. Programm der Bundespsychotherapeutenkammer

Konzept für eine bessere Versorgung von psychisch Kranken

Für eine bessere psychotherapeutische Versorgung macht sich die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) stark. Dazu hat sie das Konzept einer „differenzierten psychotherapeutischen Versorgung“ entwickelt und vorgelegt.

Der Psychotherapeut als Lotse - nur eine Idee aus dem Konzept der BPtK.

Patienten suchten aufgrund sehr unterschiedlicher psychischer Beschwerden psychotherapeutische Hilfe, heißt es in einer Pressemitteilung der BPtK. Den  unterschiedlichen Bedarfen könne die bisherige psychotherapeutische Versorgung nicht ausreichend gerecht werden. „Die Patienten brauchen eine differenziertere Versorgung. Psychotherapeuten benötigen hierfür mehr Flexibilität und größere Freiräume bei der Gestaltung ihrer Behandlungsangebote“, sagt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Die BPtK schlägt deshalb insbesondere folgende Maßnahmen vor:

  • die Einführung einer psychotherapeutischen Sprechstunde,
  • den Aufbau eines differenzierten ambulanten psychotherapeutischen Leistungsangebots,
  • mehr Klarheit für Patienten, welcher Psychotherapeut welche Behandlungsschwerpunkte hat und welche spezifischen psychotherapeutischen Leistungen anbietet,
  • eine bessere Information über freie Therapieplätze,
  • eine vernetzte ambulante multiprofessionelle Behandlung von schwer psychisch Kranken,
  • die flexible Kombination von Einzel- und Gruppentherapie,
  • Behandlungsangebote für Erhaltungstherapie und Rückfallprophylaxe
  • erweiterte Behandlungsmöglichkeiten für chronisch Kranke und
  • die Aufhebung der Befugniseinschränkung für Psychotherapeuten.

Einen einfachen und schnelleren Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung könne vor allem eine psychotherapeutische Sprechstunde ermöglichen. Innerhalb dieser Sprechstunden erfolge eine orientierende Erstdiagnostik und, wenn möglich, eine erste Indikationsstellung für das weitere Vorgehen. 

Psychisch Kranke: Psychotherapeuten könnten eine Lotsenfunktion übernehmen

Durch die Sprechstunden könnten Psychotherapeuten für ihre Patienten eine Art Lotsenfunktion übernehmen und gemeinsam mit den Patienten überlegen, welches Versorgungsangebot das passende ist. Psychotherapeutische Sprechstunden sollten von allen niedergelassenen Psychotherapeuten angeboten werden können, um möglichst vielen Patienten, auch in strukturschwachen Regionen, schnell ein orientierendes Erstgespräch und eine Erstdiagnostik anbieten zu können. Eine notwendige Ergänzung dieser psychotherapeutischen Sprechstunde sei ein differenziertes ambulantes Versorgungsangebot, das den unterschiedlichen Versorgungsbedarfen der Patienten gerecht wird. Dazu gehören z. B. eine geleitete Selbsthilfe und psychoedukative Gruppen. 

Empfehlungen der Psychotherapeuten sollen nun in die öffentliche Diskussion eingebracht werden

Für manche Patienten sei es besonders wichtig, sehr kurzfristig einen Psychotherapeuten zu sprechen. Patienten, die mit akuten Zuspitzungen ihrer Erkrankung rechnen müssen, benötigten darüber hinaus Kriseninterventionen als Teil des psychotherapeutischen Leistungsspektrums. Die Bundespsychotherapeutenkammer wird ihre Empfehlungen nun in die öffentliche Diskussion einbringen.

Foto: Fotolia

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkrankungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.