Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.05.2016

Jeder dritte Todesfall in der EU vermeidbar

1,7 Millionen EU-Bürger sind im Jahr 2013 gestorben. Ein Drittel aller Todesfälle hätte durch eine optimale Gesundheitsversorgung vermieden werden können. Das geht aus Daten von Eurostat hervor.
EU-weit gibt es in Frankreich die wenigsten vermeidbaren Sterbefälle, in Rumänien die meisten

EU-weit gibt es in Frankreich die wenigsten vermeidbaren Sterbefälle, in Rumänien die meisten

Nach einem Bericht des statistischen Amts der europäischen Union Eurostat hätten 557.000 Menschen unter 75 Jahre im Jahr 2013 nicht sterben müssen, wenn sie nach aktuellem medizinischem Kenntnisstand behandelt worden wären. Somit wäre etwa ein Drittel aller 1,7 Millionen Todesfälle in der EU vermeidbar gewesen. Rund die Hälfte der vorzeitig Verstorbenen ist demnach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall erlegen, wobei Herzinfarkte etwa doppelt so häufig zu einem vermeidbaren Tod führten wie Schlaganfälle (32 % vs. 16 %). Eurostat geht davon aus, dass diese Menschen nicht hätten sterben müssen, wenn sie rechtzeitig eine wirksame Behandlung erhalten hätten. Weitere Ursachen für einen vermeidbaren Tod waren Darmkrebs und Brustkrebs mit  12 bzw. 9 Prozent, Bluthochdruckerkrankungen mit 5 Prozent sowie Lungenentzündungen mit 4 Prozent.

Vermeidbare Sterberate von Land zu Land sehr unterschiedlich

Die meisten vermeidbaren Todesfälle registrierte Eurostat in Rumänien, Lettland, Litauen und der Slowakei. In diesen Ländern starben 45 bis 50 Prozent aller unter 75-Jährigen einen vorzeitigen Tod. Bei unter 30 Prozent lag der Anteil hingegen in Dänemark, Belgien und den Niederlanden. Frankreich verzeichnete mit 23,8 Prozent die niedrigste Zahl an vermeidbaren Sterbefällen in der gesamten EU. Deutschland lag mit 31,4 Prozent im unteren Mittelfeld. EU-weit lag der Schnitt aller vermeidbaren Sterbefälle bei 33,7 Prozent.

Ein Sterbefall gilt als vermeidbar, wenn mit dem zum Zeitpunkt des Todes vorhandenen medizinischen Wissen und den technischen Möglichkeiten alle oder die meisten Sterbefälle aufgrund einer bestimmten Todesursache durch optimale Gesundheitsversorgung hätten verhindert werden können.

 

Indikator für medizinische Versorgungsqualität

Eurostat sieht in der Statistik zwar ein Warnsignal für potenzielle Mängel in den Gesundheitssystemen, sowohl was die Qualität der Gesundheitsversorgung als auch die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesundheitssystems betrifft.

Den Zeigefinger möchte das statistische Amt jedoch nicht erheben. Der Indikator solle nicht als definitives Maß für die Bewertung des Gesundheitswesens in den Mitgliedstaaten dienen, heißt es ausdrücklich in der Mitteilung vom 24. Mai. Die künftige Entwicklung mache Änderungen jederzeit möglich. 

Foto: © Miriam Dörr - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sterberate , Herzinfarkt , Schlaganfall , Qualität
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sterblichkeit

820.000 bis 850.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland. Über die Todesursachen und die Zahl der Sterbefälle einschliesslich Säuglingssterblichkeit informiert jetzt das 52. Heft der Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Robert Koch-Instituts. Die Aussagen erlauben wichtige Rückschlüsse auf die gesundheitliche Situation der Bevölkerung und deren Entwicklung.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin