Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

IVF: Chance auf Schwangerschaft auch noch nach vielen Versuchen

Samstag, 2. Januar 2016 – Autor:
Viele Ärzte schätzen die Aussichten auf eine Schwangerschaft nach drei oder vier erfolglosen IVF-Zyklen als so gering ein, dass sie von weiteren Versuchen abraten. Doch eine britische Meta-Analyse zeigt nun, dass sich eine künstliche Befruchtung sogar bis zum neunten Versuch lohnen kann.
IVF: Auch nach vielen Versuchen noch sinnvoll

In-vitro-Fertilisationen versprechen länger Aussicht auf Erfolg als viele denken – Foto: marochkina - Fotolia

Nach einer erfolglosen In-vitro-Fertilisation (IVF) sinkt bei vielen Frauen die Hoffnung, jemals schwanger werden zu können, und von Versuch zu Versuch wird die Situation meist noch belastender. Um zu untersuchen, wie hoch die Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft auch nach vielen IVF-Versuchen wirklich sind, haben Forscher aus Bristol und Glasgow nun die Daten von über 156.000 Frauen geprüft, die sich in britischen Zentren einer künstlichen Befruchtung unterzogen hatten.

Für die Studie zählten nicht die erreichten Schwangerschaften, sondern nur, wie viele Kinder tatsächlich zur Welt kamen. Es zeigte sich, dass nach der ersten IVF fast jede dritte Frau ein Kind bekommen hatte. Viele Frauen brachen nach dem ersten erfolglosen Versuch die Behandlungen ab, doch bei denen, die weitermachten, stieg der Anteil der Frauen, die ein Baby bekamen, von Runde zu Runde. Nach sechs Versuchen hatten 65 Prozent der Frauen ein Baby, und auch danach gab es noch Chancen, wenn auch nur noch geringe.

Nach neun IVF-Zyklen waren 68 Prozent der Frauen schwanger

Da es nicht bekannt ist, ob Frauen, die nach einem oder mehreren IVF-Versuchen die Behandlung abbrechen, die gleiche Erfolgschance gehabt hätten wie Frauen, die sich weiteren Zyklen unterziehen, stellten die Forscher gleich mehrere Berechnungen an. Neben einer konservativen Schätzung (die die Chancen der Abbrecher mit Null annimmt) und einer optimalen Schätzung (welche annimmt, dass die Abbrecher die gleichen Chancen haben wie die Weiter­macher) berechneten sie noch eine altersadjustierte Rate (die das Alter der Frau berücksichtige) und eine prognose-adjustierte Schätzung. Letztere geht davon aus, dass 30 Prozent der Abbrecher keine Chance mehr auf eine Schwangerschaft gehabt hätten. In der nach Ansicht der Studienautoren besonders realitätsnahen prognose-adjustierten Schätzung stieg die Chance auf ein lebendes Kind von 54 Prozent nach drei Zyklen auf immerhin 68 Prozent nach neun Zyklen.

 

Chancen sinken ab einem Alter von 40 Jahren

Der wichtigste begrenzende Faktor für die Chancen auf eine Schwangerschaft nach IVF war das Alter der Frau. Wurden bei den Frauen von unter 40 Jahren noch 68 Prozent nach bis zu sechs Zyklen Mütter, so waren es im Alter von 40 bis 42 Jahren nur 31 Prozent und im Alter über 42 nur noch zehn Prozent.

Eine In-vitro-Fertilisation kostet in Deutschland ungefähr 3.000 Euro. Von den Krankenkassen werden die Kosten jedoch nur übernommen, wenn die Frau mit einem Mann verheiratet und nicht älter als 40 Jahre ist – und auch dann werden nur drei Versuche bezahlt. Nach Ansichten der Forscher um Debbie Lawlor von der Universität Bristol könnte es jedoch zu früh sein, nach drei oder vier Versuchen aufzuhören, zumindest wenn die psychische und finanzielle Ausgangssituation der Betroffenen es zulässt. Aus Sicht der Studienautoren stellen etwa sechs Zyklen eine vernünftige Grenze dar.

Foto: © marochkina - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kinderwunsch

31.01.2016

Viele Frauen weisen zu Beginn einer Schwangerschaft einen Mangel an Schilddrüsenhormonen auf, weil sie zu wenig Jod mit der Nahrung aufnehmen. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten daher auf ihre Schilddrüsenfunktion und eine ausreichende Jodzufuhr achten.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.

Finden Sie Krebsvorsorge sinnvoll? Ja, sagen 94 Prozent der Deutschen. Nur: Viele schieben sie dennoch vor sich her. Dabei können die Krebsfrüherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen viel Leid verhindern und Leben retten.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin