Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
29.05.2015

Kühlhaube verhindert Haarausfall bei Chemotherapie

Bei vielen Chemotherapien fallen den Patienten die Haare aus. Eine Sensorgesteuerte Silikonhaube kann den Haarausfall durch Kühlung mindern. Insbesondere Brustkrebspatientinnen profitieren davon.
Kühlhaube verhindert Haarausfall bei Chemotherapie

Sabine G. mit der "DigniCap": Ein kühler Kopf hat die Brustkrebspatientin vor Haarausfall während der Chemotherapie bewahrt

Haarausfall ist eine unangenehme Begleiterscheinung vieler Chemotherapien. Frauen leiden besonders darunter und erleben den Haarverlust oft als Stigmatisierung. Ein neues Gerät, das die Kopfhaut gleichmäßig kühlt, verspricht nun den weitgehenden Erhalt der Haare bei einer Chemotherapie. An der Medizinischen Hochschule Hannover wird das Verfahren seit einem Jahr als ergänzendes Behandlungsverfahren bei Brustkrebs erprobt. Mit Erfolg, wie es heißt. "Wir haben damit bisher 19 Patientinnen therapiebegleitend behandelt und sehr gute Ergebnisse erzielt. Die meisten Frauen waren damit sehr zufrieden", sagt Professor Dr. Tjoung-Won Park-Simon, stellvertretende Klinikdirektorin und Bereichsleiterin Gynäkologische Onkologie an der MHH.

Weniger Haarverlust bei Chemotherapie: Kühlung schont die Haarwurzeln

Bei der Therapie trägt die Patientin eine Silikonkappe, während sie ihre Chemotherapie-Infusion bekommt. Mithilfe dieser Kappe wird die Kopfhaut sensorgesteuert gleichmäßig und konstant auf drei bis fünf Grad Celsius gekühlt. Durch die Kälte verengen sich die örtlichen Blutgefäße und der Stoffwechsel wird heruntergefahren. Dadurch wird das Medikament lokal nicht so gut aufgenommen und die Haarwurzeln werden weitgehend geschont. Die Kühlung der Kopfhaut beginnt bereits eine halbe Stunde vor der Infusion und wird noch etwa eine Stunde danach aufrechterhalten.

„Ganz verhindert werden kann der Haarverlust nicht, aber es fallen deutlich weniger Haare aus“, erläutert die Tjoung-Won Park-Simon. Mehr als die Hälfte der Patientinnen, die sich für die Kopfhautkühlung entscheiden, könnten auf eine Ersatzkopfbedeckung wie Perücke, Kopftuch oder Hut verzichten. "Besonders gut ist der Erfolg bei unserer am häufigsten angewendeten Standardtherapie bei Brustkrebs, die 16 Infusionen umfasst", so die Brustkrebsexpertin.

So war es auch bei Sabine G. Bei der 48-jährigen Hannoveranerin wurde im September 2014 Brustkrebs festgestellt. Als sie von der Möglichkeit hörte, während der Chemotherapie die Haare zu behalten, wollte sie das Angebot der Kopfhautkühlung unbedingt wahrnehmen. "Bei mir hat das Verfahren gut funktioniert. Mein Haar wurde zwar dünner, aber ich habe nie einen Hut oder ein Kopftuch gebraucht", wird sie in einer Mitteilung der MHH zitiert. Es sei ein großer Gewinn an Lebensqualität, nicht für alle sichtbar mit der Krebserkrankung herumlaufen zu müssen. „Der Haarerhalt war für mich auch ein Erhalt meiner Würde“, sagt Sabine G.

 

Anwendung ist gut verträglich und eine Selbstzahler-Leistung

Die Kopfhautkühlung während der intravenösen Verabreichung kostet pro Anwendung 85 Euro und wird nicht von den Krankenkassen erstattet. Dennoch sei das Interesse an der Kopfhautkühlung groß, berichtet Dipl.-Sozialpädagogin Brigitte Rode, die die Patientinnen psychoonkologisch betreut. Das Gerät, an dem jeweils zwei Patientinnen gleichzeitig behandelt werden können, sei fast ausgelastet. "Insgesamt wird das Verfahren sehr gut toleriert", sagt Rode. "Einige Frauen klagen zu Beginn der Anwendung über Kopfschmerzen, doch die meisten sind davon überrascht, wie gut sie die Kälte aushalten.“

Foto: Patientin Sabine G. (vorn) mit der Silikonhaube "DigniCap"sowie  Brigitte Rode, Professorin Park-Simon und Dr. Holthausen-Markou (von links). Quelle. MHH/Kaiser

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Chemotherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Chemotherapie

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Gesundheitsstadt Berlin sprach mit Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Charité, über das neue CyberKnife Center, risikoreiche Operationen und die heilsame Wirkung der Präzisionsstrahlentherapie.
 
Weitere Nachrichten
Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.


Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin