Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Leben in Krisenzeiten: Was uns innerlich stark macht

Sonntag, 2. Oktober 2022 – Autor:
Ein Schrank voller Nudeln, Klopapier und Wasserflaschen: Das ist eine Art, mit aktuellen Krisen wie Ukraine-Krieg und Klimawandel umzugehen. Eine weitere Art ist, alles zu tun, dass man psychisch stabil und gesund bleibt. Experten sagen: Das kann man lernen.
Krisen-Vorratsschrank in einem Haushalt.

Krisen-Vorräte in einem Haushalt. – Foto: AOK-Medienservice

Corona-Pandemie, Flutkatastrophe, Ukraine-Krieg, explodierende Energiepreise, Inflation  – die Krisen kommen gefühlt Schlag auf Schlag und belasten viele Menschen schwer. Kann man sich auf Krisen und Katastrophen überhaupt vorbereiten? Und wie bleibt man trotz dieser Widrigkeiten psychisch gesund? „Die gute Nachricht: Es gibt viele mögliche Strategien, um die eigenen Gefühle zu regulieren und zu einer positiveren Sicht auf die Dinge zu kommen“, raten die Gesundheitsexperten von der AOK. Denn Resilienz – innere Stärke und seelische Widerstandskraft in belastenden Situationen – sei in gewissem Maß erlernbar.

Keine Scheu haben, sich Hilfe zu suchen

„Wie gut Menschen mit Krisen umgehen können, hängt von vielen Faktoren ab – individuellen wie Genetik, Gesundheitszustand, Alter und persönlichen Erfahrungen, von den eigenen finanziellen Ressourcen, aber auch vom jeweiligen sozialen und gesellschaftlichen Umfeld", sagt Astrid Maroß, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie im AOK-Bundesverband. „Resiliente Menschen können für sich einen guten Umgang mit Belastungen entwickeln. Sie haben häufig starkes Vertrauen in sich selbst, scheuen sich aber auch nicht, Hilfe zu suchen, wenn sie diese brauchen."

 

Familie, Bekannte, Kollegen: Soziale Verbundenheit ist eine starke Ressource

Hilfe – das kann zum Beispiel ein Gespräch mit der Familie, dem Bekanntenkreis oder mit Kolleginnen und Kollegen sein. „Bleiben Sie auch in Krisenzeiten in regelmäßigem Kontakt mit anderen, sprechen Sie gemeinsam über Ihre Ängste und Sorgen und betrachten Sie die Situation unter verschiedenen Perspektiven, das kann sehr entlastend wirken und Lösungen aufzeigen. Klären Sie zwischenmenschliche Konflikte, die Sie vielleicht gerade in den Pandemiejahren voneinander trennten, und streben Sie Versöhnung mit Ihren wichtigen Bezugspersonen an. Gemeinschaft und soziale Verbundenheit ist eine sehr starke Ressource", rät Medizinerin Maroß.

Ängste aktiv in den Griff kriegen durch offensive Vorbereitung auf Stromausfall, Feuer oder Hochwasser

Um Ängste in den Griff zu bekommen, ist es hilfreich, sich aktiv mit den Krisenszenarien auseinanderzusetzen und Strategien und Notfallpläne für unterschiedliche Situationen zu entwickeln - zum Beispiel, wie man sich ganz konkret auf einen Stromausfall, Feuer oder Hochwasser vorbereitet. Am besten dann, wenn man nicht gestresst ist. Hier informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit Ratgebern und Checklisten. Verbraucherzentralen informieren darüber, wie man Energie sparen kann. Und wer finanzielle Sorgen hat, kann sich an eine Schuldnerberatung zum Beispiel bei der Caritas, Diakonie oder AWO, wenden.

Sich informieren – ja. Aber keine Krisen-Dauerbeschallung

In Zeiten, in denen Nachrichtensendungen schwer zu ertragen sind, stoßen selbst überdurchschnittlich Interessierte und Informierte bisweilen an Grenzen. Fühlt man sich von der Informationsflut über Krisen und Katastrophen gestresst, hilft es, öfter mal die Nachrichten einfach auszuschalten und auch die Zeit in den sozialen Medien zu reduzieren.

