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05.05.2021

Infektionsforscher melden Erfolg bei Malaria-Impfstoff

Ein in Tübingen entwickelter Malaria-Impfstoff zeigte in einer Studie eine Wirksamkeit von 77 Prozent. Die Forscher sprechen von einem Meilenstein.
Tübinger Studie: Eine wirksame Malaria-Impfung rückt näher

Tübinger Studie: Eine wirksame Malaria-Impfung rückt näher

Mit 400.000 Todesfällen jährlich gehört Malaria zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt. An der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Malariaparasiten beißen sich Forscher seit Jahrzehenten die Zähne aus. Nun gibt es Grund zum Optimismus. Wie Forscher vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) berichten, hat der Malaria-Impfstoff „PfSPZ-CVac“ in einer Studie eine Wirksamkeit von 77 Prozent gezeigt. Einen so hohen Schutz hatte bislang noch kein anderer Impfstoff-Kandidat bewirkt.

Lebendimpfstoff enthält infektiöse Parasiten

Der Malaria-Impfstoff „PfSPZ-CVac“ wurde von einem deutschen Forscherteam in Tübingen gemeinsam mit dem Biotechnologieunternehmen Sanaria entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Lebendimpfstoff, bestehend aus infektiösen Malariaparasiten. Die lebenden Parasiten werden den Probanden zusammen mit einem Malariamedikament gespritzt. Die Parasiten gelangen zunächst in die Leber und wandern von dort nach sieben Tagen ins Blut. Doch an diesem Punkt entfaltet das Malaria-Medikament seine Wirkung und tötet die Parasiten, die die Leber verlassen sofort ab. Während der sieben Tage kann das Immunsystem eine hochspezifische und wirksame Immunität gegen die Parasiten aufbauen.

 

Neues Impfschema entwickelt

„Mit dieser Studie haben wir einen neuen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung eines erfolgreichen Malariaimpfstoffs erreicht“, erläutert Professor Peter Kremsner vom Forschungsbereich Malaria am DZIF. Für die aktuelle Studie hatten die Forscher ein neues Impfschema entwickelt. Die Probanden wurden innerhalb von vier Wochen dreimal geimpft. Zuvor waren 13 Immunisierungen nötig. Gezeigt wurde außerdem, dass der Impfstoff auch vor Parasiten-Varianten hilft, die nicht identisch mit denen im Impfstoff sind.

Um die Wirksamkeit zu untersuchen, wurde ein sogenannter Provokationstest durchgeführt. Das heißt nach der Impfung wurden die Probanden mit Malaria-Parasiten infiziert. War die Immunisierung gegen erfolgreich, wurden die Parasiten vom Immunsystem gezielt abgetötet. Falls der Immunschutz unvollständig war und die Parasiten sich vermehrten, wurden die Probanden bereits vor Auftreten von Krankheitssymptomen behandelt. In der durchgeführten Studie waren zehn von 13 geimpften Probanden gegen die Infektion vollständig immun.

Das Immunsystem wehrt sich mit Antikörpern

„Durch den Impfstoff wird im Körper eine hohe Menge verschiedener Antikörper gebildet, die sowohl die injizierten Parasiten als auch Antigene des darauffolgenden Leberstadiums erkennen können“, erklärt Dr. Rolf Fendel. „Diese Antikörper sind wahrscheinlich zusätzlich zu einer spezifischen zellulären Immunantwort für die schützende Immunantwort verantwortlich.“

Malaria ist kein Virus. Der Erreger heißt Plasmodium falciparum und ist ein kleines Einzeller-Tierchen, das wiederum durch den Stich der infizierten Anopheles-Mücke übertragen wird. Die Parasiten nisten sich in den roten Blutkörperchen ein und futtern diese quasi leer. 229 Millionen Menschen infizieren sich jedes Jahr damit. Die meisten Betroffenen leben in Afrika. Kinder unter fünf Jahren sind die am stärksten gefährdete Gruppe, die von Malaria betroffen ist; 2019 entfielen 67 Prozent aller Malaria-Todesfälle weltweit auf diese Gruppe.

Foto: © Adobe Stock/ Confidence

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
 

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