. E-Health

Jeder Zweite würde Videosprechstunde nutzen

Fast 50 Prozent der Deutschen würden gerne eine Videosprechstunde nutzen. Ärzte sind jedoch eher skeptisch. Worauf diese unterschiedlichen Einschätzungen beruhen, wollte nun die Bertelsmann-Stiftung durch eine Umfrage herausfinden.
Jeder zweite Bundesbürger würde Videosprechstunde nutzen

Viele Bundesbürger würden ihren Arzt gerne per Videosprechstunde konsultieren

Videosprechstunden zwischen Arzt und Patient könnten mit den Änderungsanträgen zum E-Health-Gesetz fester Bestandteil der Versorgung werden. Das erkennen auch die Krankenkassen, und so erprobt zurzeit die Techniker Krankenkasse ein Pilotprojekt zur Anwendung von Online-Sprechstunden bei Dermatologen. Allerdings finden solche Anwendungen in der täglichen Praxis bisher kaum statt, obwohl viele Patienten sich dies wünschen. Während 45 Prozent der Bundesbürger sagen, dass sie Videosprechstunden nutzen würden, stellen gerade einmal 3,5 Prozent der Ärzte diesen Service zur Verfügung.

Patienten wollen Wartezeiten vermeiden

Warum Patienten und Ärzte Videosprechstunden so unterschiedlich einschätzen, wollte nun die Bertelsmann-Stiftung herausfinden. Dazu nutzte sie die Daten einer eigenen repräsentativen Bevölkerungsumfrage unter fast 1600 Bundesbürgern zwischen 18 und 79 Jahren, Interviews mit Experten sowie über 80 Literatur- und Studienquellen. Dabei zeigte sich, dass die Patienten vor allem Hausärzte über Videosprechstunden konsultieren würden. So würden 57 Prozent der Befragten dieses Angebot beim Hausarzt nutzen. 39 Prozent könnten sich dies bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater vorstellen, nur 17 Prozent würden einen Hautarzt online konsultieren und 16 Prozent einen Kinderarzt.

Die Hauptgründe für die Nutzung von Videosprechstunden sind für Patienten das Vermeiden langer Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt, die Möglichkeit, auch am Wochenende oder an Feiertagen mit Medizinern sprechen zu können, die Vermeidung von Ansteckungen im Wartezimmer sowie das Fehlen langer Wartezeiten in der Praxis. Auf den direkten Arzt-Kontakt wollen die Befragten dennoch nicht verzichten. Insbesondere für die Erstdiagnose würden fast alle Befragten einen Arzt aufsuchen.

Videosprechstunden sollen direkten Arzt-Kontakt nicht ersetzen

Die Videokonsultationen sollen also nicht den Besuch beim Arzt ersetzen, sondern nur ergänzen. So könnten auf diese Weise auftauchende Fragen geklärt, Befunde besprochen sowie Behandlungserfolge überprüft werden. Dies sehen auch die befragten Experten so: Die Videosprechstunden seien für Rückfragen, Beratungen, Befundbesprechungen und das Einholen von Zweitmeinungen gut geeignet, heißt es.

Zudem könnten sie bei der langfristigen Begleitung chronisch kranker Patienten Unterstützung bieten. Vorteile durch die Videosprechstunde sehen die Experten auch in unterversorgten ländlichen Regionen. Skeptisch sind die Ärzte allerdings vor allem deshalb, weil die Vergütung von telemedizinischen Leistungen immer noch unklar ist und auch rechtliche Fragen zum Teil ungeklärt bleiben. Als weiteren, nicht unerheblichen Grund führen die Mediziner die Sorge an, dass sie in Zukunft rund um die Uhr für die Patienten erreichbar sein müssten und die Trennung von Berufs- und Privatleben noch schwieriger werden könnte als bisher.

Foto: © verbaska - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema E-Health

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
Osteoporose ist eine schleichende Krankheit, von der Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Doch es kann einiges dagegen getan werden. Darauf machen Experten am diesjährigen Welt-Osteoporosetag am 20. Oktober aufmerksam.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.