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24.06.2017

HPV-Experten besorgt über niedrige Impfquoten

Nicht einmal jedes zweite Mädchen in Deutschland ist gegen HPV geimpft. Den Wegbereiter der HPV-Impfung, Harald zur Hausen, ärgert das. Er spricht von großen Versäumnissen.
Harald zur Hausen über das geringe Interesse an der HPV-Impfung: „Jeder muss wissen, was hier erreicht oder versäumt werden kann“

Harald zur Hausen über das geringe Interesse an der HPV-Impfung: „Jeder muss wissen, was hier erreicht oder versäumt werden kann“

Harald zur Hausen hatte in den 1980er Jahren den Zusammenhang zwischen Humanen Papillomviren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs entdeckt. Nicht nur ein Nobelpreis folgten, auch eine Impfung, die vor diesem Krebs und seinen Vorstufen schütz. Seit 2006 ist die HPV-Impfung in Deutschland zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie seither jungen Mädchen in der Pubertät. Eigentlich eine tolle Sache so eine Impfung gegen Krebs, zumal man heute weiß, dass auch andere Tumore damit verhindert werden können. Zum Beispiel Tumore im Mund- und Rachenraum und im Genital- und Analbereich.

Ärzte wissen oft wenig über die HPV-Impfung

Doch im Land herrscht eine große Impfmüdigkeit. Nicht einmal jedes zweite Mädchen (40 %) ist gegen HPV geimpft. Harald zur Hausen äußert sich in einem Interview mit dem Magazin „einblick“ des deutschen Krebsforschungszentrums besorgt, vielmehr ärgert er sich sogar. „Was mich noch mehr ärgert als die Weigerung der Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen, ist die Tatsache, dass viele Mediziner auf diesem Sektor nur sehr oberflächlich informiert sind“, sagt er. „Wir dürfen nicht ermüden, hier noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn gerade das Gesundheitspersonal, die Ministerien und zuständigen Behörden müssen wissen, was hier erreicht oder auch versäumt werden kann.“

 

Vorbild Australien

Was erreicht werden kann, das zeigt Australien. Dort gibt es ein flächendeckendes Impfprogramm an den Schulen. Die Impfquote liegt bei 80 Prozent. Harald zur Hausen zitiert Studienergebnisse aus Australien, wonach die Impfung erstens sehr sicher ist, also kaum Nebenwirkungen macht, und zweitens einen nahezu hundertprozentigen Schutz vor den gefährlichsten Virus-Typen gewährt. „Die dritte und wichtigste Erkenntnis ist aber: Die Impfung schützt vor den Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses“, so der heute 81-jährige Nobelpreisträger.

Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs werden zwar auch im Rahmen der Krebsvorsorge mit dem Pap-Abstrich erkannt. Dennoch treten in Deutschland jährlich rund 4.500 Fälle Gebärmutterhalskrebs auf. Und: Es kommen rund 100.000 chirurgische Eingriffe hinzu, bei denen die Krebsvorstufen entfernt werden. Diese Eingriffe führen in zwei Drittel der Fälle zum gewünschten Erfolg. Allerdings bringen operierte Frauen häufiger Früh- und Totgeburten zur Welt, insbesondere bei späten Schwangerschaften. Für Harald zur Hausen ist die Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung deshalb kein Argument gegen die Impfung, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Auch Jungen sollten geimpft werden

In Australien, Österreich und anderen Ländern werden heute auch Jungen routinemäßig gegen HPV geimpft. Zur Hausen wünscht sich das auch für Deutschland. Weshalb, das begründet er so: „Es lässt sich wohl für alle Kulturkreise der Welt sagen, dass junge Männer in aller Regel mehr sexuelle Partner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Männer sind damit die Hauptüberträger der Infektion“, sagt er. Außerdem stünden ja noch weitere Krebserkrankungen mit Papillomviren in Verbindung, beispielsweise im Mund-Rachen-Bereich, die bei Männern häufiger als bei Frauen seien. Auch Genitalwarzen stellten für beide Geschlechter „ein extrem unangenehmes Problem“ dar. „Deshalb sollten auch Jungen geimpft werden.“

Foto: DKFZ/Tobias Schwerdt

Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
 

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