Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.11.2013

Krankenhausinfektionen – 800.000 Patienten im Jahr 2012

Erstmals wurden die Erkenntnisse zum Stand der Hygiene in deutschen Krankenhäusern bundesweit erfasst und ausgewertet. Der Qualitätsreport 2012 des Gemeinsamen Bundesausschusses zeigt, dass Krankenhausinfektionen eine große Herausforderung darstellen.
Krankenhausinfektionen – 800.000 Patienten im Jahr 2012

Infektionen im Krankenhaus

Im Krankenhaus erworbene Infektionen (nosokomiale Infektionen) sind ein bedeutsames Risiko für die Patienten. Ausweislich einer repräsentativen Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2012 erwarben 3,3% aller Patienten eine Infektion während des aktuellen Krankenhausaufenthaltes. Bei jährlich 17,8 Millionen vollstationär behandelten Patienten infizierten sich jedes Jahr rund 800.000 Patienten im Krankenhaus mit einem Krankheitserreger. Fast ein Viertel der Krankenhausinfektionen entfallen auf Wundinfektionen, die nach einer Operation auftreten können. Es folgen mit rund 22% Harnwegsinfektionen und rund ein Fünftel der Krankenhauskeime sind den unteren Atemwegen (Lungenentzündungen) zuzurechnen.

Wundinfektionen nach Operationen

Eine Wundinfektion nach einer Operation entsteht durch das Eindringen von Krankheitserregern über die äußere Haut oder die Schleimhäute in die Operationswunde. Ein großes Problem in der Bewertung der Häufigkeit von Wundinfektionen ist die Tatsache, dass die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus nur noch acht bis zehn Tage umfasst. Da sich der Qualitätsreport 2012 nur auf diesen Zeitraum bezieht, werden vermutlich viele Infektionen nicht erfasst, da sie erst in der ambulanten Nachsorge auftreten und der jeweiligen Krankenhausbehandlung nicht mehr zugeordnet werden können.

Die Häufigkeit von Wundinfektionen nach Operationen ist nach Fachgebiet und Eingriff sehr unterschiedlich. In der Viszeralchirurgie, der operativen Behandlung der Bauch-Organe, treten die höchsten Wundinfektionsraten auf, gefolgt von der Herzchirurgie, der Gefäßchirurgie und der Orthopädie/Unfallchirurgie. Die höchste Wundinfektionsrate findet sich bei endoprothetischen Revisionseingriffen. Dies sind Folge-, Wechsel- oder Korrektureingriffe, zum Beispiel nachdem ein künstliches  Hüft- oder Kniegelenk eingesetzt wurde. Nach Revisionseingriffen an Hüftendoprothesen ist die Wundinfektionsrate mit 3,2% rund fünfmal höher als beim Ersteinsatz eines künstlichen Hüftgelenks. Geringe Infektionsraten von bis zu einem Prozent zeigen sich in den Bereichen Herzschrittmacher, Geburtshilfe und Mammachirurgie. Aber auch hier muss berücksichtigt werden, dass der Zeitraum für die Erfassung dieser Infektionen zum Beispiel im Bereich Herzschrittmacher bei nur drei Tagen liegt, denn dann wird der Patient nach diesem Eingriff in der Regel aus dem Krankenhaus entlassen.

 

Harnwegsinfektionen und Lungenentzündungen

Harnwegsinfektionen bewegen sich auf einem sehr geringen Niveau. Zum Beispiel liegen diese bei der Entfernung der Galle oder nach der Geburt eines Kindes relativ niedrig bei 0,2%. Lungenentzündungen (Pneumonien) entstehen häufig im Zusammenhang mit einer künstlichen Beatmung der Patienten und sind auf Intensivstationen gefürchtet. Häufig treten sie auch bei älteren, multimorbiden Patienten auf, da aufgrund der Abwehrschwäche dieser Personengruppe Infektionen leichtes Spiel haben können. Ein 80-jähriger Patient hat im Durchschnitt ein fünffach höheres Risiko, an einer Pneumonie zu erkranken als ein 26-jähriger Patient. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit einer wachsenden Anzahl älterer Patienten steigt somit die Notwendigkeit, die Hygieneanstrengungen in deutschen Krankenhäusern kontinuierlich zu verbessern.

Krankenhaushygiene und Infektionsprävention sind zentrale Themen des 7. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit am 28. und 29.11.2013 - alle Informationen unter: www.qualitaetskongress-gesundheit.de     

Foto: © Jezper - Fotolia.com

 

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhäuser

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Krebs: Eine halbe Million Menschen werden in Deutschland jedes Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert. Die Deutsche Krebshilfe, die Betroffenen und ihren Familien seit 1974 hilft, verdankt ihren Erfolg auch den Prominenten, die ihren Glanz für die gemeinnützige Organisation in die Waagschale werfen. Gründerin war Mildred Scheel, populäre First Lady der Bundesrepublik und Ärztin. Neue Präsidentin ist Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Um Schmerzen zu bekämpfen oder vorzubeugen und ihre Leistung zu steigern, greifen immer mehr Sportler zu Schmerzmitteln. Vor allem der „prophylaktische“ Gebrauch ist dabei gefährlich, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin