. Schmerzattacken

Ketamin kann bei Clusterkopfschmerz helfen

Clusterkopfschmerzen gehören zu den schlimmsten Schmerzen überhaupt und können die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Forscher haben nun untersucht, inwieweit Ketamin die Schmerzintensität der Attacken reduzieren kann.
Clusterkopfschmerzen behandeln

Clusterkopfschmerzen sind für die Betoffenen extrem belastend

Clusterkopfschmerzen treten in Attacken auf, die zwischen 15 Minuten und drei Stunden anhalten können. Die Attacken sind periodisch gehäuft; daher spricht man von einem Cluster (englisch: Haufen). Während solcher Cluster können zwei bis acht Schmerzanfälle pro Tag auftreten. Wie belastend Clusterkopfschmerzen sind, zeigt auch die Tatsache, dass er von vielen als „Suizid-Kopfschmerz“ bezeichnet wird. Standardmäßig werden die Schmerzen mit Kortison, Verapamil, Valproat oder Topiramat behandelt. Während der Attacken werden oft Triptane oder Sauerstoff gegeben. Die Wirkung dieser Behandlungsansätze ist allerdings oft gering.

Forscher wollten nun herausfinden, ob Ketamin die Häufigkeit und Intensität von Clusterkopfschmerzen senken kann. Ketamin ist ein Schmerz- und Narkosemittel, das vor allem in der Notfall- und Tiermedizin angewendet wird. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass es bei schweren, therapieresistenten Depressionen wirksam sein kann. Zur Gabe von Ketamin bei Kopfschmerzen gibt es bisher kaum wissenschaftliche Literatur, nur einige Einzelfallberichte.

Ketamin konnte die Schmerzattacken stoppen

Für die Studie behandelten die Forscher Livia Granata, Henner Liebergall, Reto Agosti, Ron Langner und Leander Sakellaris 29 Patienten, die an Clusterkopfschmerzen litten. 13 der behandelten Patienten litten an chronischen, 16 an episodischen Clusterkopfschmerzen. Alle Patienten waren therapieresistent für herkömmliche Behandlungen, einige von ihnen auch für eine perikraniale Therapie mit Botulinumtoxin, die „off label“ eingesetzt wird. Trotz der geringen Wirksamkeit dieser Therapien behielten die Probanden bis auf sechs Personen ihre prophylaktische Basismedikation wie beispielsweise Verapamil oder Valproat bei. Einige der Patienten verblieben bei konstanten Dosierungen von Kortisonpräparaten, z. B. Prednisolon.

Die Teilnehmer erhielten Ketamin i.v. über 40 Minuten bis eine Stunde alle zwei Wochen oder zeitnäher. Je nach Ansprechen erfolgten ein bis vier Applikationen. Das Ketamin wurde auch als Akuttherapie eingesetzt, um die Cluster der Attacken zu beenden. Es zeigte sich, dass bei 100 Prozent der Patienten mit episodischen und bei 54 Prozent der Patienten mit chronischen Clusterkopfschmerzen die Attacken gestoppt werden konnten – entweder sofort oder ein bis zwei Wochen nach der letzten Infusion, wobei die Dauer der Attackenfreiheit zwischen 3 und 18 Monaten variierte.

Häufigste Nebenwirkung war Müdigkeit

Nach Angaben der Studienautoren vertrugen die meisten Patienten die Ketamin-Infusion gut. Häufig traten Symptome von Derealisation auf, die allerdings nur Sekunden bis wenige Minuten andauerten. Strategien zur Beruhigung wie beispielsweise das „Handhalten“ durch einen Angehörigen, machte diese Symptome leichter erträglich. Etwa ein Drittel der Patienten erhielt Midazolam als Prämedikation vor der Ketamingabe, um mögliche Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Angstattacken oder Albträume zu reduzieren. Bei allen Patienten trat nach der Behandlung mäßige bis starke Müdigkeit auf, die bis zu 24 Stunden andauerte. Alle Nebenwirkungen waren vorübergehender Natur. Für Patienten mit Clusterkopfschmerzen könnte Ketamin daher in Zukunft ein interessanter Behandlungsansatz sein.

Foto: © snyGGG - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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