. "Super-Keime"

Indien-Reise: Multiresistente Keime als Mitbringsel

Viele Menschen, die von einer Indien-Reise zurückkehren, bringen Bakterien mit, gegen die normale Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Häufig merken die Betroffenen nichts von den multiresistenten „Super-Keimen“, doch bei späteren Erkrankungen können diese zu einem großen Problem werden.
Multiresistente Keime

Indien-Urlauber bringen häufig MRSA mit

Mikrobiologen am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern untersuchten Stuhlgang-Proben von 38 Schweizerinnen und Schweizern vor und nach einer Indien-Reise. Im Durchschnitt waren die Teilnehmer 18 Tage in Indien gewesen. Nach der Rückkehr in die Schweiz fand das Wissenschaftlerteam um Professor Andrea Endimiani bei 26 der Probanden antibiotikaresistente Bakterien im Darm. Das heißt, dass 76 Prozent der Reisenden mit sogenannten „Super-Keimen“, gegen die gängige Antibiotika nichts mehr ausrichten können, in die Heimat zurückgekehrt waren.

Darmkeime waren sogar gegen Colistin resistent

Als besonders alarmierend betrachteten die Forscher die Tatsache, dass im Stuhlgang von vier der Probanden Bakterienstämme festgestellt wurden, die auch gegen das Antibiotikum Colistin resistent sind. Es ist das einzige Antibiotikum, das derzeit gegen multiresistente Bakterien eingesetzt werden kann. Einer dieser Colistin-resistenten Bakterienstämme trug das sogenannte „mcr-1“-Gen in sich, welches die Colistin-Resistenz in anderen Darmbakterien in Mensch und Tier fördern und ausbreiten kann.

15 der Indien-Reisenden litten nach der Rückkehr an Reisedurchfall und zusätzlichen Symptomen. Molekulare Analysen ergaben, dass die Schweizer Indien-Reisenden die Keime durch die Umwelt oder durch die Nahrungskette in Indien aufgenommen hatten. Das Problem: Auch, wenn die Träger der multiresistenten Keime zunächst nichts von der Infektion mitbekommen, tragen sie ein hohes Risiko mit sich. Denn wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt an Harnwegsinfektionen oder an einer Blutvergiftung erkranken, sind die Erreger schwer zu bekämpfen.

 

WHO warnt vorzunehmenden Antibiotika-Resistenzen

Die Studienautoren empfehlen, spezifische und engmaschige Monitoringprogramme einzuführen, um unerwartete Krankheitsausbrüche wegen Darmbakterien mit dem „mcr-1“-Gen zu verhindern. Erst im vergangenen Jahr hatte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Margaret Chan die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen als „globale Gesundheitskrise“ bezeichnet. Weltweit sterben nach WHO-Angaben pro Jahr rund 700.000 Menschen, weil Antibiotika gegen bestimmte Keime nicht mehr wirken.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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