Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
29.02.2016

Inkontinenz nach Darm-OP: Stoma oft die bessere Lösung

Anale Inkontinenz ist die häufigste Behandlungsfolge von Enddarmkrebs. Oft bessert sich die Situation nach ein bis zwei Jahren. Bis dahin müssen die Patienten vieles ausprobieren; und manchmal bleibt doch nur ein Stoma.
Enddarmkrebs und seine Behandlungsfolge Inkontinenz: Wirklich Abhilfe schafft nur eine Stoma

Enddarmkrebs und seine Behandlungsfolge Inkontinenz: Wirklich Abhilfe schafft nur eine Stoma

Durch neoadjuvante Radiochemotherapie plus Operation haben sich die Heilungschancen bei Enddarmkrebs in den letzten Jahren sehr verbessert. Obwohl auch die Operationsverfahren schonender geworden sind, bleiben den Patienten unangenehme Behandlungsfolgen nicht erspart. Studien zeigen, dass über 60 Prozent nach der Kombinationstherapie unter analer Inkontinenz leiden. Ein weiteres Drittel klagt über den Verlust sexueller Aktivität und ebenso viele über Herz-Kreislauferkrankungen.

Anale Inkontinenz beeinträchtigt Lebensqualität am meisten

Besonders die Inkontinenz werde als sehr beeinträchtigend erlebt, sagte Prof. Martin Kreis von der Charité am Samstag auf dem Krebsaktionstag in Berlin. Zwar besserten sich die Symptome oft ein bis zwei Jahre nach der Operation, doch in vielen Fällen bleibe das Problem bestehen, selbst wenn der Schließmuskel erhalten werden konnte. Der Grund: Durch die Behandlung werden wichtige Nervenbahnen unterbrochen.

Abhilfe können zum Beispiel Medikamente, Biofeedback und Krankengymnastik, die anale Irrigation oder Analtampons schaffen. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch offenbar für keine dieser Maßnahmen. „Einen Standard gibt es nicht, ein Ausprobieren verschiedener Dinge bleibt unvermeidbar“, erklärte der Chirurg mit Blick auf das medizinisch Machbare. Dazu zählen Medikamente wie Loperamid oder Tinctura opii, die bei dünnflüssigem Stuhl gegeben werden können. Kreis warnte jedoch in diesem Zusammenhang vor einem Darmverschluss, falls Engstellen im Darm vorliegen. Bei starken Hautreizungen im Analbereich kann auch Cholestyramin (Quantalan) gegeben werden. Den künstlichen Schließmuskel bezeichnete Kreis indes als experimentell. Ein Nutzen sei noch nicht bewiesen.

 

Gute Erfolge bei Darmspülung und Sakralnervenstimulation

Sehr gute Erfolge erzielt dem Darmkrebsexperten zufolge die anale Irrigation. Damit ist eine Darmspülung gemeint, die zweimal am Tag durchgeführt werden sollte. Eine exzellente Verbesserung der Lebensqualität soll sich auch nach eine Stimulation der Sakralnerven einstellen. Über ein spezielles Gerät werden hierbei die Nerven in der Nähe des Schließmuskels stimuliert.

Die vielleicht einfachste, aber auch unpopulärste Maßnahme sind Analtampons. Neun von zehn Patienten lehnen diese Schadensbegrenzung ab, weil sie es als unangenehm empfinden. Doch ein Versuch lohne sich, meinte Martin Kreis. „Die wenigen die davon profitieren, sind sehr zufrieden“, betonte er.

Stoma als ultima ratio

Bringt das alles keine wirkliche Besserung, sollten Patienten auch über ein Stoma nachdenken. Studien zur Lebensqualität haben gezeigt, dass Inkontinenz schlimmer empfunden wird als ein künstlicher Darmausgang. Darmkrebsexperte Kreis berichtete von Patienten, die sich wegen ihrer Inkontinenz sogar mit Selbstmordgedanken herumschlagen. Für viele sei dann ein Stoma die bessere Lösung. „Ein Stoma ist das Hilfsmittel, das wirklich Abhilfe schafft“, so der Experte

Foto: © ALDECAstudio - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs , Darm
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin