. Moderne Medien

Jugendliche: Hoher Medienkonsum korreliert mit geringer sportlicher Aktivität

Jugendliche beschäftigen sich täglich mehr als zehn Stunden mit modernen Medien. Das geht auch zu Lasten anderer Aktivitäten. Untersuchungen zeigen, dass starker Medienkonsum häufig mit wenig Bewegung und einem hohen BMI einhergeht.
Moderne Medien

Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit modernen Medien

Computer, Smartphones, Fernsehen, Konsolenspiele – all dies gehört für Kinder und Jugendliche heute zum Alltag. Wird ein vernünftiges Maß eingehalten, ist das meist auch problemlos. Doch nimmt der Medienkonsum extreme Ausmaße an, hat dies Folgen für Körper und Geist: Die Jugendlichen bewegen sich immer weniger, können sich schlechter konzentrieren und auch die Gefahr der Vereinsamung steigt mit dem exzessiven Konsum von elektronischen Medien an. Wie lange sich Kinder und Jugendliche jeden Tag mit Smartphone und Co. beschäftigen und welche Folgen das für die körperliche Aktivität hat, haben nun Forscher aus Heilbronn, Mainz und Innsbruck untersucht.

Täglich mehr als zehn Stunden für elektronische Medien

Für ihre Studie haben Professor Sebastian Kaiser-Jovy von der Hochschule Heilbronn, Anja Scheu von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Professor Klaus Greier von der Universität Innsbruck 391 Heranwachsende im Alter zwischen 10 und 14 Jahren untersucht und befragt. Das Ergebnis: Im Tagesablauf von Jugendlichen haben die modernen Medien allen anderen Beschäftigungen – auch dem Sport – eindeutig den Rang abgelaufen: 10,3 Stunden täglicher Medienkonsum in der Woche und sogar zwölf Stunden an den Wochenenden stehen 5,1 Stunden Sport pro Woche gegenüber. „Als Teil eines zunehmend komplexen Freizeitverhaltens in der Jugend ist der Gebrauch von Medien ein bedeutender und bestimmender Faktor für die sportlichen Aktivitäten und die motorischen Leistungen“, kommentiert Kaiser-Jovy die Ergebnisse.

Im Durchschnitt hat jeder der Heranwachsenden 5,6 der folgenden Medien/Geräte zur Verfügung: Fernsehen, Mobiltelefon, Smartphone, Tablet, PC/Laptop, stationäre und portable Spielkonsolen, CD-Spieler, MP3-Player und Radio. Sie selbst hatten im Durchschnitt zwei Drittel der Geräte im Besitz. Die Anzahl der verfügbaren Medien war dabei unabhängig vom Alter, dem Schultyp oder dem sozialen Status der Familien, auch unabhängig vom eventuellen Migrationshintergrund. 31,1 Prozent der Befragten gaben an, sie könnten ohne Smartphone nicht leben – und das quer durch alle sozialen Schichten.

 

Kausalitätsverhältnis schwer nachweisbar

Die Gesamtwerte beim Medienkonsum waren bei Jungen um 2,5 Stunden höher als bei Mädchen. Noch wichtiger als die reinen Zeiten war für die Studienautoren jedoch, dass ein starker Medienkonsum negativ mit sportlichen Aktivitäten und motorischen Fähigkeiten korrelierte. Allerdings, so die Forscher, bedingen sich diese Faktoren gegenseitig und können sowohl Ursache als auch Nebeneffekt sein. „Man muss kritisch sagen, dass Medienkonsum die sportlichen Aktivitäten und noch weniger die motorischen Fähigkeiten per se beeinflusst“, so die Autoren. Es handele sich bei den Medien eher um einen „Zeitkiller“, der damit Teil des komplexen Freizeitverhaltens von Jugendlichen geworden sei.

Foto: © Andrey Popov - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Sport
 

Weitere Nachrichten zum Thema Medienkonsum

| Poker, Pferdewetten, Online-Spiele: Fast eine Million Menschen in Deutschland sind exzessive Internetnutzer. Die Charité-Universitätsmedizin Berlin hat eine Online-Hilfe für Spiel- und Internet-Sucht entwickelt.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.