Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Lebenslange Infektion: Wie unser Körper Herpes in Schach hält

Donnerstag, 15. November 2018 – Autor:
Herpes-Viren gehören zu den Viren, die für immer im Körper bleiben. Ein gesundes Immunsystem hält die Eindringlinge jedoch unter Kontrolle. Wie das abläuft, haben jetzt Forscher herausgefunden.
Herpes, Immunsystem

Herpes-Infektion: Das körpereigene Protein TRIM43 ist offenbar an der Virenabwehr beteiligt – Foto: ©domaskina - stock.adobe.com

Herpes ist nicht gleich Herpes. Zu den acht bekannten menschlichen Herpesviren gehören unter anderen das Herpes-simplex-Virus, das die bekannten Bläschen im Mundbereich verursacht, das Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken und Gürtelrose hervorruft, und das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst und zudem an der Entstehung zahlreicher Krebserkrankungen beteiligt ist. Allen gemeinsam ist, dass sie ein Leben lang im Körper bleiben. Praktisch jeder Mensch hat sich in seiner Kindheit mit Herpesviren infiziert. 

Wenn Herpes aufwacht

Ein gesundes Immunsystem ist in der Lage, Herpesviren in Schach zu halten. Ist das Immunsystem jedoch aus irgendeinem Grund geschwächt, können die Herpesviren wieder zum Vorschein kommen. Entweder sichtbar im Mund oder Genitalbereich oder als schmerzhafte Gürtelrose. Darüber hinaus kann es nach Transplantationen zu lebensbedrohlichen Abstoßungsreaktionen und schweren Organschädigungen durch wieder erwachte Herpesviren kommen.

Um diese Gefahren abzuwenden, suchen Forscher nach den Mechanismen, die helfen, Herpes unter Kontrolle zu halten. Wissenschaftler des Virologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen und er Universität Chicago sind nun fündig geworden. Die Arbeit wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Microbiology“ publiziert.

 

Neue Erkenntnisse zur Immunantwort

„Wir interessieren uns für die sogenannte intrinsische Immunantwort, also Eiweißmoleküle, die die Vermehrung von Viren direkt in den Zellen verhindern können“, erklärt Virologe Dr. Florian Full von der Uni Erlangen. In den Untersuchungen stießen die Forscher auf sogenannte tripartite motif-Proteine, kurz TRIM. Dabei handelt es sich um ein dreiteiliges Proteinmotiv, das andere Proteine binden und deren Abbau veranlassen kann. Die Forscher konnten zeigen, dass eines der TRIM-Proteine, das bisher unbeschriebene TRIM43, den Abbau eines anderen zellulären Proteins namens Perizentrin hervorruft.

Das Protein TRIM43 könnte eine Schlüsselrolle bei neuen Therapien spielen

„Der Abbau von Perizentrin führt zu Veränderungen in der Architektur des Zellkerns und hemmt so die Vermehrung der Herpesviren. TRIM43 war gegen alle in der Studie getesteten Herpesviren aktiv“, erläutert Full.

Besonders überraschend war, dass infizierte Zellen sehr große Mengen von TRIM43 herstellen. „In normalen Zellen ist TRIM43 fast nicht nachweisbar, aber nach einer Virusinfektion ist die Zelle voll mit dem Protein“ so Dr. Full. Sogar in Tumorzellen, die ein Herpesvirus in sich tragen, war Trim 43 nachweisbar. Laut dem Virusforscher beweist das, dass TRIM43 bei Herpesinfektionen im Menschen eine Rolle spielt. Dr. Full: „Wir hoffen, dass es möglich sein könnte, auf Basis der Ergebnisse neue Therapien gegen Herpesviren zu entwickeln.“

Foto: © domaskina - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herpes , Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herpes

25.06.2018

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz sind noch immer unklar. Forscher fanden weitere Hinweise, dass Herpes-Viren beteiligt sein könnten. Sie kommen im Gehirn von Alzheimer-Patienten häufiger vor.

20.03.2020

Eine neue Wirkstoff-Kombination könnte die Behandlung von Herpes-simplex-Krankheiten verbessern. Forschern zufolge können Protonenpumpen-Inhibitoren die Wirksamkeit von Virostatika verstärken und damit möglicherweise zu besseren Ergebnisse führen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Zur Senkung hoher Cholesterinwerte werden Statine als Mittel der Wahl eingesetzt, da sie wirksam vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Berichte über Nebenwirkungen verunsichern viele Patienten. Wie sicher und verträglich sind diese Cholesterinsenker?


Nagelpilz (Onychomykose) ist ein verbreitetes Leiden. Pilzsporen dringen in den Nagel ein und führen zu Verfärbungen und Verdickungen. Dagegen gibt es rezeptfreie Mittel. Wie wirksam sind sie?
 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin