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Kühlhaube verhindert Haarausfall bei Chemotherapie

Bei vielen Chemotherapien fallen den Patienten die Haare aus. Eine Sensorgesteuerte Silikonhaube kann den Haarausfall durch Kühlung mindern. Insbesondere Brustkrebspatientinnen profitieren davon.
Kühlhaube verhindert Haarausfall bei Chemotherapie

Sabine G. mit der "DigniCap": Ein kühler Kopf hat die Brustkrebspatientin vor Haarausfall während der Chemotherapie bewahrt

Haarausfall ist eine unangenehme Begleiterscheinung vieler Chemotherapien. Frauen leiden besonders darunter und erleben den Haarverlust oft als Stigmatisierung. Ein neues Gerät, das die Kopfhaut gleichmäßig kühlt, verspricht nun den weitgehenden Erhalt der Haare bei einer Chemotherapie. An der Medizinischen Hochschule Hannover wird das Verfahren seit einem Jahr als ergänzendes Behandlungsverfahren bei Brustkrebs erprobt. Mit Erfolg, wie es heißt. "Wir haben damit bisher 19 Patientinnen therapiebegleitend behandelt und sehr gute Ergebnisse erzielt. Die meisten Frauen waren damit sehr zufrieden", sagt Professor Dr. Tjoung-Won Park-Simon, stellvertretende Klinikdirektorin und Bereichsleiterin Gynäkologische Onkologie an der MHH.

Weniger Haarverlust bei Chemotherapie: Kühlung schont die Haarwurzeln

Bei der Therapie trägt die Patientin eine Silikonkappe, während sie ihre Chemotherapie-Infusion bekommt. Mithilfe dieser Kappe wird die Kopfhaut sensorgesteuert gleichmäßig und konstant auf drei bis fünf Grad Celsius gekühlt. Durch die Kälte verengen sich die örtlichen Blutgefäße und der Stoffwechsel wird heruntergefahren. Dadurch wird das Medikament lokal nicht so gut aufgenommen und die Haarwurzeln werden weitgehend geschont. Die Kühlung der Kopfhaut beginnt bereits eine halbe Stunde vor der Infusion und wird noch etwa eine Stunde danach aufrechterhalten.

„Ganz verhindert werden kann der Haarverlust nicht, aber es fallen deutlich weniger Haare aus“, erläutert die Tjoung-Won Park-Simon. Mehr als die Hälfte der Patientinnen, die sich für die Kopfhautkühlung entscheiden, könnten auf eine Ersatzkopfbedeckung wie Perücke, Kopftuch oder Hut verzichten. "Besonders gut ist der Erfolg bei unserer am häufigsten angewendeten Standardtherapie bei Brustkrebs, die 16 Infusionen umfasst", so die Brustkrebsexpertin.

So war es auch bei Sabine G. Bei der 48-jährigen Hannoveranerin wurde im September 2014 Brustkrebs festgestellt. Als sie von der Möglichkeit hörte, während der Chemotherapie die Haare zu behalten, wollte sie das Angebot der Kopfhautkühlung unbedingt wahrnehmen. "Bei mir hat das Verfahren gut funktioniert. Mein Haar wurde zwar dünner, aber ich habe nie einen Hut oder ein Kopftuch gebraucht", wird sie in einer Mitteilung der MHH zitiert. Es sei ein großer Gewinn an Lebensqualität, nicht für alle sichtbar mit der Krebserkrankung herumlaufen zu müssen. „Der Haarerhalt war für mich auch ein Erhalt meiner Würde“, sagt Sabine G.

Anwendung ist gut verträglich und eine Selbstzahler-Leistung

Die Kopfhautkühlung während der intravenösen Verabreichung kostet pro Anwendung 85 Euro und wird nicht von den Krankenkassen erstattet. Dennoch sei das Interesse an der Kopfhautkühlung groß, berichtet Dipl.-Sozialpädagogin Brigitte Rode, die die Patientinnen psychoonkologisch betreut. Das Gerät, an dem jeweils zwei Patientinnen gleichzeitig behandelt werden können, sei fast ausgelastet. "Insgesamt wird das Verfahren sehr gut toleriert", sagt Rode. "Einige Frauen klagen zu Beginn der Anwendung über Kopfschmerzen, doch die meisten sind davon überrascht, wie gut sie die Kälte aushalten.“

Foto: Patientin Sabine G. (vorn) mit der Silikonhaube "DigniCap"sowie  Brigitte Rode, Professorin Park-Simon und Dr. Holthausen-Markou (von links). Quelle. MHH/Kaiser

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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