Gezielt den Ausgleich suchen: Sport, Natur, Tanzen, Kuscheln

„Versuchen Sie, trotz aller Sorgen einigermaßen ausgeglichen zu leben: Schlafen Sie genug und ernähren Sie sich ausgewogen. Sport, aber auch Spaziergänge in der Natur können helfen, Stress abzubauen, ebenso Entspannungstechniken. Feiern, tanzen, kuscheln oder gemeinsam meditieren und beten: alles, was uns mit anderen verbindet, kann helfen, immer wieder Kraft und Zuversicht zu tanken", sagt AOK-Psychiaterin Maroß. Die Ängste mit Alkohol oder Drogen zu bekämpfen, ist dagegen gefährlich. Einsamkeit oder Ängste lassen sich nicht „wegtrinken“.

Kraft schöpfen aus eigenen Krisenbewältigungs-Erfolgen von früher

Helfen kann auch, darüber nachzudenken, wie man Krisen in der Vergangenheit überstanden hat. „Überlegen Sie, wie Sie sich oder die Älteren in Ihrer Familie damals verhalten haben und was Ihnen dabei geholfen hat, eine Krise zu bewältigen. Versuchen Sie zu akzeptieren, was Sie nicht ändern können - das hilft, sich von belastenden Gedanken zu lösen.“

Unterscheiden lernen: Welche Dinge kann ich ändern – welche nicht?

„Aber versuchen Sie auch, sich aktiv um Dinge zu kümmern, die Sie ändern können –  und versuchen Sie, diese beiden Felder zu unterscheiden", sagt Ärztin Maroß. Und auch die Fürsorge für andere kann bei der eigenen Krisenbewältigung helfen. Das heißt, sich um Familie, Freundinnen und Freunde sowie Menschen in der Nachbarschaft zu kümmern und Unterstützung anzubieten – das tut anderen gut, aber auch einem selbst. Es wird sich ein Geben und Nehmen daraus entwickeln – nicht nur materiell, sondern auch emotional und zwischenmenschlich.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Angst , Stress , Depression , Seelische Gesundheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Resilienz“

Glück haben oder Pech? Das ist oft einfach eine Frage der Statistik und überhaupt nicht eine von höheren Mächten. Psychologen sagen: „Wie glücklich wir sind, hängt maßgeblich davon ab, was wir denken und wie wir mit Situationen umgehen.“ Das hilft auch angesichts Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg. Sechs Tipps, wie man der Opferrolle entkommen und Denkmuster ändern kann – für mehr Glücksgefühl im Leben, ohne sich dabei in die Tasche zu lügen.

11.02.2017

Warum verkraften einige Menschen seelische Belastungen oder traumatische Erlebnisse besser als andere? Das Zauberwort heißt nach Ansicht vieler Wissenschaftler Resilienz. Woher sie kommt und wie sie gestärkt werden kann, erforscht unter anderem das Deutsche Resilienz-Zentrum (DRZ) in Mainz.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Normalerweise beginnt die Grippesaison nach dem Jahreswechsel. Weil das Immunsystem bei vielen dank der Hygienemaßnahmen aus der Corona-Pandemie auch bei Grippe aus der Übung ist, erwarten Experten die Winter-Welle diesmal früher, schneller und heftiger.

Kochsalz macht Lebensmittel herzhaft – und ist als Natriumchlorid der wichtigste Mineralstoff im Körper. Doch wir brauchen sehr viel weniger davon, als wir denken. Ab einer Tiefkühlpizza müssten wir den Salzkonsum für den Rest des Tages einstellen.

Die Nase ist dicht, man kriegt schwer Luft, es drückt und schmerzt: Wer eine Erkältung oder Grippe hat, hat oft auch eine Nasennebenhöhlen-Entzündung. Was kann man tun, um diese normalerweise harmlose, aber unangenehme Atemwegserkrankung zu behandeln?
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin