Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
12.11.2019

Implantierbarer Sensor ersetzt übliche Blutzuckermessung

Die tägliche Blutzuckerkontrolle bei Diabetes ist lästig und unangenehm. Ein implantierbarer Blutzuckersensor kann den Fingerpieks ersetzen. Am Universitätsklinikum Regensburg wurde jetzt so ein „kleiner Wachhund“ vorgestellt.
Blutzuckersensoren, Diabetes

Diabetiker brauchen viele Geräte, um ihren Blutzucker zu kontrollieren. Ein Sensor unter der Haut misst automatisch und ersetzt den Stick in die Fingerkuppe

Diabetiker müssen täglich ihren Blutzucker kontrollieren, oft sogar vier- bis fünfmal am Tag. Dafür müssen sie sich mit einer Lanzette in den Finger stechen und den Blutstropfen auf einem Teststreifen in ein Blutzuckermessgerät einführen. Nach kurzer Zeit erscheint der Blutzuckerwert auf dem Display. Viele Diabetiker haben zerstochene Fingerkuppen, sind genervt vom Zeitaufwand und wünschen sich sehnlichst eine Alternative zu dieser lästigen Prozedur.

 

 

Sensor im Oberarm misst regelmäßig den Blutzucker

Die gibt es inzwischen in Formen von kleinen implantierbaren Sensoren. Diese Blutzuckersensoren werden im Rahmen eines etwa 15-minütigen ambulanten Eingriffs über einen etwa 0,8 Zentimeter langen Schnitt in den Oberarm unter die Haut implantiert. Direkt über dem Sensor wird ein Transmitter auf die Haut geklebt, der die über den Sensor gemessenen Werte via Bluetooth in eine Smartphone- oder Smartwatch-App überträgt. Der Patient kann dort dort jederzeit seine Blutzuckerwerte einsehen – und entsprechend reagieren. Die Blutzuckermessung ist vollkommen schmerzfrei und läuft unbemerkt ab. 

Kein Pieks in den Finger mehr

„So muss ein betroffener Patient seinen Blutzucker nicht mehr über den Stich in den Finger kontrollieren“, erklärt Dr. Melanie Kandulski vom Universitätsklinikum Regensburg. Das erleichtere Alltag von Diabetikern ungemein. Ihr Patient Michael W. ist jedenfalls hoch zufrieden mit dem Blutzuckersensor, den er vor zwei Jahren implantiert bekam.

„So regelmäßig und häufig wie der Sensor meinen Blutzuckerspiegel misst, könnte ich mir gar nicht in den Finger stechen und meine Werte kontrollieren“, sagt der 36-Jährige, der seit seinem zwölften Lebensjahr an Typ 1 Diabetes leidet. Das Gerät gebe ihm ein Gefühl der Sicherheit. „Da die App meine Blutzuckerwerte anhand einer Verlaufskurfe grafisch darstellt, sehe ich meinen Blutzuckerwert nicht nur als eine Zahl, sondern ich weiß genau, was mein Zucker gerade macht und wie er sich entwickelt“, so Michael W. weiter.

Alarm, wenn Blutzucker zu entgleisen droht

Ist die Kurve über eine längere Zeit hinweg stabil, umso besser. Droht eine Über- oder eine Unterzuckerung vibriert der Transmitter an seinem Arm bereits 20 bis 30 Minuten vorher und die App alarmiert ihn zusätzlich. So kann er innerhalb von Sekunden reagieren und einen Traubenzucker essen oder Insulin spritzen. Die Vibration des Transmitters funktioniert auch ohne Smartphone oder Smartwatch.

Die Systeme beinhalten auch eine Sharing-Funktion, so dass Angehörige ebenfalls Einblick in die Blutzuckerwerte bekommen können. „Das heißt, als Angehöriger eines Diabetikers muss man sich nachts nicht mehr dauernd sorgen, ob der Partner über- oder unterzuckert. Stattdessen kann man die App nutzen und wird durch den Alarm geweckt, sobald sich eine Über- oder Unterzuckerung anbahnt“, betont Ärztin Dr. Melanie Kandulski.

Implantierbare Blutzuckersensoren kommen sowohl für insulinpflichtige Typ-1-, als auch Typ-2-Diabetiker infrage. „Für uns ist dieses System wie ein moderner Wachhund“, wird Michael W. zitiert. 

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Blutzucker
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blutzuckermessung

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin