. Arbeit und Gesundheit

Lange Arbeitszeiten erhöhen Schlaganfallrisiko

Wer mehr als 55 Stunden pro Woche arbeitet, hat ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Das zeigt eine internationale Metaanalyse. Demnach steigt das Erkrankungsrisiko bei Vielarbeitern um über 30 Prozent. Die Ursache für den Zusammenhang ist unbekannt.
Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Schlaganfallrisiko

Zu viel Arbeit kann krank machen

Lange Arbeitszeiten führen offenbar zu einem stark erhöhten Risiko für Schlaganfälle und einem gering erhöhten Risiko für Herzinfarkte. Das haben Wissenschaftler um den Epidemiologen Mika Kivimäki vom University College London herausgefunden. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift The Lancet.

Für die Analyse zum Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und Schlaganfallrisiko wurden 17 Studien einbezogen, an denen über 500.000 Menschen teilgenommen hatten. Es zeigte sich, dass ab einer Arbeitszeit von 55 Wochenstunden das Schlaganfallrisiko um ein Drittel erhöht war. Andere risikoreiche Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Bluthochdruck oder mangelnde Bewegung hatten die Forscher aus ihrer Analyse bereits herausgerechnet.  

Auch Herzinfarktrisiko bei langen Arbeitszeiten erhöht

Um das Risiko für eine koronare Herzerkrankung zu berechnen, hatte Kivimäki die Daten aus 25 Studien mit über 600.000 Männern analysiert. Das Ergebnis: Männer, die mehr als 55 Stunden pro Woche arbeiteten, hatten ein um 13 Prozent erhöhtes Risiko für eine koronare Herz­krankheit. Der Unterschied erscheint vielleicht zunächst nicht bedeutsam, ist aber aufgrund der großen Menge an Daten durchaus signifikant.

Die Ursache für den Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und dem Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt ist nicht bekannt. Da Faktoren wie Alkoholkonsum, Rauchen oder Bewegungsmangel in den vorliegenden Studien berücksichtigt wurden, kommen sie als Auslöser nicht in Frage. Es bliebe also nur noch der Stress alleine als Risikofaktor übrig. Die genauen Zusammenhänge müssten aber noch in weiteren Studien analysiert werden.  

Arbeitzeit und Schlaganfallrisiko: Zusammenhang ist dosis-abhängig

Dafür, dass es sich tatsächlich um eine kausale Beziehung zwischen langen Arbeitszeiten und Schlaganfallrisiko handelt, spricht die Tatsache, dass der Zusammenhang dosis-abhängig war. So zeigte sich bei einer Wochenarbeitszeit von 35 bis 40 Stunden eine Erhöhung des Schlaganfallrisikos um zehn Prozent, bei einer wöchentlichen Arbeitsbelastung von 49 bis 54 Stunden bereits um 27 Prozent und ab 55 Stunden um 33 Prozent.

Die EU-Arbeitszeitrichtlinie, nach der die Obergrenze für die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden festgelegt worden war, haben bisher nicht alle EU-Länder umgesetzt. Für Selbständige gilt sie natürlich sowieso nicht. Die längsten Arbeitszeiten in Europa gibt es in der Türkei, wo nach Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 43 Prozent der Bevölkerung mehr als 50 Stunden pro Woche arbeitet. Am geringsten ist der Anteil an Vielarbeitern in den Niederlanden. Hier beträgt er weniger als ein Prozent.

Foto: © lichtmeister/fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeit

| Multitaskingfähig zu sein, gilt vielen Menschen als Voraussetzung für besonderen Erfolg im Job und Privatleben. Dabei ist echtes Multitasking ein Mythos. Wer es trotzdem immer wieder versucht, erzeugt vor allem eins: Stress im Gehirn.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
In Deutschland erfahren viele Menschen immer noch sehr spät, dass sie an HIV erkrankt sind. Für diese Personen könnte ein Selbsttest, wie er in mehreren Ländern bereits erhältlich ist, sinnvoll sein. Das betonen Experten der Gesellschaft für Virologie (GfV).
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Klinikum Spandau, Neue Bergstraße 6, 13585 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.