. Psychoonkologie

Jeder dritte Krebspatient braucht psychotherapeutische Hilfe

Angst, Anpassungsschwierigkeiten und Depressivität sind die häufigsten psychischen Probleme, mit denen Krebspatienten zu kämpfen haben. Eine aktuelle Studie hat nun ergeben, dass jeder dritte Krebspatient psychotherapeutische Hilfe benötigt.
Psychische Betreuung für Krebspatienten

42 Prozent aller Brustkrebsbetroffenen benötigen psychoonkologische Hilfe.

Die psychologische Betreuung von Krebspatienten hat sich zu einem wichtigen Therapiezweig entwickelt. Denn eine Krebserkrankung kann das Leben verändern und das Gefühl von Hilflosigkeit und des Kontrollverlustes hervorrufen. Eine Studie, für die mehr als 4.000 Patienten befragt wurden, hat nun ergeben, dass jeder dritte Krebspatient mit Angst, Depressionen oder Anpassungsstörungen auf die Erkrankung reagiert. Die Studie unter Leitung von Professor Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, und Professor Anja Mehnert von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Leipzig, wurde von der Deutschen Krebshilfe unterstützt und ist kürzlich im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht worden.

Angststörungen bei Krebspatienten besonders häufig

„Durchschnittlich 32 Prozent aller von uns im Rahmen von klinischen Interviews befragten Krebspatienten benötigten psychoonkologische Hilfe“, so Mehnert. „Ein Teil der Patienten hatte sogar mit mehr als einer psychischen Störung zu kämpfen: Etwa sechs Prozent der Befragten litten unter zwei verschiedenen Störungen, während bei eineinhalb Prozent der Teilnehmer sogar drei oder mehr Störungen diagnostiziert wurden.“

Die häufigste psychische Begleiterkrankung nach einer Krebsdiagnose ist laut der Studie die Angststörung. Jeder siebte Studienteilnehmer litt darunter. Fast jeder neunte Betroffene hatte mit Anpassungs­­­störungen zu kämpfen, kam also mit seiner neuen Rolle im Leben nicht zurecht. An dritter Stelle der psychischen Störungen bei Krebserkrankungen steht die Depression – jeder fünfzehnte Befragte war davon betroffen. Auch körperliche Beschwerden, die durch den Stress der Erkrankung oder Alkoholabhängigkeit ausgelöst werden, gehören zum Spektrum der psychischen Störungen bei Krebserkrankungen.

 

Krebsart entscheidender Faktor für psychische Beeinträchtigung

Auch die Krebsart, an welcher der Betroffene erkrankt ist, spielt eine wichtige Rolle für die Entstehung von psychischen Problemen. Besonders gefährdet für psychische Erkrankungen sind nach Angaben der Studienautoren Brustkrebs-Patientinnen sowie Menschen, die an schwarzem Hautkrebs oder einem Tumor des Kopf- oder Halsbereiches erkrankt waren. So waren es 42 Prozent aller Brustkrebspatientinnen, die psychoonkologische Hilfe benötigten, bei Kopf- oder Halstumoren waren es 41 Prozent, bei schwarzem Hautkrebs 39 Prozent. Patienten mit Prostatakrebs litten hingegen „nur“ zu 22 Prozent unter behandlungsbedürftigen psychischen Beeinträchtigungen, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs waren es 20 Prozent.

Auch andere Faktoren, wie etwa das Alter oder das Umfeld, müssen bei der psychoonkologischen Betreuung berücksichtigt werden, betonte Koch-Gromus. Jeder Patient benötige daher eine auf ihn maßgeschneiderte Behandlung. Doch nach wie vor fehlt es für eine angemessene Versorgung an den notwendigen Strukturen und der Finanzierung. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, forderte daher ein größeres Engagement von Gesundheitspolitikern und Kostenträgern für die psychoonkologische Betreuung.

Foto: © Ambrophoto - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Wie kann man die Überlebenschancen bei Bauchfellkrebs verbessern? Die Expertin Professor Beate Rau, Leiterin des Peritonealkarzinosezentrums der Charité, berichtet über eine neue Kombinationstherapie gegen Bauchfellkrebs und wie Patienten davon profitieren können.
 
. Weitere Nachrichten
Die Sonne gewinnt erfreulich spürbar an Kraft, aber die Haut ist noch blass vom Winter: Der Schutz vor UV-Strahlung ist deshalb keinesfalls nur eine Angelegenheit der Sommermonate – er beginnt im April. Auch wenn es sich nicht so anfühlt: Schon jetzt ist die Sonne ähnlich intensiv wie im August.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Haus A, Aufgang D 06, 1. OG, Seminarraum siehe Info-Tafel am Eingang
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.