. Krankenhauskeime

Krankenhausinfektionen – 800.000 Patienten im Jahr 2012

Erstmals wurden die Erkenntnisse zum Stand der Hygiene in deutschen Krankenhäusern bundesweit erfasst und ausgewertet. Der Qualitätsreport 2012 des Gemeinsamen Bundesausschusses zeigt, dass Krankenhausinfektionen eine große Herausforderung darstellen.
Krankenhausinfektionen – 800.000 Patienten im Jahr 2012

Infektionen im Krankenhaus

Im Krankenhaus erworbene Infektionen (nosokomiale Infektionen) sind ein bedeutsames Risiko für die Patienten. Ausweislich einer repräsentativen Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2012 erwarben 3,3% aller Patienten eine Infektion während des aktuellen Krankenhausaufenthaltes. Bei jährlich 17,8 Millionen vollstationär behandelten Patienten infizierten sich jedes Jahr rund 800.000 Patienten im Krankenhaus mit einem Krankheitserreger. Fast ein Viertel der Krankenhausinfektionen entfallen auf Wundinfektionen, die nach einer Operation auftreten können. Es folgen mit rund 22% Harnwegsinfektionen und rund ein Fünftel der Krankenhauskeime sind den unteren Atemwegen (Lungenentzündungen) zuzurechnen.

Wundinfektionen nach Operationen

Eine Wundinfektion nach einer Operation entsteht durch das Eindringen von Krankheitserregern über die äußere Haut oder die Schleimhäute in die Operationswunde. Ein großes Problem in der Bewertung der Häufigkeit von Wundinfektionen ist die Tatsache, dass die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus nur noch acht bis zehn Tage umfasst. Da sich der Qualitätsreport 2012 nur auf diesen Zeitraum bezieht, werden vermutlich viele Infektionen nicht erfasst, da sie erst in der ambulanten Nachsorge auftreten und der jeweiligen Krankenhausbehandlung nicht mehr zugeordnet werden können.

Die Häufigkeit von Wundinfektionen nach Operationen ist nach Fachgebiet und Eingriff sehr unterschiedlich. In der Viszeralchirurgie, der operativen Behandlung der Bauch-Organe, treten die höchsten Wundinfektionsraten auf, gefolgt von der Herzchirurgie, der Gefäßchirurgie und der Orthopädie/Unfallchirurgie. Die höchste Wundinfektionsrate findet sich bei endoprothetischen Revisionseingriffen. Dies sind Folge-, Wechsel- oder Korrektureingriffe, zum Beispiel nachdem ein künstliches  Hüft- oder Kniegelenk eingesetzt wurde. Nach Revisionseingriffen an Hüftendoprothesen ist die Wundinfektionsrate mit 3,2% rund fünfmal höher als beim Ersteinsatz eines künstlichen Hüftgelenks. Geringe Infektionsraten von bis zu einem Prozent zeigen sich in den Bereichen Herzschrittmacher, Geburtshilfe und Mammachirurgie. Aber auch hier muss berücksichtigt werden, dass der Zeitraum für die Erfassung dieser Infektionen zum Beispiel im Bereich Herzschrittmacher bei nur drei Tagen liegt, denn dann wird der Patient nach diesem Eingriff in der Regel aus dem Krankenhaus entlassen.

Harnwegsinfektionen und Lungenentzündungen

Harnwegsinfektionen bewegen sich auf einem sehr geringen Niveau. Zum Beispiel liegen diese bei der Entfernung der Galle oder nach der Geburt eines Kindes relativ niedrig bei 0,2%. Lungenentzündungen (Pneumonien) entstehen häufig im Zusammenhang mit einer künstlichen Beatmung der Patienten und sind auf Intensivstationen gefürchtet. Häufig treten sie auch bei älteren, multimorbiden Patienten auf, da aufgrund der Abwehrschwäche dieser Personengruppe Infektionen leichtes Spiel haben können. Ein 80-jähriger Patient hat im Durchschnitt ein fünffach höheres Risiko, an einer Pneumonie zu erkranken als ein 26-jähriger Patient. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit einer wachsenden Anzahl älterer Patienten steigt somit die Notwendigkeit, die Hygieneanstrengungen in deutschen Krankenhäusern kontinuierlich zu verbessern.

Krankenhaushygiene und Infektionsprävention sind zentrale Themen des 7. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit am 28. und 29.11.2013 - alle Informationen unter: www.qualitaetskongress-gesundheit.de     

Foto: © Jezper - Fotolia.com

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhäuser

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Rauchen ist ein bekannter Risikofaktor für Parodontitis. Wie groß der Einfluss wirklich ist und wie viele Parodontitisfälle auf den Tabakkonsum zurückzuführen sind, haben nun Zahnmediziner der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berechnet.
Der Konsum von Computer, Smartphone und Co. könnte bei Kleinkindern zu Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit führen. Das haben Wissenschaftler der Universität Leipzig herausgefunden. Sie warnen vor einem regelmäßigen Gebrauch elektronischer Medien durch kleine Kinder.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.