. Gleichstellung

Lebenserwartung: Männer profitieren davon, wenn Frauen ihnen gleichgestellt sind

Männer haben weltweit eine geringere Lebenserwartung als Frauen. Sind Frauen und Männer jedoch weitgehend gleichgestellt, leben Männer länger. Eine akutelle Studie konnte zeigen, dass auch in Deutschland Geschlechterunterschiede bei der Lebenserwartung mit dem Grad der Gleichstellung in Zusammenhang stehen.
Gleichstellung, Lebenserwartung

Eine zwischengeschlechtliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe tut vor allem Männern gut

Weltweit gibt es bei der Lebenserwartung Geschlechterunterschiede - und zwar immer mit einer geringeren Lebenserwartung bei den Männern. Auffällig ist dabei, dass dieser Unterschied mit dem Grad der Gleichstellung der Geschlechter variiert. Forscher haben dies zum Anlass genommen zu untersuchen, ob auch zwischen den Bundesländern Lebenserwartungsunterschiede bestehen und ob das Ausmaß der Gleichstellung auf Länderebene mit den Geschlechterunterschieden bei der Lebenserwartung in Zusammenhang steht. Dabei zeigte sich, dass Männer auch in Deutschland eine höhere Lebenserwartung haben, wenn Frauen ihnen gleichgestellt sind. Die Studie wurde im Bundegesundheitsblatt veröffentlicht.

Höhere Ungleichheit = Niedrigere Lebenserwartung bei Männern

Weltweit sterben Männer im Durchschnitt früher als Frauen. Ihre kürzere Lebenserwar­tung ist jedoch nur zu einem geringen Teil auf genetische Faktoren zurückzuführen. „Der größte Teil hängt von den Lebensbedingungen und vom persönlichen Verhalten ab“, so Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.

Um dies näher zu untersuchen, setzten Forscher um Petra Kolip, Professorin für Prävention und Gesund­heits­förder­ung an der Universität Bielefeld, den Gender Inequality Index (GII) des Uni­ted Nations Development Project mit der Lebenserwartung in allen deutschen Bundesländern in Beziehung. Der GII reicht von 0 bis 1. Dabei stehen höhere GII-Werte für eine stärkere Ungleichheit der Geschlechter.

Wie die Studie zeigte, variiert der GII in Deutschland zwischen 0,065 in Bayern und 0,117 in Mecklenburg-Vorpommern. Diesem Ungleichheit-Index entsprach auch die jeweilige Differenz zwischen den Geschlechtern in der Lebenserwartung. Kurz: Je weniger Männer und Frauen gleichgestellt sind, desto negativer wirkt sich das auf die Lebenserwartung der Männer aus. Für Frauen gibt es einen solchen Zusammenhang hingegen nicht.

 

Gleichstellung verändert männliches Verhalten zum Positiven

Um dies zu erklären, führen die Forscher unter anderem an, dass bei Männern einige gesund­heits­schädliche Verhaltensweisen stärker akzeptiert seien als bei Frauen, zum Beispiel Rauchen oder riskantes Autofahren. Eine bessere Gleichstellung zwischen Mann und Frau verändere vermutlich die Vorstellung von Maskulinität. Männer würden umsichtiger und das wirke sich positiv auf ihre Lebenserwartung aus. Daher seien die im Präventionsgesetz formulierten Anforderungen an geschlechterdifferenzierte Interventionen hoch bedeutsam.

Mit Blick auf die gesundheitlichen Auswirkungen fordert der deutsche Ärztin­nen­bund, deutlich mehr Geld für weitere Forschungen zur geschlechtsspezifischen Medi­zin zu investieren. „Wir müssen das Wissen um die Unterschiede bei der Prävention, der Diagnostik und der Therapie vertiefen“, so Groß.

Foto: © nd3000 - Fotolia.com

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Langes Leben
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lebenserwartung

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer akute Zahnschmerzen hat, braucht auch in Corona-Zeiten einen Zahnarzt. Doch was ist beispielsweise mit Vorsorgeuntersuchungen? Selbst die Zahnärzte sind sich uneins, wie sie mit der Krise umgehen und wen sie noch behandeln sollen.
Die Corona-Pandemie hat unser Leben radikal verändert. Familien leben auf engem Raum zusammen. Alleinstehenden brechen die sozialen Kontakte weg. Experten befürchten eine Zunahme häuslicher Gewalt. Über Hilfestellungen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Psychiater und Stressforscher Prof. Dr. Mazda Adli gesprochen.
Der Deutsche Ethikrat hält die gegenwärtigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie in Deutschland für gerechtfertigt. Jedoch müssten die Restriktionen bald schrittweise gelockert werden. Wie das geschehen kann, hat das Gremium in seiner Ad-hoc-Empfehlung "Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise" beschrieben.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.