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14.12.2015

Impfen erhöht Allergierisiko nicht

Immer wieder wird vermutet, dass Impfen bei Kindern Allergien auslösen könnte. Dafür gibt es jedoch keine belastbaren Daten, wie die Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) nun betont. Hingegen sind Impfungen wichtig, um Kinder vor schwerwiegenden Erkrankungen zu schützen.
Impfen erhöht Allergierisiko nicht

Experten sehen kein erhöhtes Allergierisiko durch Impfungen

Heutzutage werden mehr Impfungen durchgeführt als früher und auch Allergien nehmen zu. Das veranlasst manche Menschen, an einen Zusammenhang zu glauben – auch weil Impfstoffe Allergene enthalten. Doch Studien konnten bisher keinen Zusammenhang nachweisen. Darauf macht die Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) nun in einem Positionspapier aufmerksam, das in 16 Punkten das Thema Impfen und Allergien behandelt. Die Zusammenfassung dieser Erkenntnisse formuliert die GPA so: „Spezifische Standard-Impfungen und Durchimpfung allgemein (höhere Zahl insgesamt erhaltener Impfdosen) fördern nicht die allergische Sensibilisierung gegen Umweltallergene und fördern nicht die Entwicklung allergischer Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen.“

Impfungen können Allergierisiko sogar senken

Auch für die Vermutung, dass durchgemachte Infektionen das Allergierisiko senken könnten, gibt es keine Belege. Im Gegenteil konnte beispielsweise der am Positionspapier beteiligte Kinder- und Jugendmediziner Dr. Christoph Grüber vom Klinikum Frankfurt (Oder) zeigen, dass mit der Anzahl der Impfungen das Risiko für schwere Neurodermitis sinkt. Und während sich bei Masern- und Keuchhustenimpfung gar keine Effekte auf die Wahrscheinlichkeit einer Allergie zeigten, waren durchgemachte Infektionen mit einem erhöhten Risiko assoziiert.

In dem Sonderheft der GPA werden Kinderärzten auch Möglichkeiten vermittelt, wie sie bei Patienten mit einem erhöhten Allergierisiko vorgehen sollten. So könnte es beispielsweise bei Kindern, bei denen es schon einmal im Rahmen einer Impfung zu einer allergischen Sofortreaktion gekommen ist, durchaus ratsam sein, nachfolgende Impfungen im stationären Umfeld, mit halbierter Impfdosis und mit entsprechend langer Nachbeobachtungszeit vorzunehmen. Zudem rät das Positionspapier nach einer allergischen Impfreaktion grundsätzlich zur Durchführung von Hauttests mit dem Impfstoff, um das Risiko zukünftiger Impfreaktionen zu minimieren.

 

Gegenanzeigen nur in seltenen Fällen

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt Impfungen gerade für Kinder mit Allergien. So sollte bei einem empfindlichen Bronchialsystem oder Asthma möglichst gegen Grippe und Keuchhusten geimpft werden. Bei Asthma rät die Ständige Impfkommission auch zur Impfung gegen Pneumokokken, das hier ein erhöhtes Risiko für eine Infektion besteht. Eine Gegenanzeige besteht nur, wenn eine bekannte Allergie gegen eine Substanz vorliegt, die in dem jeweiligen Impfstoff enthalten ist – beispielsweise eine Allergie gegen Antibiotika oder gegen Hühnereiweiß vom Soforttyp. Letztere besteht nur dann, wenn innerhalb von kurzer Zeit nach dem Verzehr eiweißhaltiger Produkten Symptome wie Hautausschläge, Schwellungen, Erbrechen oder Atemnot auftreten. Nach Angaben des RKI werden allerdinge nur noch wenige Impfstoffe in Hühnerembryos hergestellt; dazu gehören die Impfstoffe gegen Grippe und Gelbfieber.

Das Robert-Koch-Institut betont zudem, dass sich in allen heutigen Schutzimpfungen zusammengenommen nur noch etwa 150 Antigene befinden. Früher beinhaltete allein der alte Keuchhusten-Impfstoff rund 3.000 dieser Proteine. Ein weiterer Vergleich macht das Verhältnis noch deutlicher: Jeden Tag kommt das kindliche Immunsystem mit 2.000 bis 6.000 Antigenen und anderen Fremdmolekülen in Kontakt - weit mehr, als in einer Impfung stecken.

Foto: © Konstantin Yuganov - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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