzündlichen Protein im Körper. Dieses Protein - Interferon regulatorischer Faktor 1 - wird auch in der Darmschleimhaut von Kindern mit Zöliakie gefunden.

Weiter fanden die Forscher heraus, dass menschliche Zöliakie-Patienten viel mehr Antikörper gegen Reoviren aufweisen als gesunde Vergleichspatienten, sie müssen also eine Infektion durchgemacht haben. Sie nehmen an, dass die Infektion mit dem Virus eine bleibende  Markierung im Immunsystem hinterlässt, die die spätere Erkrankung begünstigt.

In Zukunft Impfung gegen Zöliakie möglich?

Hierzulande wird empfohlen, Babys in den ersten sechs Monaten zu stillen - oder sie erhalten Flaschennahrung - und dann auf feste Kost umzustellen. Die enthält fast immer Getreide. Das noch unreife Immunsystem des Kleinkindes ist anfälliger für Virusinfektionen. Bei den Kindern, die eine genetische Disposition für Zöliakie aufweisen – die Genregionen sind bekannt -, könnte die Kombination mit einer Reovirus-Infektion zu dem Zeitpunkt die Bedingungen für die Entwicklung von Zöliakie schaffen, so die These der Forscher.

Weiter gehen sie davon aus, dass es auf lange Sicht möglich sein könnte, einen Impfstoff gegen Reoviren zu entwickeln und damit die Kinder vor einer Zöliakie zu schützen. Beteiligt waren Wissenschaftler der University of Chicago und der University of Pittsburgh School of Medicine. Die Stude erschien im Fachmagazin Science.

Foto: bg-pictures/fotolia.com

Autor: bab
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| Etwa 5 Prozent der Bevölkerung verträgt kein Gluten. Das ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer vorkommt. Die Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) und das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) untersuchten 43 Lebensmittel und Getränke auf ihren exakten Glutengehalt.

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