. International Cancer Consortium for Medicine

Krebsgenomprojekt tritt in neue Phase

Das Krebsgenomkonsortium, besser bekannt als das „Krebsgenomprojekt“, tritt in eine neue Phase. Genetische Daten von Tausenden Patienten werden nun mit den Krankheitsverläufen zusammengeführt. Die Forscher erhoffen sich davon einen großen Sprung in der Krebsmedizin.
Krebsgenomprojekt: Big Data für eine bessere und präzisere Medizin

Krebsgenomprojekt: Big Data für eine bessere und präzisere Medizin

Das Krebsgenomprojekt ist das größte Forschungsprojekt zu Krebs, das es je gegeben hat, und das größte biomedizinische Forschungsvorhaben seit dem Human Genome Project. Seit 2008 hat das internationale Krebsgenomkonsortium (ICGC) die Gen-Datensätze von rund 18.000 Krebspatienten mit rund 50 verschiedenen Krebsarten ermittelt. Dabei haben die Wissenschaftler nach eigenen Angaben eine "riesige Anzahl von Genveränderungen gefunden." Doch die spannendste Frage, welche Bedeutung diese Veränderungen haben, steht noch aus.

Beantworten wird sie das neue gegründete Internationale Krebsgenomkonsortium für Medizin (ICGCmed), eine Art Umfirmierung des Cancer Concortiums, das nun das Wörtchen „Medizin“ im Namen trägt. IGCmed werde das Krebsgenomprojekt in eine neue Phase führen, berichteten Mitglieder des Konsortiums auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung, die am Mittwoch zu Ende ging. Die Informationen aus dem Krebserbgut würden in den kommenden zwei Jahren beispielsweise in klinische Behandlungsoptionen übersetzt und "so Patienten und ihren Familien neue Hoffnung geben", meinten die Experten. Zu erwarten sei ein großer Sprung für die Krebsmedizin und Wissenschaft. 

Daten haben Präzisionsonkologie die Tür geöffnet

„Die Informationen, die wir aus der Analyse der genetischen Veränderungen der Krebszellen gewinnen, haben der Präzisionsonkologie eine neue Tür geöffnet“, sagte ICGC-Gründungsmitglied Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. „In der täglichen Klinikroutine wäre es jedoch sehr nützlich, wenn wir wüssten, welches Medikament bei welcher genetischen Veränderung bei welcher Krebsart bereits erfolgreich war.“

Um das herauszufinden werden nun jedem Tumorprofil eines Patienten sämtliche Informationen zu Krankheitsverlauf, Anamnese, Lebensgewohnheiten, Therapien und Therapieansprechen sowie Überlebenszeit gegenübergestellt. Die Forscher versprechen sich davon weitreichende Erkenntnisse hinsichtlich früher Diagnostik, neuer Therapieziele, präziseren Behandlungsmethoden und verbesserten Strategien zur Resistenzvermeidung.

Maßgeschneiderte Therapien sind das Ziel

„Jetzt haben wir die klinischen Daten von einer großen Anzahl von Patienten ermittelt, die alle mit derselben Krebsart diagnostiziert wurden. Diese Daten haben wir kombiniert mit den Informationen über das Genom ihrer Krebszellen und dem Verlauf ihrer Krankheit“, fasste Fabien Calvo, wissenschaftlicher Leiter des europäischen Krebsverbundes Cancer Core Europe und ICGCmed-Beauftragter den Status quo zusammen. „Wir hoffen, dass wir so herausfinden können, wie die genetischen Veränderungen das Ansprechen auf die Therapie und das Entstehen von Resistenzen beeinflussen“, ergänzte er. „Im Endeffekt ist unser Ziel, dass jeder Patient die für seine individuelle Krankheit maßgeschneiderte Therapie erhält.“

Krebsgenomprojekt wird weiter wachsen

Laut dem White Paper des ICGCmed soll das Krebsgenomprojekt bis 2025 auf mehr als 200.000 Patienten ausgeweitet werden. Technischer Fortschritt macht ein Projekt in dieser Größenordnung möglich. Für das 2003 abgeschlossene Human Genome Project brauchte man eine ganze Dekade, hunderte Sequenzierungsmaschinen und 3,4 Milliarden Dollar. Heute lässt sich das komplette menschliche Genom von einer Person innerhalb von zwei bis drei Tagen für wenige Tausend Dollar sequenzieren. 

Foto: © US Department of Energy Human Genome Program Wikimedia Commons

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Krebsforschung , Krebsfrüherkennung , Therapieverfahren

Weitere Nachrichten zum Thema Krebsforschung

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.