. Offener Brief

Krankenhausgesellschaft wirft Welt am Sonntag Unsachlichkeit vor

Der Artikel "Notfall Krankenhaus" in der Welt am Sonntag vom 2. Februar hat bei Krankenhäusern heftige Empörung ausgelöst. Jetzt setzt sich ihr Dachverband – die Deutsche Krankenhausgesellschaft – mit einem offenen Brief zur Wehr.
Die DKG-Spitze Alferd Dänzer und Georg Baum (li.): Offenen Brief an die Welt am Sonntag geschrieben

Die DKG-Spitze Alferd Dänzer und Georg Baum (re.): Offenen Brief an die Welt am Sonntag geschrieben

Es war ein großer und durchaus kritischer Artikel über die Lage in deutschen Krankenhäusern, der am 2. Februar in der Welt am Sonntag erschienen ist. Den Krankenhäusern war er offenbar zu kritisch. Jedenfalls hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am Freitag mit einem offenen Brief reagiert, aus dem sich große Empörung herauslesen lässt. Empfänger ist Welt-am-Sonntag-Chefredakteur Jan-Eric Peters. Er muss sich nun mit Vorwürfen wie Unsachlichkeit und oberflächlicher Recherche seiner Redakteurin Anette Dowideit auseinandersetzen, die den Artikel geschrieben hat.

Deutsche Krankenhausgesellschaft rechnet drei Seiten lang mit der Welt am Sonntag ab

In dem dreiseitigen Brief heißt es unter anderem: „Offensichtlich sollen mit diesem Artikel die Krankenhäuser schlecht gemacht werden. Es soll der Eindruck entstehen, dass den Krankenhäusern eigentlich ausreichend Finanzierungsmittel zur Verfügung gestellt würden, sie müssten diese nur verstärkt für Personal einsetzen. Weiter soll der Eindruck erweckt werden, Krankenhäuser würden aus ökonomischen Gründen medizinisch nicht notwendige Behandlungen durchführen. Sie würden operieren, ohne die Qualifikationsvoraussetzungen zu erfüllen.“ All das weise auf nur bedingte Kenntnisse über die Rahmenbedingungen der Krankenhausversorgung hin und zeuge von einer „absolut oberflächlichen Recherche der Fakten.“ Einige Behauptungen stellt die Deutsche Krankenhausgesellschaft richtig.

So sei etwa die Behauptung falsch, Krankenhäuser hätten heute 50.000 Stellen für Pflegekräfte weniger als 1996. Das Statistische Bundesamt weise aber für den Zeitraum 1996 bis 2012 lediglich eine Differenz von rund 13.000 Stellen aus, entgegnet die DKG. Zudem finde seit 2008 ein kontinuierlicher Stellenaufbau statt.

Mangelnde Kenntnisse des Systems und unsauber recherchierte Fakten, lautet der Vorwurf

Es zeuge auch von wenig Kenntnis der Krankenhausfinanzierungsregeln, wenn die Auffassung vertreten werde, dass der Aufbau der Zahl der ärztlichen Mitarbeiter vorgenommen wurde, weil dies die Abrechnung von MRT u. ä. fördern würde, schreibt die DKG. Jeder Kenner des Systems wisse, dass in Krankenhäusern mit Ausnahme der wahlärztlichen Leistungen keine Einzelleistungen abgerechnet werden könnten. Der Anstieg der Zahl der beschäftigten Ärzte in den Krankenhäusern sei auf die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes und die vermehrte Ausweisung von Teilzeitbeschäftigungen im ärztlichen Bereich zurückzuführen sowie auf die steigende Zahl der Behandlungsfälle, die die Krankenhäuser versorgen müssen, heißt es in dem Schreiben weiter.

In den Krankenhäusern seien derzeit rund 7.500 Stellen für Ärzte und Pflegekräfte unbesetzt. Dies sei, anders als im Artikel dargestellt, nicht etwa auf Personaleinsparungsstrategien der Krankenhausträger, sondern auf die extrem angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen.

Der Brief endet mit dem Satz: „Die Krankenhäuser stellen sich seit Jahren der Herausforderung, noch höhere Qualität und höhere Sicherheit für die Patienten zu erreichen. Es wäre wünschenswert gewesen, Frau Dowideit hätte einen ähnlich anspruchsvollen Maßstab an die Qualität ihrer Recherche gelegt.“

Der vollständige offene Brief der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist unter www.dkgev.de nachzulesen. Und den Artikel „Notfall Krankenhaus“ findet man auf der Internetseite der Welt am Sonntag

Der Artikel beginnt übrigens mit den Worten: „Mangelnde Hygiene, fehlende Pfleger, überflüssige Operationen: Die Zustände in deutschen Kliniken sind oft dramatisch. Doch Bemühungen um mehr Transparenz und Kontrolle sind bisher gescheitert – und das geht auf Kosten der Patienten.“ Vielleicht liegt die Wahrheit ja irgendwo in der Mitte.

Foto: DKG

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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