Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.06.2018

Krebs: Immuntherapie - ja oder nein?

Die Krebsimmuntherapie funktioniert nur bei einer Minderheit der Patienten. Nun haben Forscher eine Methode entdeckt, wie das Ansprechen vorhergesagt werden kann. Das Protein PD-1 spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Krebs, Immuntherapie

Immuntherapie: Abwehrzellen mit besonders viel PD-1 Protein spüren den Tumor am besten auf

Die Krebsimmuntherapie gilt als bahnbrechende Entdeckung. Doch nur eine Minderheit der Patienten spricht auf die neuen Checkpoint-Inhibitoren an. Bei welchen Patienten die Immuntherapie funktioniert und bei welchen nicht, ist bislang nicht ganz geklärt. Jetzt haben Forscher der Universität Basel ein Merkmal entdeckt, das eine Vorhersage erlaubt. Demnach spüren Abwehrzellen mit besonders viel PD-1 Protein den Tumor am besten auf. Zudem bilden diese PD-1-reichen Zellen einen Botenstoff, der weitere Abwehrzellen anlockt, die beim Kampf gegen den Krebs helfen. «Dadurch haben diese Patienten bessere Chancen auf die Immuntherapie anzusprechen», sagt Daniela Thommen, Erstautorin der Studie, die soeben im Fachmagazin „Nature Medicine“ erschienen ist.

Abwehrzelle kann den Krebs wieder erkennen

Bei der Immuntherapie wird das Abwehrsystem des Patienten so verändert, dass es die Krebszellen angreifen kann und sie dabei entweder zerstört oder zumindest in ihrem Wachstum hemmt. Der Schlüssel dazu ist ein Protein namens PD-1, das auf der Oberfläche von menschlichen Abwehrzellen sitzt. Bislang galt PD-1 als deren Achillesferse, denn Krebszellen können an dieses Protein andocken und sich so vor dem Angriff des Immunsystems schützen. «Es ist, als ob sich der Tumor einen Tarnmantel umhängen würde», sagt Studienleiter Alfred Zippelius, Professor für Translationale Onkologie an der Universität Basel und stellvertretender Chefarzt Onkologie am Universitätsspital Basel. Durch die Immuntherapie wird die Andockstelle blockiert, damit die Abwehrzelle den Krebs wieder sehen kann.

 

PD1-reiche Immunzellen als Vorhersagemarker

Wie die Forscher herausgefunden haben, sprechen nun ausgerechnet Patienten, deren Immunzellen viel PD1 enthalten, besonders gut auf die Immuntherapie an. Aus diesen Erkenntnissen lasse sich eine einfache Vorhersagemethode entwickeln, berichtet das Team um Zippelius. „Mit dieser Methode könnten Ärzte künftig entscheiden, bei welchen Patienten eine einfache Immuntherapie genügt und welche eine intensivere Therapie benötigen – etwa eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung“. Dafür müssten die Patienten mit Abwehrzellen, die viel oder wenig PD-1 enthalten, voneinander unterschieden werden.

„Wenn wir von vornherein sagen könnten, bei wem die Therapie wirken wird, könnten wir die Erfolgsquote steigern“, so Zippelius weiter. „Dadurch reduzieren wir die Nebenwirkungen und sparen auch Kosten.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Immuntherapie , Immunzellen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Immuntherapie

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.


Viele Eltern meinen es gut, wenn sie vor ihren Kindern über eine Demenz bei deren Großeltern nicht sprechen. Sie wollen sie nicht belasten. So schwer es für Kinder ist, diese Erkrankung zu verstehen – so sehr spüren sie, dass etwas nicht stimmt. Experten raten deshalb zu einer kindgerechten Offenheit.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin