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Insektenvernichtungsmittel offenbar auch Nervengift für den Menschen

Donnerstag, 21. Oktober 2021 – Autor:
Trotz EU-Verbots finden sich auf einigen Lebensmitteln weiterhin Neonicotinoide. Die Pestizide beeinflussen auch das menschliche Nervensystem, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Wirkung des Nervengifts soll mindestens so stark sein wie Nikotin.
Gefährliche Pestizide: Neonicotinoide beeinflussen menschliche Nervenzellen

Gefährliche Pestizide: Neonicotinoide beeinflussen menschliche Nervenzellen – Foto: © Adobe Stock/ Tan Kian Khoon

Neonicotinoide sind aus gutem Grund seit 2018 in der Europäischen Union verboten. Insektenvernichtungsmittel mit dieser Substanz stören die Signalübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen und führen letzten Endes zum Tod des Insekts. Mehrere Studien konnten bestätigen, dass die Insektizide ebenfalls nachteilige Effekte auf Säugetierzellen haben. Eine bislang unterschätzte Problematik der Pestizide ist, dass neben der Originalsubstanz auch deren Abbauprodukte, also Zwischenstufen des Ausgangstoffs, eine schädliche Wirkung haben können.

Das EU-Verbot wird jedoch nicht konsequent umgesetzt. So sind Neonicotinoide immer noch auf importierten Lebensmitteln zu finden sind, zudem werden von der EU weiterhin Notfallgenehmigungen zur Nutzung des Insektizids gewährt.

Erstmals Effekte auf Humane Nervenzellen gezeigt

Forschende des NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts in Reutlingen und der Universität Konstanz haben Neonicotinoide nun an einem humanen Zellmodell untersucht. Die Ergebnisse bestätigen, dass Neonicotinoide und insbesondere deren Abbauprodukte menschliche Nervenzellen funktionell beeinflussen, ähnlich wie Nikotin.

Für die Untersuchungen nutzten die Forscher humane LUHMES-Zellen (LUnd Human MESencephalic), um einen bestimmten Typus von Nervenzellen daraus zu generieren, die sogenannten dopaminerge Neurone. Diese Art von Nervenzellen ist im Gehirn von Säugetieren an einer Vielzahl biologischer Prozesse beteiligt, unter anderem der Bewegung und Motivation.

Potenziell noch schädlicher als bislang bekannt

Die Neuronen wurden schließlich verschiedenen Neonicotinoiden sowie einem Abbauprodukt des Neonicotinoids Imidacloprid ausgesetzt und mit Nikotin verglichen. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass das Abbauprodukt deutlich stärkere Auswirkungen auf Neurone hat als sein Ausgangsstoff. „Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit Nikotin und als akute Störsubstanz auf das humane Neuronenmodell messbar“, sagt Dr. Udo Kraushaar, Gruppenleiter Elektrophysiologie am NMI. Weitere Effekte auf die neuronale Entwicklung seien nicht auszuschließen, so Forscher, müssten allerdings noch erforscht werden.

Hauptkategorien: Umwelt und Ernährung , Medizin
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