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04.09.2021

Kombination von Tumor-Impfstoffen verstärkt krebsabtötende Immuneffekte

Die bewusste Kombination von zwei verschiedenen Impfstoffen ist möglicherweise nicht nur gegen Covid-19 vielversprechend – sondern auch im Kampf gegen Krebs. Das zeigt eine Studie von Krebsforschern der österreichischen Universitäten Innsbruck und Wien.
Vorbereitung einer Impfung: Per Spritze wird rosaferbener Impfstoff aus einer Ampulle entnommen.off

Bisher existieren nur Impfungen gegen einige wenige Krebsarten. Eine Kombination verschiedener Impfstoffe wie bei Covid-19 könnte diese präventive Therapie auch auf andere Krebsarten ausdehnen.

Das Prinzip kennen wir von den Impfungen gegen Covid-19: Zweimal gegen eine Krankheit impfen – aber beim zweiten Mal mit einem anderen Impfstoff als beim ersten Mal. Die Idee, die in der Frühphase der Corona-Impfung aus der Not heraus geboren wurde, weil es bei Impfstoffen immer wieder zu Lieferengpässen kam, und deren Erfolg in dieser Form gar nicht vermutet wurde, ist inzwischen offizielle Empfehlung. So rät die Ständige Impfkommission (STIKO) mittlerweile Personen nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca bei der Zweitimpfung zu Biontech/Pfizer oder Moderna. Der Grund: Die Immunantwort nach einer Misch-Impfung – erst Vektor-, dann mRNA-Impfstoff – sei der konsequenten Impfung mit nur einem Impfstofftyp „deutlich überlegen".

Erst Impfstoff A, dann B: Die „heterologe“ Impfung

Dass dieses Prinzip der „heterologen Impfung“ auch im Kampf gegen Krebserkrankungen so wirksam funktionieren könnte, zeigt eine aktuelle Studie, die die Medizinische Universität Innsbruck gemeinsam mit der Med-Uni-Wien und Pharma-Unternehmen durchgeführt hat.  „Die Kombination zweier Impfstoffe ist nicht nur gegen COVID-19 vielversprechend – sondern auch bei Krebs“, heißt es in einer Mitteilung der Innsbrucker Universität.

 

Zweite Strategie gegen Krebs – neben der Immuntherapie

Neben der Immuntherapie, bei der das körpereigene Abwehrsystem gegen einen Tumor scharfgemacht werden soll, gilt die Tumorimpfung als zweite bedeutsame Strategie im Kampf gegen den Krebs: Analog zu konventionellen Impfverfahren wird dem Körper ein – von allen schädlichen Eigenschaften befreiter – Tumorbestandteil präsentiert. Die Wissenschaftler aus Österreich haben nach eigenen Angaben jetzt die Mechanismen geklärt, die hinter der verbesserten Ansprechrate auf so genannte heterologe Tumorimpfungen stecken. Die Ergebnisse wurden soeben im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Krebsimpfung an vier Tumor-Modellen getestet

Die Krebsexperten testeten die Wirkweise der Kombinationsimpfung in vier verschiedenen Tumor-Modellen. Dies seien deutlich mehr, als bei bisherigen Publikationen der Fall. Die Modelle repräsentierten jeweils unterschiedliche Tumorarten beim Menschen. „Dabei stellte sich heraus, dass die günstigste Kombination in einer Erstimpfung (Primer) mit der Proteinplattform KISIMA und der Auffrischung (Booster) mit der Virusvektor-Impfung besteht“, heißt es in einem Statement der österreichischen Krebsforscher.

Mischimpfung gegen Krebs – drei positive Effekte

Drei wesentliche positive Effekte der Mischimpfung konnten die Wissenschaftler feststellen:

  1. Die T-Zellen (eine Gruppe von weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dient) sind kraftvoller und vielseitiger. Sie setzen mehr Substanzen zur Tumorabtötung frei. Und es entstehen mehr langlebige „Wächterzellen“ mit Gedächtnisfunktion.
  2. Krebsbekämpfende T-Zellen können nach einer Kombi-Impfung den Tumor leichter unterwandern. Die sogenannten Fresszellen des Immunsystems werden in aktivere Typen umprogrammiert.
  3. Am Modell eines Tumors, der gegen eine Immuntherapie als resistent gilt, stellte sich heraus: Kombiniert man die Kombi-Impfung noch einmal mit einer bestimmten Variante der Immuntherapie („Checkpoint-Inhibitor-Therapie“), wird die Impfwirkung verstärkt.

Anwendung an Patienten steht offenbar unmittelbar bevor

Nach Angabe der Wissenschaftler sind die Studienergebnisse aber nicht einfach graue Theorie, sondern befinden sich bereits in einem Entwicklungsstadium, dass sie nicht nur im Labor, sondern tatsächlich an Patienten erprobt werden können. „Unsere Studie hat wissenschaftliche Grundlagen gesetzt, welche die Vorteile der heterologen Vakzin-Kombination aufzeigen und das mit zwei Plattformen, die sich schon in fortgeschrittener präklinischer beziehungsweise klinischer Entwicklung befinden“, sagt der Innsbrucker Krebs-Experte Guido Wollmann. „Daher ist ein zeitnaher Beginn der klinischen Testphase der Mischimpfung mit KISIMA-TAA und VSV-GP-TAA geplant.“

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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