Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.10.2020

Krebs: So schädlich ist rotes Fleisch für den Darm

Rotes Fleisch ist seit Jahren von der WHO als krebserregend eingestuft. Ausgerechnet eine Eisenverbindung entfaltet im Darm eine toxische Wirkung. Eine neue Arbeit zeigt nun, wie Fleisch eine gesunde Darmschleimhaut schädigt.
Fleisch enthält eine Eisenverbindung, die im Darm toxisch wirkt und die Entstehung von Darmkrebs begünstigt

Fleisch enthält eine Eisenverbindung, die im Darm toxisch wirkt und die Entstehung von Darmkrebs begünstigt

Rund 60 Kilogramm Fleisch verzehrt der Deutsche pro Jahr. Gesund ist das nicht. Schon vor Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rotes Fleisch, unter anderem Rind, Lamm, Wild, als krebserregend eingestuft. Darüber hinaus steht auch Wurst aus Schweinefleisch oder Geflügel auf dem Index.

Vor allem Darmkrebs ist eine Folge von hohem Fleischkonsum. Nicht nur epidemiologische Daten belegen das erhöhte Krebsrisiko. Auch in Laboranalysen wurde die toxische Wirkung von Fleisch im menschlichen Körper bereits gezeigt, insbesondere ein Bestandteil soll dabei eine tragende Rolle spielen, die organische Verbindung „Häm-Eisen. 

Fleisch schädigt die DNA von Darmzellen

In einer aktuellen Studie haben nun Forscher der TU Kaiserslautern, die Effekte von Häm-Eisen aus rotem Fleisch auf gesunde Darmzellen und entartete Darmkrebszellen untersucht. Die Untersuchungen wurden unter anderem an Organoiden durchgeführt – also einer naturgetreuen Nachbildung des Darms aus menschlichen Darmzellen. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Häm-Eisen fördert demnach die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies und schädigt das Erbgut (DNA) im Darm. Die Forscher konnten beobachten, wie die organische Eisenverbindung gesunde Darmzellen zum Absterben brachte. Auch Darmkrebszellen trugen Schäden davon – aber die Krebszellen überlebten.

Häm-Eisen, aber nicht das anorganische Eisen, führte demnach zum Absterben der normalen Darmzellen, was auch in sogenannten Organoiden aus gesundem Darmgewebe bestätigt werden konnte.

 

Ein Enzym soll vor den Schäden schützen

Eine weitere Entdeckung: Häm-Eisen aktivierte einen zellulären Sensor für oxidativen Stress, wodurch in Darmzellen das Enzym Hämoxygenase-1 HO-1 produziert wird. „HO-1 ist verantwortlich für den Abbau von Häm-Eisen zu anorganischem Eisen und weiteren Produkten“, erläutert Studienleiter Professor Jörg Fahrer, Toxikologe an der TU Kaiserslautern und der Uni Mainz.  Somit habe das Enzym eine Schutzfunktion.

Doch wenn noch nicht ausreichend HO-1 zur Verfügung stand, stieg die Konzentration reaktiver Sauerstoffspezies stark an, was zu vermehrten oxidativen DNA-Schäden und schlussendlich zum Zelltod führte.

Freies Häm-Eisen begünstigt Darmkrebs

„Zusammengenommen illustrieren diese Befunde, dass freies Häm-Eisen in Zellen toxisch wirkt und HO-1 eine ganz wichtige Schutzfunktion einnimmt“, sagt Professor Fahrer. „Unsere Studie liefert so einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der toxischen Wirkung von Häm-Eisen in Darmzellen und zeigt auf, wie es als Bestandteil von rotem Fleisch die Entstehung von Darmkrebs begünstigen kann.“

Die Forschungsergebnisse sind kürzlich in der Fachzeitschrift Cell Death & Disease veröffentlicht worden.

Foto: © Adobe Stock/puhhha

Autor: ham
Hauptkategorien: Umwelt und Ernährung , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs , Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Fleisch

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Krebs: Eine halbe Million Menschen werden in Deutschland jedes Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert. Die Deutsche Krebshilfe, die Betroffenen und ihren Familien seit 1974 hilft, verdankt ihren Erfolg auch den Prominenten, die ihren Glanz für die gemeinnützige Organisation in die Waagschale werfen. Gründerin war Mildred Scheel, populäre First Lady der Bundesrepublik und Ärztin. Neue Präsidentin ist Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Um Schmerzen zu bekämpfen oder vorzubeugen und ihre Leistung zu steigern, greifen immer mehr Sportler zu Schmerzmitteln. Vor allem der „prophylaktische“ Gebrauch ist dabei gefährlich, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin