Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
29.01.2021

Impfung gegen Covid-19 beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit

Die Impfung gegen Covid-19 beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit. Das stellen Geburtsmediziner in einem Positionspapier klar. In Kreisen der Impfgegner und nicht nur da kursiert das Gerücht, die Impfung mache unfruchtbar.
Covid-19-Impfung, Corona-Impfung

Die mRNA-Impfstoffe machen nicht unfruchtbar, betonen Geburtsmediziner

In Kreisen der Impfgegner und nicht nur da kursiert das Gerücht, die Covid-19-Impfung mache unfruchtbar. Die Impfung beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit - das stellen jetzt Prof. Udo Markert, Leiter des Plazenta-Labors der Klinik für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Jena und Prof. Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Jena, in einem Positionspapier fest.

Fehlinformationen und Verschwörungstheorien begleiten die Covid-19 Pandemie seit deren Beginn. Angst und Verunsicherung sind ein fruchtbarer Nährboden für Gerüchte und Halbwahrheiten. Mittlerweile beziehen sie sich auch auf die entwickelten Impfstoffe, insbesondere auf die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Antkörper wirken gegen Plazenta-Bestandteile?

Diese bestehen aus messengerRNA (mRNA), durch die die Körperzellen im Bereich der Injektionsstelle Proteine produzieren, die der Oberfläche der Coronaviren - den sogenannten Spikes - ähneln und dadurch Immunzellen aktivieren, spezifische Antikörper zu bilden. In sozialen Medien findet sich seit Ende 2020 die Behauptung, diese Antikörper würden auch gegen Bestandteile der Plazenta wirken und so zu einer Unfruchtbarkeit führen.

Hintergrund: Das Corona-Spike Protein besteht aus 1.273 Aminosäuren. Darin enthalten ist die aus fünf Aminosäuren bestehende Sequenz VVNQN. Eine ähnliche, aber nicht identische Sequenz aus fünf Aminosäuren (VVLQN) befindet sich im Protein Syncytin-1. Syncytin-1 ist ein Protein aus 538 Aminosäuren, das in der menschlichen Plazenta gebildet wird.

 

Aminosäuren-Sequenz nicht für Antikörper erreichbar

Es wird nun behauptet, dass der Impfstoff dadurch eine Immunantwort nicht nur gegen das Corona-Spike-Protein, sondern auch gegen das Syncytin-1 in der Plazenta hervorrufen und so eine Infertilität verursachen könnte. Doch das ist höchst unwahrscheinlich.

Denn zum einen liegt die VVLQN-Aminosäuren-Sequenz unterhalb der Plazenta-Oberfläche zwischen den beiden Lipidschichten der Oberflächenmembran und ist somit für eventuelle Antikörper nicht direkt erreichbar.

Impfung gegen Covid-19 beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit

Zum anderen: Träfe dies zu, müsste gerade eine Covid-19-Erkrankung zu einer Infertilität führen, da in diesem Fall die Antigen-Belastung der Patientin durch das Corona-Spike-Protein und somit auch die potenzielle Antikörper-Bildung deutlich höher und unkalkulierbarer als im Falle einer Impfung wäre. Das ist durch die bisherigen Erfahrungen mit Covid-19 erkrankten Schwangeren nicht bestätigt.

Fazit der Wissenschaftler: Die Impfung gegen Covid-19 beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit. Aus Sicht der Plazenta-Forschung und Reproduktionsmedizin seien daher entsprechende  Behauptungen völlig unbegründet. "Wir würden allen Frauen eine Impfung empfehlen, um eine Erkrankung und deren großenteils noch unbekannten langfristigen Folgen zu vermeiden", so die Geburtsmediziner.

Antikörper gegen MS bindet nicht an Plazenta-Protein

Bereits vor einigen Jahren wurde ein therapeutischer IgG4-Antikörper (Temelimab) gegen das HERV-W-env-Protein zur Behandlung verschiedener Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Diabetes mellitus entwickelt. Dieses Protein besitzt eine 81-prozentige Übereinstimmung mit dem Syncytin-1 Protein.

In in-vitro Experimenten mit dem therapeutischen Antikörper wurde gezeigt, dass er praktisch nicht an Syncytin bindet und keinen Einfluss auf die Funktionalität von Syncytin in Bezug auf die Synzytiotrophoblastzell-Fusion hat, die für eine normale Plazentaentwicklung wichtig ist.

Foto: Adobe Stock/New Africa

Foto: Adobe Stock/New Africa

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen , Fruchtbarkeit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona-Impfung

19.01.2021

Auch wenn eine Impfung mit „Nicht-Lebendimpfstoffen“ in der Stillzeit nach dem Stand der Dinge weder für die Mutter noch für den Säugling ein besonderes Risiko darstellt: Eine Routineimpfung aller Stillenden wird von den Fachgesellschaften nicht empfohlen. Anders verhält es sich bei Müttern, die wegen bestimmter Grunderkrankungen zu einer Risikogruppe zählen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin