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Ist vegetarische oder vegane Kost für Kleinkinder geeignet?

Ist vegetarische oder vegane Kost für Kleinkinder geeignet. Erhalten sie dadurch die nötigen Nährstoffe? Das untersuchten deutsche Forscher jetzt in der VeChi Diet-Studie (Vegetarian and vegan Children Study).
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Vegane oder vegetarische Ernährung deckt bei Kleinkindern nicht in allen Punkten den Bedarf - das gilt aber auch für Kinder, die normale Kost essen

Wie essen vegetarisch, vegan oder mit Mischkost ernährte Kleinkinder in Deutschland, bekommen sie dadurch ausreichend Nährstoffe? Das untersuchten Forscher der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), der Universität Bonn und des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE).

Für die Studie wurden zwischen Oktober 2016 und April 2018 Eltern von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren rekrutiert. Über drei Tage wogen und protokollierten die Familien alle Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel, die das Kind gegessen und getrunken hat. Außerdem wurden Größe und Gewicht des Kindes sowie Daten zur Gesundheit erfragt. Die ersten Ergebnisse schließen die Daten von 364 von insgesamt etwa 420 Kindern ein.

Normale Entwicklung von Körpergröße und Gewicht

Etwa 90 Prozent der vegetarisch oder vegan ernährten Kleinkinder zeigten im Durchschnitt eine normale Entwicklung von Körpergewicht und Körpergröße. Allerdings lagen etwa 10 Prozent der veganen und 6 Prozent der vegetarischen Kinder unterhalb der WHO-Referenzstandards und waren damit zu klein für ihr Alter. Dies könne ein Anzeichen für eine nicht optimale Ernährung sein, sagt Studienleiter Dr. Markus Keller, der an der FHM den Bachelor-Studiengang Vegan Food Management leitet. Bei den Mischkostkindern waren hingegen 3 Prozent übergewichtig.

Die mittlere Energiezufuhr unterschied sich nicht zwischen den Ernährungsgruppen, lag jedoch bei allen geringfügig unter den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

 

Bei Eisen und Folat lagen vegan ernährte Kinder vorn

Bei den Hauptnährstoffen Kohlenhydrate, Fett und Protein lagen alle drei Gruppen im Bereich der Referenzwerte. Unterschiede zeigten sich jedoch bei den Vitaminen und Mineralstoffen: Bei Eisen und Folat (Folsäure) erreichten nur die veganen Kinder im Durchschnitt die Referenzwerte und lagen durchschnittlich 45 bis 50 Prozent höher als die Mischköstler.

Kalzium-Werte deutlich zu niedrig

Alle drei Studiengruppen erreichten im Durchschnitt die Referenzwerte für Zink und Vitamin C. Die höchste Vitamin-C-Zufuhr hatten die veganen Kinder, sie lag circa 30 Prozent höher als bei Kindern mit Mischkost. Kritisch war die durchschnittliche Kalzium-, Jod- und Vitamin-B2-Zufuhr bei allen drei Studiengruppen. Die veganen Kinder hatten dabei die niedrigsten Zufuhren und erreichten beispielweise nur etwas mehr als die Hälfte der empfohlenen Kalziumzufuhr, während die Mischköstler bei etwa drei Viertel der Empfehlung lagen.

Fast alle vegan ernährten Kinder erhielten Vitamin B12

"Positiv zu bewerten ist, dass fast alle veganen Kinder (94  Prozent) ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen. Dies ist generell bei veganer Ernährung und besonders im Kindesalter unabdingbar. Das Vitamin ist unter anderem relevant für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem", so Studienleiterin Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn.

"Klares Ziel muss sein, dass alle veganen Kinder eine Vitamin-B12-Supplementierung erhalten, um potenziell schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden vorzubeugen". Aber auch Vegetarier sollten auf ihre Vitamin-B12-Zufuhr achten. Denn obwohl Vitamin B12 in Milch und Milchprodukten enthalten ist, hatte fast die Hälfte der vegetarisch ernährten Kinder eine Zufuhr unterhalb des Referenzwertes.

Vegetarische oder vegane Kost für Kleinkinder geeignet

"Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass sowohl die vegetarisch und vegan ernährten Kinder als auch die Mischköstler eine vergleichbare und normale Entwicklung von Körpergewicht und Körpergröße zeigen. Dies ist ein erster Hinweis darauf, dass eine vegetarische und auch eine vegane Ernährung im Kleinkindalter bedarfsdeckend sein kann", bilanzierte Dr. Keller.

Finanziert wurde die Studie von der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz. Hans-Georg Kluge, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung, erläutert die Motive: "Vegane und vegetarische Ernährung nehmen in unserer Gesellschaft zu, aber deren Auswirkungen besonders auf die Jüngsten sind bisher wenig erforscht. Mit dieser Studie helfen wir Eltern, sich auf Grundlage von Wissen statt Spekulationen für die beste Ernährung ihres Kindes zu entscheiden."

Foto: san_ta/fotolia.com

Autor: bab
 

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