. Hirntod

Keine Atempause für die Eltern: Wenn das Gehirn vor dem Körper stirbt

Wann ist ein Mensch tot? Wie schwer es ist, den Hirntod eines neunjährigen Jungen zu akzeptieren, war am Mittwochabend im ARD-Film „Atempause“ zu sehen. Auch danach bleibt der Hirntod etwas Unfassbares.
ARD-Film Atempause: Nach dem Hirntod gibt es kein Zurück ins Leben

ARD-Film Atempause: Nach dem Hirntod gibt es kein Zurück ins Leben

Der ARD-Film "Atempause" erzählt die Geschichte eines getrennt lebenden Paares, das hilflos mit ansehen muss, wie ihr neunjähriger Sohn Hannes stirbt, nachdem er beim Fußball am Kopf getroffen wird. Doch Hannes Herz schlägt noch, er atmet auch noch, dank der Beatmungsmaschine und der vielen anderen intensivmedizinischen Apparate, die seinen Körper am Leben halten. Dennoch erklären ihn die Ärzte für tot. Genauer gesagt für hirntot. Während der Vater (Carlo Ljubek) früh akzeptiert, dass Hannes Seele bereits verstorben ist, glaubt die Mutter (Katharina Marie Schubert), dass Hannes zurückkommt.

Aneurysma löste unstillbare Hirnblutung aus

Hannes habe ein Aneurysma im Kopf gehabt, das durch den Schuss auf den Kopf geplatzt sei, erklären die Ärzte. Die Blutung habe zu einem irreversiblen Ausfall der Hirnfunktion geführt. Genauso nüchtern und emotionslos wird den Eltern nahegelegt, sich über eine Organspende Gedanken zu machen. Man mag über den Film geteilter Meinung sein, weil viele Klischees bedient werden (die aufsässige Teenie-Tochter, die nette türkische Großfamilie). Aber der Film vermittelt anschaulich, wie schnell sich das Schicksal von einer Sekunde auf die andere drehen kann und wie schwer es ist,  den Hirntod als Tod zu akzeptieren. „Eben war doch alles noch ganz normal“, sagt die Mutter. Und jetzt soll sie plötzlich die Organe ihres kleinen Jungen freigeben, der aussieht als ob er schlafen und gleich wieder aufwachen würde? Der Hirntod bleibt auch für die Zuschauer etwas Unfassbares.

Hirntod äußerst selten

Ein Hirntod ist selten. 2014 meldeten deutsche Krankenhäuser etwa 2.000 Verstorbene, bei denen der Hirntod vorlag. Das entspricht gerade mal 0,5 Prozent der rund 400.0000 Todesfälle, die sich in Krankenhäusern ereignen. In den allermeisten Todesfällen tritt dagegen der Herzstillstand vor dem unumkehrbaren Hirnfunktionsausfall ein.

Hirntod bedeutet: Alle Funktionen des gesamten Gehirns – also des Großhirns, Kleinhirns und Stammhirns – müssen erloschen sein. Das Organ ist dann nicht mehr in der Lage, die Körperfunktionen wie Atmung, Temperatur und Kreislauf aufrechtzuerhalten. Eine Rückkehr ins Leben ist dadurch unmöglich. Festgestellt wird dies unter anderem mittels EEG, einer Doppler-Sonografie und einer Angiografie. Letztere Untersuchung macht die Blutgefäße im Gehirn sichtbar und somit die fehlende Durchblutung wie es beim Hirntod der Fall ist.

Reflexe bleiben aus

Um den Hirntod eindeutig festzustellen, müssen Ärzte außerdem die Hirnstammreflexe testen. Dazu zählt zum Beispiel der Pupillenreflex, der Aufschluss gibt, ob sich die Pupillen bei Lichteinfall verengen. Oder der Hornhautreflex, bei dem sich das Augenlid schließt, wenn man die Augenhornhaut berührt. Bei Hirntoten fehlen diese Reflexe, ebenso ein Hustenreflex. Weiter wird die Spontanatmung getestet. Um zu sehen, ob ein Mensch noch alleine atmen kann, wird die künstliche Beatmung ausgeschaltet. Löst dies kein Atemreflex aus, liegt ein Ausfall des Atemzentrums vor - ein weiteres wichtiges Kriterium für den Hirntod.

Stellen zwei Ärzte (einer davon muss Neurologe oder Neurochirurg sein) den Hirntod unabhängig voneinander fest, gilt die Diagnose als gesichert. Dann wird der Zeitpunkt des Todes bestimmt und erst dann kann eine Organspende in Betracht gezogen werden. Um einen Interessenkonflikt auszuschließen, dürfen die an den Untersuchungen beteiligten Ärzte weder an der Organentnahme noch an einer späteren Transplantation beteiligt sein. Hannes Eltern entscheiden sich schließlich für die Organspende. Moralisch korrekt, wie es sich für einen Fernsehfilm der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“, gehört. 

Foto: © Dan Race - Fotolia.com

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