. Enddarmkrebs

Inkontinenz nach Darm-OP: Stoma oft die bessere Lösung

Anale Inkontinenz ist die häufigste Behandlungsfolge von Enddarmkrebs. Oft bessert sich die Situation nach ein bis zwei Jahren. Bis dahin müssen die Patienten vieles ausprobieren; und manchmal bleibt doch nur ein Stoma.
Enddarmkrebs und seine Behandlungsfolge Inkontinenz: Wirklich Abhilfe schafft nur eine Stoma

Enddarmkrebs und seine Behandlungsfolge Inkontinenz: Wirklich Abhilfe schafft nur eine Stoma

Durch neoadjuvante Radiochemotherapie plus Operation haben sich die Heilungschancen bei Enddarmkrebs in den letzten Jahren sehr verbessert. Obwohl auch die Operationsverfahren schonender geworden sind, bleiben den Patienten unangenehme Behandlungsfolgen nicht erspart. Studien zeigen, dass über 60 Prozent nach der Kombinationstherapie unter analer Inkontinenz leiden. Ein weiteres Drittel klagt über den Verlust sexueller Aktivität und ebenso viele über Herz-Kreislauferkrankungen.

Anale Inkontinenz beeinträchtigt Lebensqualität am meisten

Besonders die Inkontinenz werde als sehr beeinträchtigend erlebt, sagte Prof. Martin Kreis von der Charité am Samstag auf dem Krebsaktionstag in Berlin. Zwar besserten sich die Symptome oft ein bis zwei Jahre nach der Operation, doch in vielen Fällen bleibe das Problem bestehen, selbst wenn der Schließmuskel erhalten werden konnte. Der Grund: Durch die Behandlung werden wichtige Nervenbahnen unterbrochen.

Abhilfe können zum Beispiel Medikamente, Biofeedback und Krankengymnastik, die anale Irrigation oder Analtampons schaffen. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch offenbar für keine dieser Maßnahmen. „Einen Standard gibt es nicht, ein Ausprobieren verschiedener Dinge bleibt unvermeidbar“, erklärte der Chirurg mit Blick auf das medizinisch Machbare. Dazu zählen Medikamente wie Loperamid oder Tinctura opii, die bei dünnflüssigem Stuhl gegeben werden können. Kreis warnte jedoch in diesem Zusammenhang vor einem Darmverschluss, falls Engstellen im Darm vorliegen. Bei starken Hautreizungen im Analbereich kann auch Cholestyramin (Quantalan) gegeben werden. Den künstlichen Schließmuskel bezeichnete Kreis indes als experimentell. Ein Nutzen sei noch nicht bewiesen.

 

Gute Erfolge bei Darmspülung und Sakralnervenstimulation

Sehr gute Erfolge erzielt dem Darmkrebsexperten zufolge die anale Irrigation. Damit ist eine Darmspülung gemeint, die zweimal am Tag durchgeführt werden sollte. Eine exzellente Verbesserung der Lebensqualität soll sich auch nach eine Stimulation der Sakralnerven einstellen. Über ein spezielles Gerät werden hierbei die Nerven in der Nähe des Schließmuskels stimuliert.

Die vielleicht einfachste, aber auch unpopulärste Maßnahme sind Analtampons. Neun von zehn Patienten lehnen diese Schadensbegrenzung ab, weil sie es als unangenehm empfinden. Doch ein Versuch lohne sich, meinte Martin Kreis. „Die wenigen die davon profitieren, sind sehr zufrieden“, betonte er.

Stoma als ultima ratio

Bringt das alles keine wirkliche Besserung, sollten Patienten auch über ein Stoma nachdenken. Studien zur Lebensqualität haben gezeigt, dass Inkontinenz schlimmer empfunden wird als ein künstlicher Darmausgang. Darmkrebsexperte Kreis berichtete von Patienten, die sich wegen ihrer Inkontinenz sogar mit Selbstmordgedanken herumschlagen. Für viele sei dann ein Stoma die bessere Lösung. „Ein Stoma ist das Hilfsmittel, das wirklich Abhilfe schafft“, so der Experte

Foto: © ALDECAstudio - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs , Darm
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Bei Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen ist der Botenstoff Interleukin-6 im Blut erhöht. Das haben Ärzte des LMU Klinikums in einer Pilotstudie herausgefunden. Demnach könnte der Interleukin-6-Spiegel als Biomarker fungieren und auf die Notwendigkeit einer Intensivbetreuung hinweisen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.