. Künstliche Befruchtung

IVF: Chance auf Schwangerschaft auch noch nach vielen Versuchen

Viele Ärzte schätzen die Aussichten auf eine Schwangerschaft nach drei oder vier erfolglosen IVF-Zyklen als so gering ein, dass sie von weiteren Versuchen abraten. Doch eine britische Meta-Analyse zeigt nun, dass sich eine künstliche Befruchtung sogar bis zum neunten Versuch lohnen kann.
IVF: Auch nach vielen Versuchen noch sinnvoll

In-vitro-Fertilisationen versprechen länger Aussicht auf Erfolg als viele denken

Nach einer erfolglosen In-vitro-Fertilisation (IVF) sinkt bei vielen Frauen die Hoffnung, jemals schwanger werden zu können, und von Versuch zu Versuch wird die Situation meist noch belastender. Um zu untersuchen, wie hoch die Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft auch nach vielen IVF-Versuchen wirklich sind, haben Forscher aus Bristol und Glasgow nun die Daten von über 156.000 Frauen geprüft, die sich in britischen Zentren einer künstlichen Befruchtung unterzogen hatten.

Für die Studie zählten nicht die erreichten Schwangerschaften, sondern nur, wie viele Kinder tatsächlich zur Welt kamen. Es zeigte sich, dass nach der ersten IVF fast jede dritte Frau ein Kind bekommen hatte. Viele Frauen brachen nach dem ersten erfolglosen Versuch die Behandlungen ab, doch bei denen, die weitermachten, stieg der Anteil der Frauen, die ein Baby bekamen, von Runde zu Runde. Nach sechs Versuchen hatten 65 Prozent der Frauen ein Baby, und auch danach gab es noch Chancen, wenn auch nur noch geringe.

Nach neun IVF-Zyklen waren 68 Prozent der Frauen schwanger

Da es nicht bekannt ist, ob Frauen, die nach einem oder mehreren IVF-Versuchen die Behandlung abbrechen, die gleiche Erfolgschance gehabt hätten wie Frauen, die sich weiteren Zyklen unterziehen, stellten die Forscher gleich mehrere Berechnungen an. Neben einer konservativen Schätzung (die die Chancen der Abbrecher mit Null annimmt) und einer optimalen Schätzung (welche annimmt, dass die Abbrecher die gleichen Chancen haben wie die Weiter­macher) berechneten sie noch eine altersadjustierte Rate (die das Alter der Frau berücksichtige) und eine prognose-adjustierte Schätzung. Letztere geht davon aus, dass 30 Prozent der Abbrecher keine Chance mehr auf eine Schwangerschaft gehabt hätten. In der nach Ansicht der Studienautoren besonders realitätsnahen prognose-adjustierten Schätzung stieg die Chance auf ein lebendes Kind von 54 Prozent nach drei Zyklen auf immerhin 68 Prozent nach neun Zyklen.

 

Chancen sinken ab einem Alter von 40 Jahren

Der wichtigste begrenzende Faktor für die Chancen auf eine Schwangerschaft nach IVF war das Alter der Frau. Wurden bei den Frauen von unter 40 Jahren noch 68 Prozent nach bis zu sechs Zyklen Mütter, so waren es im Alter von 40 bis 42 Jahren nur 31 Prozent und im Alter über 42 nur noch zehn Prozent.

Eine In-vitro-Fertilisation kostet in Deutschland ungefähr 3.000 Euro. Von den Krankenkassen werden die Kosten jedoch nur übernommen, wenn die Frau mit einem Mann verheiratet und nicht älter als 40 Jahre ist – und auch dann werden nur drei Versuche bezahlt. Nach Ansichten der Forscher um Debbie Lawlor von der Universität Bristol könnte es jedoch zu früh sein, nach drei oder vier Versuchen aufzuhören, zumindest wenn die psychische und finanzielle Ausgangssituation der Betroffenen es zulässt. Aus Sicht der Studienautoren stellen etwa sechs Zyklen eine vernünftige Grenze dar.

Foto: © marochkina - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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