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(Kinder-) Ärzte verschreiben weniger Antibiotika

Der hohe Antibiotikaverbrauch in Deutschland geht laut Versorgungsatlas langsam zurück, vor allem Kinderärzte verschreiben weniger Antibiotika. Doch ausgerechnet Reserveantibiotika, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollten, verordnen die niedergelassenen Ärzte munter weiter.
(Kinder-) Ärzte verschreiben weniger Antibiotika

Kinderärzte behandeln ihre kleinen Patienten inzwischen seltener mit Antibiotika

Der übermäßige Gebrauch von Antibiotika begünstigt das Entstehen multiresistenter Erreger, sogenannter Antibiotikaresistenzen. Deswegen appellieren verschiedene bundesweite Initiativen wie die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) der Bundesregierung seit Jahren an die Ärzte, weniger Antibiotika zu verordnen. Die Appelle zeigen offenbar Wirkung. Eine jetzt im Versorgungsatlas veröffentlichte Studie belegt einen deutlichen Rückgang der Antibiotikaverordnungen im ambulanten Bereich. Allerdings gibt es große regionale und altersabhängige Unterschiede. Die Studie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) wertete die Zahl der Rezepte und verordneten Packungen zwischen den Jahren 2008 und 2012 aus.

Kinder und Senioren bekommen weniger Antibiotika-Rezepte, bei Erwachsenen hat sich nichts getan

Vorreiter des rückläufigen Trends sind die niedergelassenen Kinderärzte. Sie haben ihren Patienten unter 14 Jahren pro Jahr rund 4,5 Prozent weniger Antibiotika-Rezepte ausgestellt. Darüber hinaus sank im Beobachtungszeitraum auch der Anteil jener Kinder, die überhaupt antibiotisch behandelt werden auf deutlich unter 40 Prozent, nachdem er in 2009 darüber gelegen hatte. „Angesichts der Resistenzproblematik ist diese Entwicklung äußerst positiv“, betont Dr. Mandy Schulz, Wissenschaftlerin am Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung und Mitautorin der Studie.

Bei erwachsenen Patienten ist das Verordnungsverhalten der Ärzte jedoch stabil. In der großen Altersgruppe der 15-69-Jährigen bestehe, so die Wissenschaftler, noch Spielraum nach unten, wenn leitliniengerechter behandelt würde. Rückläufig ist unterdessen der Einsatz von Antibiotika bei älteren Menschen jenseits des 70. Lebensjahrs. Dies könne aber daran liegen, dass diese Patienten bei Infektionen verstärkt in Kliniken eingewiesen und dort antibiotisch behandelt würden, mutmaßen die Studienautoren.

 

Unkritischer Einsatz von Reserveantibiotika

Sorge bereitet den Wissenschaftlern der absolute und relative Zuwachs bei der Verordnung sogenannter Cephalosporine, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollten. Auch Kinder unter 14 Jahren bekommen diese Breitband- Antibiotika nach wie vor in hohen Mengen verordnet. „Insbesondere ab der zweiten Generation gilt diese Wirkstoffklasse aufgrund ihres breiteren Wirkungsspektrums als Reservegruppe, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollte“, erklärt der Leiter des Versorgungsatlas Dr. Bätzing-Feigenbaum. Zwar scheint der Anstieg bei der Verordnung der Cephalosporine inzwischen zum Stillstand gekommen zu sein, doch Handlungsbedarf sehen die Wissenschaftler gleichwohl. Diese Antibiotika gelten als eine der Ursachen für die Entwicklung von Multiresistenzen, denen unbedingt entgegengewirkt werden müsse, so die Autoren. Eine europäische Untersuchung aus dem Jahr 2010 zeigt, dass in Norwegen, Schweden, Dänemark und Holland Cephalosporine in der ambulanten Therapie kaum eingesetzt werden. „Wenn dies dort klappt, sollte das auch bei uns funktionieren“, meint Bätzing-Feigenbaum.

Auch regionale Unterschiede hat der Versorgungsatlas festgestellt. Ärzte in den östlichen Bundesländern stellen demnach die wenigsten Antibiotikarezepte aus, während Rheinland-Pfalz und das Saarland an der Spitze stehen.

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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