. Medikamente für Kinder

Kaum sichere Arzneimittel für Kinder

Weniger als die Hälfte der in Deutschland zugelassenen Medikamente sind für Kinder geprüft. Um das zu ändern, müssen seit 2007 bei Arzneimittelstudien auch Kinder beteiligt werden. Doch der Fortschritt ist in diesem Bereich eine Schnecke.
Kaum zugelassene Medikamente für Kinder

Gesucht: Mehr sichere Arzneimittel für Kinder

Bei Erwachsenen die Ausnahme, bei Kindern schon fast die Regel: Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erhält jedes zehnte bis jedes dritte Kind beim Kinderarzt ein Medikament, das nicht für den aktuellen Anwendungsbereich oder für die Altersgruppe des Kindes zugelassen ist. Dieser sogenannte Off-Label-Use ist auf den Kinderstationen in Krankenhäusern noch wesentlich weiter verbreitet. 25 bis 70 Prozent der Arzneimittel werden dort nach DGKJ-Schätzungen ohne die entsprechende Zulassung verwendet. Besonders hoch ist der Anteil des Off-Label-Use in der Früh- und Neugeborenen-Intensivmedizin mit rund 90 Prozent betroffenen Patienten. Der Grund: Es gibt kaum Medikamente, die für die Anwendung bei Kindern, insbesondere bei Kleinkindern und Babys getestet sind.

Nur wenige Studien mit Kindern: EU-Verordnung wirkt noch nicht

Ändern sollte das eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2006. Seit 2007 müssen Pharmaunternehmen bei der Neuzulassung eines Medikamentes auch Kinder in die Studien einbeziehen. Bis 2011 hatte diese Verordnung für den deutschen Arzneimittelmarkt jedoch kaum Wirkung entfaltet. Die Zahl der Studien mit Kindern war bis dahin nicht signifikant gestiegen, wie DGKJ-Präsident Professor Fred Zepp bemängelte. Nur an etwa fünf Prozent aller Studien waren nach Angaben der DGKJ Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren beteiligt. Neugeborene und Kleinkinder bis zwei Jahre kamen durchschnittlich in 0,5 bis zwei Prozent der Studien vor. Warum es für Kinder und Jugendliche nur wenige zugelassene Medikamente gibt, war für Zepp keine Frage: „Die Unternehmen orientieren sich am Machbaren, am Rentablen.“

 

Arzneimittelhersteller ergreifen die Initiative

Nun gehen die Arzneimittelhersteller in die Offensive. 2013 gründete der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) die Initiative „Arzneimittel für Kinder“. Der Verein räumt ein, dass wirtschaftliche Gründe gegen Studien an Kindern sprechen. Die Erforschung und Entwicklung von Kinderarzneimitteln sei teuer, in vielen Fällen könnten die Hersteller den Aufwand nicht refinanzieren. Deshalb müssten die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Kinderarzneimitteln dringend weiter verbessert werden, so die Forderung.

Sichere Arzneimittel für Kinder

Die Initiative hat sich unter anderem die Verbesserung der Arzneimittel-Sicherheit bei Kindern auf die Fahne geschrieben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Information über Kinderarzneimittel. „Mit unserer Initiative möchten wir bei der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für das Thema Kinderarzneimittel schaffen“, so der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Dr. Markus Rudolph. Dazu hat die Initiative nun die neue Webseite arzneimittel4kids.de gestartet. Damit zielt sie auch auf Vernetzung in Politik, Wissenschaft und Verbänden.

Foto: Peter Hermes Furian - Fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

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