. Hirnforschung

Keine neuen Hirnzellen im Langzeitgedächtnis

Erwachsene können offenbar doch keine neuen Hirnzellen im Hippocampus bilden. Das behauptet ein amerikanischer Forscher - und wirft damit bisherige Annahmen über den Haufen.
Werden im Hippocampus neue Nervenzellen gebildet? Eine neue Studie weckt Zweifel

Werden im Hippocampus neue Nervenzellen gebildet? Eine neue Studie weckt Zweifel

Der Hippocampus ist jener Teil des Gehirns, wo das Langzeitgedächtnis verortet ist. Bislang gehen Hirnforscher davon aus, dass auch Erwachsene in diesem wichtigen Areal neue Hirnzellen bilden können. Jetzt kommen Zweifel an dieser Hypothese auf. Das Team um Arturo Alvarez-Buylla von der Universität von Kalifornien in San Francisco hatte Gewebeproben von 59 Patienten untersucht und dabei keine Hinweise auf eine Neurogenese, also Neubildung von Nervenzellen, bei Erwachsenen gefunden. Die Forscher schließen, dass diese Fähigkeit kurz bereits kurz nach der Geburt abgeschlossen ist. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im Fachblatt „Nature“ erschienen, aber nicht unumstritten.

Hippocampus speichert Erinnerungen

So zitiert das Ärzteblatt den Neurowissenschaftler Gerd Kempermann vom Deutschen Forschungszentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Dresden, der methodische Einwände äußerte. Die Tatsache, dass keine neu gebildeten Neuronen gefunden würden, bedeute noch lange nicht, dass keine vorhanden seien, sagte er. Kritik kommt außerdem, weil die untersuchten Gewebeproben zum Teil von Epilepsie-Patienten stammten. Folglich könnte das Gehirn ja durch die Erkrankung geschädigt sein und deswegen keine neuen Nervenzellen mehr bilden, wird ein anderer Neurowissenschaftler im Ärzteblatt zitiert.

Die Frage, ob das Gehirn neue Nervenzellen bilden kann, beschäftigt die Wissenschaft schon seit langem. 2014 wurde bereits die Hypothese einer Neurogenese im Neokortex widerlegt. In diesem Hirnareal sind höhere Funktionen wie Sprechen, Verstehen und Entscheidungszentren angelegt.

 

Schlaganfallstudie sorgte 2014 für Aufsehen

Experten hatten gehofft, die Neurogenese in diesem Bereich würde die Rehabilitation der Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall unterstützen. Doch die Studienergebnisse waren negativ . „Die Wiederherstellung von verlorenen Gehirnfunktionen nach einem ischämischen Schlaganfall im Kortex muss auf andere Ursachen, wie Plastizitätseffekte, zurückgehen“, sagte damals PD Dr. Hagen B. Huttner, Oberarzt der Neurologie am Universitätsklinikum Erlangen. Allerdings könnten geschädigte Nervenzellen ihr Erbgut reparieren und so überleben.

Der Neurologe hatte zusammen mit einem internationalen Forscherteam 20 Schlaganfallpatienten posthum untersucht, die an nichtneurologischen Ursachen verstorben waren. Mithilfe der Radiokarbonmethode wie sie Archäologen nutzen konnten die Wissenschaftler das Alter der Nervenzellen in gesunden wie auch vom Schlaganfall betroffenen Gewebeproben des Kortex bestimmen. Dabei stellten sie fest, dass die Neuronen genauso alt waren wie die Patienten selbst, jüngere Zellen gab es nicht. Diesen Befund bestätigen auch immunhistochemische Analysen und Untersuchungen zur Neukombination der Erbsubstanz: Beide Methoden erbrachten keine Hinweise auf eine nennenswerte Neubildung von Nervenzellen.

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gehirn
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hirnforschung

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Deutschland importiert viel mehr Organe aus dem Ausland als es exportiert. Damit werden die Transplantationschancen für Patienten in unseren Nachbarländern verschlechtert. Darauf macht die DGCH aufmerksam und fordert die Einführung der Widerspruchslösung.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.