Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Klinikärzte beklagen wirtschaftlichen Druck

Wirtschaftliche Zielvorgaben setzen Klinikärzte in Führungspositionen immer mehr unter Druck. Die Mehrheit sieht sich dadurch in der Ausübung des Arztberufs beeinträchtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.
Klinikärzte beklagen wirtschaftlichen Druck

Schwieriges Spagat: Ärzte zwischen Patientenwohl und Kostendruck

Der Druck in der Klinik, schwarze Zahlen zu schreiben, lastet zunehmend auf den Schultern der Ärzte. Inwieweit sich Ärzte in leitenden Funktionen dem wirtschaftlichen Diktat beugen müssen und wie sich das „gefühlt“ auf das Arzt-Patientenverhältnis auswirkt, hat die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) jetzt in einer aktuellen Studie ermittelt. Unter mehr als 600 befragten Chef- und Oberärzten aus internistischen Fachabteilungen bestätigten rund Drei Viertel, dass sie betriebswirtschaftliche Leistungsvorgaben von ihrer kaufmännischen Geschäftsleitung erhalten. Und ebenso viele sehen sich dadurch die anspruchsvollen ökonomischen Zielvorgaben in der Ausübung des Arztberufs beeinträchtigt.

Kostendruck geht nicht spurlos an den Patienten vorbei

Der Generalsekretär der DGIM Prof. Dr. Dr. Ulrich R. Fölsch sieht darin eine problematische Entwicklung. Die ärztliche Verpflichtung zum Patientenwohl sei mit den von Kaufleuten vorgegebenen Zahlen immer weniger unter einen Hut zu bringen. „Durch die Abrechnungspauschalen drohen Patienten zu mehr oder weniger ‚lukrativen Fällen‘ zu werden“, kritisiert Fölsch. Es entwickle sich eine Kultur, die Pflege und Medizin nur als veräußerbares Produkt und Handelsware verstehe. Das aber fürchten die allermeisten Klinikärzte: 90 Prozent der Befragten glauben, dass die Ökonomisierung des Gesundheitswesens negative Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis hat. Und auch eine Erfolgsbeteiligung, die bei 38 Prozent der ärztlichen Führungskräfte vertraglich geregelt ist, wird mehrheitlich kritisch gesehen: 65 Prozent geben an, eine Beteiligung am Umsatz nicht zu wünschen.

 

Kein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Ärzten und Kaufleuten

Weiter fand die Umfrage heraus, dass sich über 60 Prozent der Internisten unzureichend an Entscheidungen der kaufmännischen Geschäftsleitung beteiligt fühlen. Auch dieses Missverhältnis hält Fölsch für ungesund. „Die kaufmännische Seite muss die Pflicht haben, die Ärzte effizient in Entscheidungsprozesse einzubeziehen“, fordert der Internist. Fast die Hälfte der in der Studie Befragten meint auch, dass zwischen den beiden Bereichen keine partnerschaftliche Zusammenarbeit existiert.

Ärztevertreter wie etwa der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery kritisieren schon seit langem, dass das Gesundheitswesen zunehmend von betriebswirtschaftlichen Denkmustern und Management-Paradigmen durchdrungen wird. Dadurch verschiebe sich auch das ärztliche Berufsbild, da Ärzte immer stärker mit Themen konfrontiert seien, die bisher nicht zu ihren Kernaufgaben gehörten.

Foto: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärzte , Krankenhäuser
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ärzte

56 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Deutschland befürchten Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger für die eigene Praxis. Nur ein Viertel ist sich sicher, die Praxis zum Ruhestand erfolgreich verkaufen zu können. Brisant daran: Für jeden zweiten selbstständigen Arzt ist ein Verkaufserlös elementarer Teil der Altersvorsorge.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Im Gespräch mit Gesundheitsstadt Berlin erklärt der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery, warum der Arztberuf an Attraktivität verloren hat und warum die Gesundheitspolitik allein den Ärztemangel auf dem Land nicht lösen kann.
 
Weitere Nachrichten

Bewusst einmal etwas ganz anderes tun als im beruflichen Alltag, Dinge selber machen, mit den Händen arbeiten – selbstbestimmt, kreativ, meditativ: Heimwerken kann sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken und sogar eine therapeutische Wirkung entfalten. Gut für Menschen, die sich gesund halten wollen, auf einen Therapieplatz warten – oder eine laufende Therapie unterstützen möchten.

Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin