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22.02.2017

Kinder greifen zur Kopfschmerz-Tablette

Immer mehr junge Erwachsene (18 bis 27 Jahre) leiden unter Kopfschmerzen. Das besagt der aktuelle Arztreport der Barmer. Und bereits 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen (9 bis 19 Jahre) nehmen dagegen Tabletten ein.
Schulkind

42 Prozent der Kinder, die an Kopfschmerzen leiden, nehmen regelmäßig Tabletten ein

Von 2005 bis 2015 stieg der Anteil der 18- bis 27-Jährigen mit Kopfschmerz-Diagnosen um 42 Prozent. Demnach sind mittlerweile 1,3 Millionen junge Erwachsene von einem ärztlich diagnostizierten Pochen, Klopfen und Stechen im Kopf betroffen. Die Ursachen sind unklar, vermutlich nehme der Druck auf die jungen Leute stetig zu, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Der Alltag kann für Kopfschmerz-Patienten zur Qual werden und deren berufliche oder universitäre Existenz gefährden. Gerade junge Erwachsene brauchen bessere Präventionsangebote. Sport, Entspannungstechniken oder eine gesunde Lebensführung könnten vielen Betroffenen aus der Pillenfalle helfen“, sagte Prof. Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer. Die von der Barmer unterstützte Aktion „KopfHoch!“ richtet sich an Studierende und soll ihnen helfen, Kopfschmerzattacken zu reduzieren.

Kopfschmerzen: Schon Kinder greifen zur Tablette

Wie wichtig präventive Maßnahmen gegen Kopfschmerz sind, zeige sich am bedenklichen Tabletten-Konsum bei Kindern: 42 Prozent der Kinder und Jugendlichen bekämpfen den Schmerz jedes Mal mit Arzneimitteln. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Barmer hervor. „Wer Kopfschmerztabletten regelmäßig oder gar übermäßig nimmt, riskiert seine Gesundheit“, warnte Prof. Joachim Szecsenyi, Autor des Arztreports und Geschäftsführer des AQUA-Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen in Göttingen.

Im Jahr 2015 waren 9,3 Prozent der Bevölkerung, also rund 7,6 Millionen Menschen von Kopfschmerz betroffen. Am häufigsten wurden Kopfschmerzen im Alter von 19 Jahren diagnostiziert. 19,7 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe seien belastet. Bei den Männern seien es 13,8 Prozent.

 

Migränemittel-Verordnungen stark gestiegen

Alarmierend ist laut Barmer Arztreport auch die Verordnungsrate von Migränemitteln. Die Verordnungsrate von Migränemitteln sei bei den 18- bis 27-Jährigen von 2005 bis 2015 um 58 Prozent gestiegen. Über alle Altersklassen hinweg betrachtet gab es einen Anstieg um 9,9 Prozent. Als Migränemittel wurden fast ausschließlich Mittel aus der Substanzgruppe der Triptane, vor allem Sumatriptan, verordnet.

Sie gelten als Wundermittel für Migräne-Patienten, haben jedoch unerfreuliche Nebenwirkungen, nämlich Kopfschmerzen. „Die Dosis macht das Gift. Wer immer wieder zu Medikamenten greift, um Kopfschmerzen los zu werden, landet im schlimmsten Fall in einem Teufelskreis aus Tablettenkonsum und Dauerkopfschmerzen“, so Barmer-Chef Straub.

Ursachen für Kopfschmerz

So unterschiedlich die Kopfschmerzarten sind, so variantenreich sind die Ursachen. Migräne ist genetisch veranlagt, zudem können Stress oder Alkohol eine Attacke auslösen. Der Spannungskopfschmerz wird durch Verspannungen im Nacken-, Kiefer- und Kopfbereich verursacht. Symptome einer Migräne sind pochende und pulsierende Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit gegen Licht und Lärm. Der Spannungskopfschmerz wird häufig begleitet von ziehenden oder drückenden Schmerzen an beiden Schläfen oder an der Stirn. Der Schmerz kann im Nacken beginnen, hinzu kommen Verspannungen der Schulter- oder Nackenmuskeln.

Alkohol, Medikamente, Nikotin, Koffein oder eine Erkältung können sekundäre Kopfschmerzen auslösen. Außerdem leiden Menschen mit Bluthochdruck oder Erkrankungen an Kiefer, Schädel oder Halswirbelsäule häufig darunter.

Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Autor: bab
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