. Vorgeburtlicher Molekulartest

Keine Kassenzulassung in Sicht

Wird der umstrittene pränatale Test auf Trisomie 21 zur Kassenleistung? Der Gemeinsame Bundesausschuss, der hierüber entscheidet, bremst zu hohe Erwartungen: Eine zeitnahe Zulassung sei nicht zu erwarten.
Bluttest statt Fruchtwasseruntersuchung: Patienten müssen ihn selbst bezahlen.

Keine Entscheidung ist darüber gefallen, ob der pränatale Bluttest auf das Down-Syndrom eine Kassenleistung wird.

Im Frühjahr 2014 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) festgestellt, dass der sogenannte Präna-Test, ein molekulargenetischer Test auf die Trisomien 21, 13 und 18, durchaus das Potenzial besitzt, künftig die bisher übliche Fruchtwasseruntersuchung bei Schwangeren zu ersetzen. Seitdem wird nun im GBA beraten, ob eine Erprobungsrichtlinie beschlossen werden soll, aufgrund derer genaue Studien initiiert werden könnten. Sie sollen zeigen, ob der Test wirklich verlässliche Ergebnisse liefert – so dass auf die invasive Chromosomendiagnostik verzichtet werden kann.

Der Weg bis zu einer Entscheidung darüber, ob der Test in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird, ist also noch sehr weit. Aber selbst wenn alle notwendigen Verfahren abgeschlossen sind, sei gar nicht klar, ob der Beschluss dann zugunsten des Präna-Tests ausfällt, stellte GBA-Chef Josef Hecken klar. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte jüngst berichtet, dass eine Zulassung als Kassenleistung bereits absehbar sei.

Präna-Test kostet bis zu 900 Euro

Der Präna-Test ist seit zwei Jahren anwendbar. Er bietet als Bluttest den Vorteil, dass er im Vergleich zur Fruchtwasseruntersuchung  keinen Eingriff darstellt, der das Risiko für eine Frühgeburt erhöht. Bislang müssen Schwangere, die den Test durchführen lassen wollen, diesen selbst bezahlen. Die Kosten dafür betragen zwischen 600 und knapp 900 Euro – je nachdem, ob auch eine Geschlechterbestimmung mit vorgenommen oder eine Fehlverteilung der Chromosomen mit untersucht wird. 

Der Test, der ab der 9. Schwangerschaftswoche angewandt werden kann, bietet keine hundertprozentige, nach Herstellerangaben aber eine „hohe Sicherheit“ darüber, ob eine Chromosomenstörung vorliegt. Das Verfahren ist allerdings ethisch höchst umstritten. Kritiker fürchten, dass durch den Test der Stigmatisierung von Menschen mit dem Down-Syndrom Vorschub geleistet wird. Die Befürchtung ist, dass behinderte Kinder schon vor der Geburt "aussortiert" werden.

Ethikrat wird in Entscheidungsfindung eingebunden

Aufgrund der „großen ethischen Tragweite“ hat der GBA schon erklärt, dass er den Deutschen Ethikrat in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen wird. „Dies belegt, dass der GBA sehr verantwortungsbewusst und sensibel mit der schwierigen Entscheidung, die elementare ethische Fragestellungen berührt, umgeht“, heißt es in einer Mitteilung.

In Deutschland wird der Test von der Firma Lifecodexx angeboten.

© Romolo Tavani – fotolia.com

Autor: Julia Frisch
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Gentest

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Um die psychologische Versorgung von Krebspatienten in Deutschland zu verbessern, wurde kürzlich das Projekt isPo (Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie) gestartet. Damit soll ein Konzept für eine flächendeckende psychoonkologische Versorgung entwickelt werden.
Händehygiene ist die einfachste und effektivste Maßnahme um die Übertragung von Keimen und Krankenhaus-Infektionen zu verhindern. Das meldet die Medizinische Universität Wien. Am 15. Oktober war Tag des Händewaschens.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Raum 12.109/110 im Erdgeschoss, Landsberger Allee 49, 10249 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.