. Infektionsgeschehen

Kita-Studie Düsseldorf: Kitas scheinen keine Corona-Hot-Spots zu sein

Sind Kitas Orte, wo es besonders viele Corona-Infektionen gibt? Diese Frage ist derzeit heftig umstritten. Die Kita-Studie Düsseldorf gibt nun Entwarnung. Demnach lag das Infektionsgeschehen während des eingeschränkten Regelbetriebs im „Normalbereich.“
Abstand impossible: In Kitas kommt es trotzdem nicht häufiger zu Corona-Infektionen als anderswo, zeigt die Kita-Studie Düsseldorf

Abstand impossible: In Kitas kommt es trotzdem nicht häufiger zu Corona-Infektionen als anderswo, zeigt die Kita-Studie Düsseldorf

Kinder haben häufig keine Symptome, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Gerade darin sehen viele ein Risiko, denn Infektionen können so unbemerkt weitergegeben werden. Hinzukommt, dass insbesondere kleine Kinder kaum Abstands – und Hygieneregeln befolgen können. Könnten Kitas also zu Infektionshochburgen werden?

Dieser derzeit heftig umstrittenen Frage ist das Universitätsklinikum Düsseldorf nachgegangen. In der Düsseldorfer Kita-Studie wurden nach Öffnung der Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb Anfang Juni insgesamt 5.210 Personen zweimal wöchentlich auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus getestet. Davon 3.955 Kinder und 1.255 Beschäftigte in 115 Düsseldorfer Kitas. Die Tests fanden über einen Zeitraum von vier Wochen statt, also bis Anfang Juli.

Acht Kita-Kinder waren mit Coronavirus infiziert

Die Auswertung liegt nun vor und zeigt: Das Infektionsgeschehen ist nicht überproportional angestiegen. So wurde in den Studienproben nur eine Corona-Infektion bei einem Kind festgestellt. Allerdings gab es weitere Infektionen bei Kindern und Erwachsenen in den Einrichtungen, die nicht an der Studie teilgenommen hatten. Das Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf meldete im Studienzeitraum zwei Infektionen beim Personal und acht bei Kita-Kindern.

Damit liegt das Infektionsgeschehen in den Kitas auf dem auf dem gleichen Niveau wie in der  Stadt Düsseldorf insgesamt, wo während des Studienzeitraums insgesamt  501 Corona-Infektionen an das örtliche Gesundheitsamt gemeldet wurden. Davon waren 32 Infektionen bei Kindern im Kita-Alter und davon wiederum 16 infizierte Kinder überhaupt in einer Betreuungseinrichtung. Acht davon waren dann die oben genannten Kinder in Einrichtungen, die an der Studie teilgenommen haben.

 

Rolle von Kindern als Infektionsquelle noch unklar

„Glücklicherweise haben wir insgesamt sehr wenig Fälle in den Kitas gefunden“, wird Prof. Dr. Jörg Timm, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Düsseldorf, in einer Meldung des Uniklinikums zitiert. Nach der Öffnung der Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb sei das Infektionsgeschehen nach diesen Erkenntnissen nicht überproportional angestiegen. „Die Häufigkeit von Infektionen bei Kita-Kindern spiegelt am ehesten das Infektionsgeschehen in der Bevölkerung insgesamt wider. Hier zeigt sich in Kitas kein Unterschied zur Häufigkeit von Infektionen außerhalb von Kitas“, so Prof. Timm. Allerdings ließe sich aus den Daten nicht ablesen, welche Bedeutung Kinder als Infektionsquelle hätten, fügt der Virologe hinzu.

Studie war politisch motiviert

Die Studie war vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein Westfalen (NRW) in Auftrag gegeben worden. Ziel war es, verlässliche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob es in den Kita-Gruppen zu neu auftretenden Infektionsfällen kommt und dadurch Infektionsketten im Umfeld ausgelöst werden.

Familienminister Joachim Stamp interpretiert die Ergebnisse so. : „Die bisherigen Studienergebnisse geben keinen Anlass davon auszugehen, dass von Kita-Kindern ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht oder im Umfeld Infektionsketten ausgelöst werden, obwohl das geltende Abstandsgebot in der Kindertagesbetreuung nicht eingehalten werden kann.“

Die Ergebnisse sollen nun in die Entscheidung einfließen, ob Kitas in NRW bald wieder ihren Regebetrieb aufnehmen können.

Foto: © Adobe Stock/Rawpixel.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Kinder
 

Weitere Nachrichten zum Thema Coronavirus

| Virologen der Universitätsklinik Frankfurt haben zwölf Wochen lang Corona-Abstriche aus Kindertagesstätten in Hessen untersucht. Das Ergebnis: Zwei Probanden wurden positiv getestet – Erzieherinnen. Von den Kindern war kein einziges infiziert. Das ist deshalb besonders überraschend, weil sich Erkältungen oder die saisonale Grippe in Kitas und Schulen erfahrungsgemäß sehr schnell verbreiten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Die Herstellung von COVID-19-Impfstoffen läuft auf Hochtouren. Trotzdem sind die Einzeldosen 14 Tage nach Start der Kampagne noch knapp – und dies wird noch eine Weile so bleiben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt deshalb: Es wird verimpft, was da ist. Anders in Berlin: Hier will die Gesundheitssenatorin Impfwilligen die Freiheit einräumen, selbst zu wählen. Denn ein paar feine Unterschiede gibt es doch.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.