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Jeder fünfte Beschäftigte an Depression erkrankt

Mittwoch, 10. November 2021 – Autor:
Depression ist eine schwere Erkrankung – und eine häufige. In praktisch jedem Unternehmen gibt es, statistisch gesehen, depressiv erkrankte Mitarbeiter. Die Mehrheit versucht die Krankheit am Arbeitsplatz immer noch zu verstecken. Ein Drittel geht offen damit um – mit häufig positiven Erfahrungen. Das zeigt das jetzt veröffentlichte „Deutschland-Barometer Depression“ 2021.
Fünfköpfiges Team am Büroarbeitsplatz.

Wer ist es? Von fünf Beschäftigen in Deutschland ist statistisch einer an Depression erkrankt. – Foto: AdobeStock/Vasyl

Klatsch und Tratsch, Unverständnis, Ausgrenzung oder schlimmstenfalls der Verlust des Arbeitsplatzes: Die Angst, sich ausgerechnet in der eigenen Firma, Behörde oder Institution als depressionskrank zu outen, ist verständlicherweise groß. Würden es alle Betroffenen dennoch tun, würden sie schnell merken, dass sie nicht alleine sind. Vielleicht ist der scheinbar immer fröhliche Kollege nebenan gleich der nächste – dann ist man schon zu zweit. „Depression ist eine häufige und schwere Erkrankung“, sagt Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Statistisch gesehen gibt es in nahezu jedem Unternehmen depressiv erkrankte Mitarbeiter.“ Wie weit Depressionen unter Beschäftigten verbreitet sind, zeigt das von der Stiftung jetzt zum fünften Mal aufgelegte „Deutschland-Barometer Depression“.

Jeder fünfte Beschäftigte hat(te) die Diagnose „Depression“

20 Prozent der Berufstätigen gaben an, dass bei ihnen schon einmal die Diagnose Depression gestellt worden sei. Weitere 19 Prozent der befragten Arbeitnehmer vermuten, schon einmal im Leben an Depression erkrankt gewesen zu sein – bisher jedoch ohne eine ärztliche Diagnose. Einen Suizid oder Suizidversuch eines Kollegen haben bereits 15 Prozent der Mitarbeiter erlebt.

 

Ein Drittel der Betroffenen geht offen mit Depression um

Die Mehrheit der Beschäftigten mit Depression spricht dem Barometer zufolge am Arbeitsplatz nicht über die Erkrankung. Ein Drittel der Betroffenen hingegen geht im beruflichen Umfeld offen damit um. Ein überraschend großer Anteil von 70 Prozent dieser Gruppe berichtet, mit dieser Strategie positive Erfahrungen gemacht zu haben. Als Nachteil wird allerdings häufig erlebt, dass nach einem Outing im persönlichen Umgang die Erkrankung häufig im Vordergrund steht – und die eigene Leistung in den Hintergrund rückt. „Menschen mit Depression sind im gesunden Zustand oft Leistungsträger in Unternehmen“, sagt Stiftungs-Chef Hegerl.

Entstehung von Depression: „Arbeit als Ursache überschätzt“

Nach Einschätzung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigen die Ergebnisse des aktuellen Deutschland-Barometers auch, dass die Rolle der Arbeit für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt und gleichzeitig die Bedeutung der Veranlagung unterschätzt wird. Belastungen am Arbeitsplatz, Konflikte im Job/mit Kollegen und die dauerhafte Erreichbarkeit gelten bei den Bundesbürgern als wichtigste Ursachen für Depression. Dass die Depression auch biologische Ursachen hätten, sei dagegen weniger bekannt.

Depressionen: Für Unternehmen Verpflichtung – und Chance

Bei der Prävention wie bei der Behandlung von Depressionen sieht die Stiftung auch die Unternehmen in der Pflicht – im eigenen Interesse. „Arbeitgeber können viel dazu beitragen, dass betroffene Beschäftigte rascher in eine professionelle Behandlung kommen“, sagt Stiftungs-Vorstandschef Hegerl, der sich als Arzt, Wissenschaftler und Buchautor und durch Präsenz in den Medien seit mehr als 30 Jahren für die bessere Erforschung und Aufklärung über Depression und die Suizidprävention einsetzt. Unternehmen sollten dringend Basiswissen und auch Handlungskompetenz zu Depression und Suizidprävention aufbauen. Dadurch könnten neben großem Leid auch immense Kosten vermieden werden.

Neuer Ansatz: Kollegen mit Depressionserfahrung als erste Anlaufstelle

Schulungen von Personalverantwortlichen und Führungskräften und Informationen für alle Mitarbeiter können demnach dazu beitragen, dass Betroffene rascher den Weg in eine professionelle Behandlung finden. Als neuer Ansatz für einen aktiven Umgang mit Depressionen in Unternehmen gilt das Angebot sogenannter Peer-Beratungen (engl. peer = Kollegen, Gleichrangige, hier sinngemäß: Leidensgenossen). Die Idee dabei ist: Mitarbeiter mit Depressionserfahrung bieten niederschwellige Beratungen für Kollegen an – und das vertraulich, zum Beispiel am Telefon oder persönlich, außerhalb von Betrieb und Arbeitszeit.

Hauptkategorie: Medizin
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